> > > Wagner, Richard: Tannhäuser - Paris Version 1861
Donnerstag, 9. Dezember 2021

Wagner, Richard - Tannhäuser - Paris Version 1861

Ein wahrer Lichtblick


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine exzellente Aufnahmequalität.

Naxos will uns zurück ins Jahr 1930 versetzen, mit einem als Remastering für Columbia Records produzierten ‘Tannhäuser’. Wider Erwarten handelt es sich hier nicht um einen Livemitschnitt, sondern um eine Aufnahme, die im August 1930 im leeren Festspielhaus produziert wurde. Arturo Toscanini hatte sich persönlich um die musikalische Einstudierung des Werkes gekümmert, konnte jedoch aufgrund anderweitiger Bindungen die Aufnahme selbst nicht dirigieren.
Gewählt wurde die Pariser Version von 1861, von Wagner selbst mit Balletszenen angereichert. Von einer Integralversion der Oper zu sprechen, ist allerdings bei dieser Aufnahme des ‘Tannhäuser’ etwas zu hoch gegriffen, da einige Szenen – teilweise trotz großer dramaturgischer Bedeutung – gekürzt oder gar vollständig ausgelassen wurden. Viele dieser unglücklichen Striche gehen auf Ideen des Musikwissenschafters Ernest Newman, sowie auf Siegfried Wagner zurück, die damit nicht geringes Unverständnis der wag’nerschen Partitur beweisen.

Der Hörer wird zuallererst von einer exzellenten Aufnahmequalität überrascht, die unter den historischen Tondokumenten sicherlich seinesgleichen sucht. Der Tontechnikguru Ward Marston hat hier vorbildliche Arbeit geleistet: das übliche Rauschen und Kratzen entfällt vollständig, Orchester und Sänger sind stets hervorragend ausbalanciert und von Zeit zu Zeit vergisst der Zuhörer, dass er vor einer Wachsplattenaufnahme sitzt.

Schade, dass Naxos dieses überragende Remastering auf eine so durchschnittliche Aufnahme verschwendet hat. Bereits in der Introduktion wird klar, dass Toscanini sicherlich ganz anderes geleistet hätte, als uns hier von Karl Elmendorff präsentiert wird: eingeschlafene Tempi ohne Klangintensität, schlechte Intonation in Orchester und Chor. Insbesondere die Violinen treten durch geschmierten, unsaubere Lagenwechsel hervor, die mit dem damals natürlich manieristischeren Interpretationsstil nichts mehr zu tun haben. Diese Intonationsprobleme verbessern sich vom zweiten Akt an merklich, wobei trotzdem noch ab und an Tonhöhe mit Lautstärke verwechselt wird (Pilgerchor).
Der ungarische Tenor Sigismund Pilinszky repräsentiert das, was in Österreich liebevoll als ‘Krawatteltenor’ bezeichnet wird. Wir sind hier von einem Heldentenor im Stile Lauritz Melchiors weit entfernt. Pilinsky versucht mangelnde Dramatik in der Stimme durch übermäßig breites Singen wettzumachen, wodurch sich dann jedoch im Registerwechsel Schwierigkeiten bemerkbar machen. Die nicht vorhandene Stimmtechnik verhindert zudem jegliche Phrasierung und von Zeit zu Zeit kommt noch ein leichtes Tremolo hinzu. Alles in allem bietet Pilinszky eine eher peinliche Darbietung, in deren Bild sich seine Ausspracheschwierigkeiten perfekt einfügen. Linguistische Schwierigkeiten sind auch bei der deutschen Sopranistin Ruth Jost-Arden in der Rolle der Venus zu hören – ohne Hilfe der Partitur ist kein Wort zu verstehen, was in einer Wagner-Oper ja kein unwesentlicher Defekt ist. Ansonsten verfügt sie über eine solide Gesangstechnik und die nötige Dramatik. Ruth Jost-Arden ist ein Beispiel dafür, dass es keinesfalls nötig ist, wie heute üblich, die Venus mit einem Mezzosopran zu besetzen.

Ein wahrer Lichtblick ist jedoch die Elisabeth der Maria Müller. Sie besticht durch präzise Stimmführung, perfekte Intonation, klare Aussprache und versteht es zudem noch, die dramaturgischen Fäden des ‘Tannhäuser’ durch ihre Interpretation der Elisabeth deutlich zu zeichnen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Eva-Aurelia Gehrer,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wagner, Richard: Tannhäuser - Paris Version 1861

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Naxos
1
2:32:23
1930
2001
Medium:
BestellNr.:
CD
8.110094-95

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Wagner, Richard


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Dirigent(en):Elmendorff, Karl
Interpret(en):Bayreuth Festival Choir and Orchestra,


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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