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Dienstag, 10. Dezember 2019

The Golden Age of Light Music - Picking Strings

Tönende Nostalgie IV


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gut gelaunte Streichinstrumente, mal gestrichen, mal gezupft, in gut aufgelegten Einspielungen aus den 1950er Jahren. Unterhaltung auf hohem Niveau.

Unterhaltungsmusik, leichte Musik – so antiquiert diese Begrifflichkeiten auch daherkommen mögen, den Hauch des Despektierlichen haben sie noch immer nicht verloren. Wie sehr noch immer der Vorbehalt gegenüber den Qualitäten dieses Genres wirkt, zeigt der Blick ins Musikwörterbuch, das da Unterhaltungsmusik definiert als 'zusammenfassende Bezeichnung für die dem natürlichen Unterhaltungsbedürfnis des Menschen mit sehr unterschiedlichen ästhetischen Anspruch Rechnung tragenden Erscheinungsformen musikalischer Unterhaltung, die seit der 2. Hälfte des 19. Jh. vom künstlerisch anspruchslosen, auf bloße Zerstreuung ausgerichteten Musikstück der sog. Leichten Muse bis zur gehobenen, an volkstümliche Musizierformen anknüpfenden und daher leichter zugänglichen Komposition der sog. Ernsten Musik reichen.'

Die Angelsachsen und ihre amerikanischen Vettern würden diese Definition zwar ebenso unterschreiben, hatten aber mit der an sich unsinnigen Unterscheidung von U- und E-Musik nie eigentliche Probleme. 'Light Music' ist die englische Bezeichnung für jenes Genre, dessen Schwerpunkt auf Melodie liegt, sich unterschiedlichen Stimmungen widmet, Orte und Objekte musikalisch be- und umschreibt. Die BBC etablierte 1945 gar ein eigenes 'Light Programme' mit Radiosendungen wie 'Friday Night is Music Night' (eine noch heute laufende Sendung) oder 'Music While You Work' (ein Radioprogramm, das bereits ab 1940 gesendet wurde und während des 2. Weltkriegs durch Non-Stop-Medleys die Arbeit in den Fabriken in Schwung halten sollte). Bis in die frühen 1960er Jahre erlebte die leichte Musik goldene Zeiten.

Immer wieder haben sich Plattenfirmen dieses Genres angenommen und mal hier, mal da Kompositionen einspielen lassen. Erst mit David Ades' und Alan Buntings akribischer Archivarbeit scheint seit einigen Jahren die Firma Guild Kontinuität in die Aufarbeitung des schier unerschöpflichen Materials bringen zu wollen. Es sind durchweg Originalaufnahmen der 1920er bis 1960er Jahre, die David Ades unermüdlich aus britischen, amerikanischen und mitunter deutschen Archiven holt, thematisch eint, von Alan Bunting in bestmöglicher Qualität restaurieren lässt und in wunderbaren Kompilationen auf den modernen Silberling bringt. Die Reihe 'The Golden Age of Light Music' ist enorm angewachsen – inzwischen zählt sie an die 60 CD-Veröffentlichungen. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Gut so.

Die Streicher wurden innerhalb der umfangreichen 'Golden Age of Light Music'-Reihe bereits zwei Mal besonders gewürdigt. Neben 'Strings and Things go Stereo' und 'Stringin' Along' hat David Ades erneut ein Album mit 30 Stücken aus den Rundfunk- und Plattenfirmenarchiven zusammengestellt, die –mal mehr, mal weniger – den Streichinstrumenten den Vorrang einräumen. Es ist dies eine besonders melodien- und ohrwurmträchtige Kompilation geworden. Neben dem titelgebenden 'Picking Strings' von Ronald Hanmer, gespielt vom Stuttgarter Radioorchester unter Kurt Rehfeld in einer Aufnahme des Jahres 1957 stechen Nummern wie Lorenz Harts und Richard Rodgers' 'Mimi' oder 'Runaway Romance' von F. Andrini und Florian ZaBach hervor. Der 2006 verstorbene Geiger ZaBach war in den USA mit seiner wöchentlichen 'Florian ZaBach Show' bekannt und beweist hier ein ausgezeichnetes Gespür für die jazzige Seite bzw. Saite der Violine. Ein 'Neuzugang' unter den zahlreichen Orchesterchefs und Orchestern ist auf diesem Album der 1922 geborene Gérard Calvi. Bekannt ist Calvi nicht nur durch seine Filmmusik zum Alain Delon-Film 'Die schwarze Tulpe' von 1964, sondern vor allem für seine Musik zu den Asterix-Filmen 'Asterix der Gallier' und 'Asterix und Cleopatra'. Hier glänzen er und sein Orchester mit dem schmissigen 'Vacances' von 1958.

Alan Bunting hat die alten Aufnahmen wieder meisterlich restauriert und ihnen den typischen 50er Jahre-Sound bewahrt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    The Golden Age of Light Music: Picking Strings

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Guild
1
21.04.2009
Medium:
EAN:

CD
795754515626


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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