> > > Hallgrimsson, Haflidi: Werke für Cello & Orchester
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Hallgrimsson, Haflidi - Werke für Cello & Orchester

Farb- und Schattenreichtum


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Truls Mørk und John Storgårds legen zwei zeitgenössische Cellokonzerte vor: eines davon ist erstmals zu hören, beide sind absolut hörenswert.

Das zeitgenössische Repertoire für das Solocello wächst beständig und reichlich, auch in der erweiterten Form mit Orchesterbegleitung. Die tiefen Register holen auf und treten verstärkt in den Vordergrund; eine Tendenz, die auch in der elektronischen Tanzmusik seit langem im Gange ist. Was das wohl über unsre Zeit sagt, und sagen wird? Nun ist eine sehr empfehlenswerte CD mit Zeitgenössischem erschienen, mit dem Cellisten Truls Mørk als Solisten, ein durch alle Epochen versierter und mit ernsthafter Intensität gestaltender Musiker. Begleitet wird er vom Scottish Chamber Orchestra unter der Leitung von John Storgårds. Storgårds, Dirigent des Helsinki Philharmonic Orchestra und des Tampere Philharmonic Orchestra, veröffentlicht momentan viel Musik seiner skandinavischen Zeitgenossen. Nach Werken für Klavier und Orchester von Kimmo Hakola (vgl. unten) folgen nun mit Truls Mørk Werke für Cello und Orchester des Isländers Haflidi Hallgrímsson, die vielleicht nicht so bombastisch sind wie erstgenannte, aber in ihrer Intensität und ihrem Farben-, bzw. Schattenreichtum jene vielleicht noch übertreffen.

Haflidi Hallgrímsson, Jahrgang 1941, begann selbst als Cellist (eine Station war die Solostelle im hier zu hörenden Scottish Chamber Orchestra), und gab seine Orchesterposten erst im Jahre 1983 auf, um sich der Komposition zu widmen. Seine beiden Cellokonzerte, die auf der vorliegenden CD zu hören sind, schöpfen also aus einem reichen Erfahrungsschatz und einer intimen Kenntnis des Instruments. Das erste Cellokonzerte, 'Herma’, entstand 1994/95, das zweite, das nur die Gattungsangabe im Titel trägt, 2003: letzteres ist hier erstmals auf einen Tonträger gebannt worden. Die vertretenen Musiker sind Kenner und ideale Interpreten für Hallgrímssons Werke, da sie wohl vertrauter mit dieser Musik sind, als so manch andere, sicherlich länger vertraut: Das Scottish Chamber Orchestra war in beiden Fällen an der Auftragsvergabe oder der Uraufführung beteiligt, das zweite wurde vom Widmungsträger Truls Mørk uraufgeführt.

Die beiden einsätzigen Werke sind in ihrer Klangwirkung nicht extrem, nicht laut in jenem Sinne, der kein Dezibelangaben bezeichnet. Weitgespannte Bögen, eine ruhige rhapsodische Aura geht von ihnen aus und erzielt unter den Händen der Musiker eine erstaunliche Tiefenwirkung. Mørks kräftiger, fester Ton schmiegt sich in die düsteren Kantilenen mit mächtigem, schillerndem Detailreichtum. Die Konzerte erscheinen so wirklich wie große, reich profilierte, aber geschlossene Blöcke, in denen keine exakte Wiederholung zu finden ist. Die feinen, aber satten Farben, die das Scottish Chamber Orchestra unter Storgårds entfaltet bieten dem Solocello darin einen agilen Gesprächspartner und wohl bereiteten Untergrund. Was Haflidi Hallgrímsson während der Aufnahmen im April 2007, denen er beiwohnte, daran auch feinjustiert, berichtigt oder offen gelassen haben mag, ist nicht zu wissen: aber mit dem Endergebnis kann er sicherlich zufrieden sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Tobias Roth Kritik von Tobias Roth,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hallgrimsson, Haflidi: Werke für Cello & Orchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Ondine
1
29.03.2010
57:21
2007
Medium:
EAN:

CD
761195113325


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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