> > > Boulanger Trio spielt: Klaviertrios von Saint-Saëns, Fauré & Boulanger
Sonntag, 15. September 2019

Boulanger Trio spielt - Klaviertrios von Saint-Saëns, Fauré & Boulanger

Ausdrucksvolle französische Klaviertrios


Label/Verlag: ARS Produktion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Boulanger Trio erweist sich auch mit dieser, ihren zweiten Platte als ein hervorragend abgestimmtes Ensemble, das sich mit drängender Leidenschaft dem französischen Repertoire widmet.

Nach seiner Einstandsplatte legt das 2006 gegründete Boulanger Trio nun bereits seine zweite Einspielung vor. Wie bei der ersten handelt es sich um eine ebenso durchdachte wie gelungene Werkzusammenstellung, für die der aus dem Popmusikbereich herüber genommene Begriff Konzeptalbum allzu kühl wirkt, gemessen an dem farbig-schillernden Inhalt. War es bei der der ersten Aufnahme Schumann als roter Faden (Clara und Robert Schumann bis Wolfgang Rihm), so wird hier das Verbindende bereits im Albumtitel genannt: ‚French Piano Trios‘. Auch diesmal schlagen die drei jungen Frauen des Boulanger Trios einen großen, logischen und musikalisch überzeugenden Bogen. Von Camille Saint-Saëns über Gabriel Fauré zu Lili Boulanger, neben ihrer Schwester Nadia Namensgeberin der Trioformation. Dieser Brückenschlag ist musikhistorisch einleuchtend, lassen sich doch direkte Verbindungen zwischen den Komponisten bzw. der Komponistin erkennen. Doch musikhistorischer Konnex hin oder her – die Werkzusammenstellung überzeugt vor allem, weil das Boulanger Trio drei ganz ausgezeichnete, hoch interessante und zweifelsohne sehr ausdrucksstarke Werke zusammengestellt hat.

Wogende Klangfelder

Schon der Einstieg in den Kopfsatz von Camille Saint-Saëns‘ Trio Nr. 2 e-Moll op. 92 entfacht einen ganz eigenen Zauber. Angefangen von dem im Klangbild mittig postierten Klavier reichen sich die Geige von links und das rechts disponierte Cello die samtig abgetönten Klänge weiter. Es entsteht ein Klangwoge, die langsam, mit einem bruchlosen Legato von einer zur anderen Seite schwappt. Dieser ruhig fortschreitende Beginn wird bald von einem bewegteren Aktionsniveau abgelöst. Und genau hier, etwa in den kontrapunktischen Verdichtungen der Durchführung, stellen sich (klangliche) Probleme ein. Denn so sehr anfangs die akustische Nähe, das Heranzoomen des Hörers an die Musikerinnen eine wunderbare Wirkung entfalten kann, so scheint es in den kontrapunktisch dichten Passagen etwas an klanglichem Entfaltungsraum zu fehlen; die verdichtete Klangtextur hat zu wenig Luft zum Atmen.

Diesen klanglichen Schwierigkeiten zum Trotz entfalten Karla Haltenwanger am Klavier, die Geigern Birgit Erz und Ilona Kindt am Cello eine von hoher Spannung geprägte Atmosphäre. Die Abstimmung zwischen den drei Instrumentalistinnen ist vorzüglich, der Klangfarbenreichtum immens. Das im ungewohnten Fünfer-Takt gehaltene ‘Allegretto’ wird mit Schwung ausgespielt; etwas irritiert von dem ungeraden Metrum, überlässt man sich als Hörer gerne dem kernigen Klang des Boulanger Trios. In den beiden folgenden Sätzen entfalten die drei Frauen einen sehr dichten, dynamisch fein abgestuften Klang. Gerade bei dem in der Mitte stehenden ‘Andante con moto’ aber, einem ganz sachte singenden Lied, hätte man den grazilen Satz mit weniger Vibrato versehen können, um den Charakter auch klanglich nuancierend zu unterstützen. Im Schlusssatz agiert das Boulanger Trio dann wieder voller Verve und vermag einen kraftvollen Schlusspunkt zu setzen. Gerade die so gar nicht französische Fugenhuberei im abschließenden ‘Allegro’ klingt in der mitreißenden Interpretation des Boulanger Trios keine Spur knorrig.

