> > > Haydn, Joseph: Klavierkonzerte Hob. XVIII Nr. 2, 9 & 11
Samstag, 25. November 2017

Haydn, Joseph - Klavierkonzerte Hob. XVIII Nr. 2, 9 & 11

Freigespielter Haydn


Label/Verlag: ARS Produktion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Caspar Frantz und das Solistenensemble Kaleidoskop interpretieren Klavierkonzerte von Joseph Haydn: brillant.

‚Von der Schwierigkeit, Künstler und Werke aus dem Ruf der Behäbigkeit heraus zu befreien’ – so könnten vielerlei Abhandlungen betitelt werden, davon kann wohl so mancher ein Lied singen. Im Falle Joseph Haydns ist es nun schon fast so weit, dass sich der Gemeinplatz vom ‚Papa Haydn’ aufgelöst hat und die Sedimente des Altbackenen sich von diesem wunderbaren Komponisten abschälen. Braucht es noch Abhandlungen, wenn es entsprechende CDs gibt? Wohl kaum. Die fröhliche Aufgabe, eine gelungene, ganz und gar unbehäbige Haydn-Deutung zu den faits accomplis zu gesellen, ist dann in Rezensionen wie diese abgewandert.

Die neu vorgelegte Einspielung der Klavierkonzerte Nr.2 D-Dur, Nr.9 G-Dur und Nr.11 D-Dur von Joseph Haydn durch den jungen Pianisten Caspar Frantz mit dem Solistenensemble Kaleidoskop ist eine solche Interpretation: mit eleganter, beredter Leichtigkeit, Sensibilität und Gespür, mit einem suchtgefährdenden Effekt, unverbraucht, gleichsam frisch aus der Muschel geboren.

Caspar Frantz, Jahrgang 1980, gehört zu den hochdekorierten Musikern seiner Generation, und schärft sein Profil nicht nur als Solist, sondern immer auch im Verbund mit anderen Musikern. Ebenso das Ensemble Kaleidoskop, gegründet 2006, als freie und freiwillige Gruppe, der es um die Auslotung der Musik geht; neuer wie alter, ohne Berührungsängste mit dem Allerneusten, dem Experimentellen, den anderen Künsten. Ohne übertreiben oder überstrapazieren zu wollen, lässt sich sagen, dass auch Haydns Werke in einem solchen Umfeld der Praxis entstanden sind; eine vielsagende Briefstelle Haydns setzt das Primat des Hörens über das Studieren; das künstlerische Anverwandeln und Umlegen etwa der Anregungen Vivaldis und Tartinis, die es in Wien viel zu hören gab. Die Konzerte aus den 1760er und 80er Jahren, ergänzt um das frühe Divertimento Hob.XIV:1 in Es-Dur, tragen schon die Erfahrung des Kapellmeisters des Grafen Morzin und des Fürsten Esterházy an sich. Sie sind praktikabel und eigenständig, effektvoll aber voller Substanz.

Die Interpretation dieser vier Werke ist überaus gelungen, von dem schieren Wohllaut des Klangs bis hin zur Schlüssigkeit der durchdachten Gestaltung. Hier wurde nicht nur der ‚Papa’ verabschiedet, sondern auch gezeigt, dass es des Altmeisterlichen nicht bedarf, um diese Musik zu beleben. Aber was heißt das schon: Altmeister, junge Wilde, junge Milde? Diese Kategorien werden suspendiert, und wer sie mithören will, tut sich keinen Gefallen. So fein und schlank, getupft, ohne spitz zu werden, gibt sich der Anschlag von Frantz und gibt sich das gesamte Klangbild der Konzerte, dass sich schwer-leichte Renaissancewörter wie ‚leggiadro’ aufdrängen. Der dritte Satz des Konzertes Nr.11, um nur eines der schönsten Beispiele beliebig herauszugreifen, ist von dieser Leichtigkeit in der Beherrschung des Instruments, die sich in der angenehmsten, musikalischen Gesprächigkeit ergeht.

Die enge Beziehung zwischen Solist und Orchester, entlang dieser rhetorischen Metapher, lässt auch den Eindruck des Ganzen so werden: Der Hörer fühlt sich angesprochen, involviert. Auch zum ersten Satz des genannten Konzertes müsste man vieles sagen. Zu den anderen Konzerten, aber – die Stimmigkeit eben dieses Ganzen lässt mich davor zurückstehen, weitere Einzelheiten aufzulisten. Dass das Ganze mehr ist als die Summe der Teile, ist ein nicht mehr sonderlich wirksamer Gemeinplatz; aber dass sich nachträglich aus dem Ganzen kaum mehr Teile herauslösen lassen, um die Summe gegenzurechnen, ist ein künstlerisches Qualitätsmerkmal – höchster Güte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haydn, Joseph: Klavierkonzerte Hob. XVIII Nr. 2, 9 & 11

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ARS Produktion
1
01.05.2009
EAN:

4260052380574


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Haydn, Joseph
 - Klavierkonzert D-Dur Hob. XVIII: 11 - Vivace
 - Klavierkonzert D-Dur Hob. XVIII: 11 - Un poco adagio
 - Klavierkonzert D-Dur Hob. XVIII: 11 - Rondo all´ ungherese. Allegro assai
 - Klavierkonzert G-Dur Hob. XVIII: 9 - Allegro
 - Klavierkonzert G-Dur Hob. XVIII: 9 - Adagio
 - Klavierkonzert G-Dur Hob. XVIII: 9 - Tempo di minuetto
 - Klavierkonzert D-Dur Hob. XVIII: 2 - Allegro moderato
 - Klavierkonzert D-Dur Hob. XVIII: 2 - Adagio molto
 - Klavierkonzert D-Dur Hob. XVIII: 2 - Allegro
 - Divertimento Es-Dur Hob. XIV: 1 - Moderato
 - Divertimento Es-Dur Hob. XIV: 1 - Menuet
 - Divertimento Es-Dur Hob. XIV: 1 - Finale. Allegro


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Interpret(en):Frantz, Caspar


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ARS Produktion

Das exquisite Klassiklabel ARS Produktion wurde 1987 von Annette Schumacher mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Die bei Paul Meisen ausgebildete Konzertflötistin hat sich damit nach langer aktiver Musikerlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt.
Für die hervorragende Aufnahmequalität der zahlreichen ARS Produktionen ist Manfred Schumacher, Tonmeister und Aufnahmeleiter, verantwortlich.
Spezifisch für das Label und die Haltung seiner Macher/in: stets wird u.a. den klanglichen Erfordernissen der jeweiligen Werke, Musikepochen und Instrumente in größtmöglicher Weise Rechnung getragen sowie im Übrigen die neueste, beste Technik eingesetzt.
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