Mal filigran, mal pathetisch

Ehe die drei Damen des Boulanger Trios zwei Stücke ihrer Namenspatronin auf hoch expressive Weise zum Leben erwecken, erkunden sie in Gabriel Faurés d-Moll-Trio op. 120 aus dem Jahr 1923 den eher filigran disponierten Satz. Dass die gerade hymnischen Passagen hier aber ebenso zu ihrem Recht kommen und strahlend ausgesungen werden, trägt zu der überzeugenden Darstellung des Boulanger Trios bei. Auch hier ist das Spiel mit Klangfarben und -nuancen erstaunlich, die Balance zwischen den Instrumenten erstklassig.

Einen veritablen Schlusspunkt – wohl eher ein Ausrufezeichen – setzt das Boulanger Trio abschließend mit Lili Boulangers ‘D’un soir triste’ und ‘D’un matin de printemps’, beide aus dem Jahr 1918. Das erste Stück scheint vollgesogen mit den Leiderfahrungen des Ersten Weltkriegs. In der Mitte einen gewaltigen Trauermarsch entfaltend ist es mit höchster Expressivität aufgeladen, zumindest in der Deutung durch das Boulanger Trio. Dass diese Ausdruckskraft nie vordergründig, bloß dargestellt wirkt, sondern eine ganz tiefe, authentische Wirkung zu entfalten vermag, ist den drei Musikerinnen zu danken. Den Abschluss dieser Einspielung macht das viel kürzere, heitere ‘D’un matin de printemps’, das die kompositorische Avanciertheit in eine fröhlich-unbeschwerte Klangoberfläche eingeprägt hat.

Dem Trio Boulanger Trio gelingt damit eine weitere überzeugende Einspielung, die lediglich klangliche nicht vollkommen zu überzeugen vermag und manchmal etwas zu viel Druck, Expressivität, Kraft erkennen lässt, wenn die Streicher mit (manchmal etwas zu) viel Vibrato dem Klavier Paroli bieten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Boulanger Trio spielt: Klaviertrios von Saint-Saëns, Fauré & Boulanger

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ARS Produktion
1
01.05.2009
Medium:
EAN:

SACD
4260052380451


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Boulanger, Lili
 - D'un soir triste -
 - D'un matin de printemps -
Fauré, Gabriel
 - Trio in d-Moll, op. 120 - I. Allegro, ma non troppo
 - Trio in d-Moll, op. 120 - II. Andantino
 - Trio in d-Moll, op. 120 - III. Allegro vivo
Saint-Saens, Camille
 - Trio Nr. 2 in e-Moll, op. 92 - I. Allegro non troppo
 - Trio Nr. 2 in e-Moll, op. 92 - II. Allegretto
 - Trio Nr. 2 in e-Moll, op. 92 - III. Andante con moto
 - Trio Nr. 2 in e-Moll, op. 92 - IV. Grazioso, poco allegro
 - Trio Nr. 2 in e-Moll, op. 92 - V. Allegro


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Interpret(en):Haltenwanger, Karla
Erz, Birgit
Kindt, Ilona


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ARS Produktion

Das exquisite Klassiklabel ARS Produktion wurde 1987 von Annette Schumacher mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Die bei Paul Meisen ausgebildete Konzertflötistin hat sich damit nach langer aktiver Musikerlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt.
Für die hervorragende Aufnahmequalität der zahlreichen ARS Produktionen ist Manfred Schumacher, Tonmeister und Aufnahmeleiter, verantwortlich.
Spezifisch für das Label und die Haltung seiner Macher/in: stets wird u.a. den klanglichen Erfordernissen der jeweiligen Werke, Musikepochen und Instrumente in größtmöglicher Weise Rechnung getragen sowie im Übrigen die neueste, beste Technik eingesetzt.
Annette und Manfred Schumacher sind ?Überzeugungstäter?. Zwei Individualisten, die Kunst, Kommerz und Können geschickt vereinbaren.
?Die SACD - Super Audio CD kombiniert die Präzision der digitalen Reproduktion mit der Wärme des analogen Klanges. Das hat uns überzeugt.?


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