> > > Klose, Friedrich: Ilsebill
Dienstag, 12. Dezember 2017

Klose, Friedrich - Ilsebill

Sinfonische Märchenoper


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Märchen vom Fischer und seiner Frau als spätromantische Oper mit starken sinfonischen Akzenten. Musikalisch überzeugend dargeboten in einem Mitschnitt aus dem Theater Aachen.

Eine ‚dramatische Symphonie in 5 Bildern’ nennt Friedrich Klose (1862-1942) seine ‘Ilsebill’. Diese 1903 für Karlsruhe komponierte Oper des Bruckner-Schülers Klose folgt – mit einigen kleineren Abänderungen und einer Komprimierung der Handlung auf einen Tag – dem bekannten, auch von den Brüdern Grimm überlieferten plattdeutschen Märchen.

Klose, von Zeitgenossen geschätzt, vom legendären österreichischen Wagner-Dirigenten Felix Mottl protegiert, hat kein großes Oeuvre hinterlassen. Obwohl von Zeitgenossen geschätzt, hat er sich als Komponist nie dauerhaft durchgesetzt. Seine musikalische Sprache ist in der ‘Ilsebill’ in der Wagner-Nachfolge als neoromantisch zu beschreiben, weißt jedoch in den zahlreichen naturbeschreibenden Momenten der Oper auch impressionistische Einflüsse auf. Das große, spätromantische Orchester, das Klose bedient, erinnert an die Sprache von Liszts Tondichtungen ebenso, wie – etwa im großen Zwischenspiel vor dem letzen Bild – an Bruckners kontrapunktische Anlagen. Die sinfonische Prägung des Werks bestimmt die Form, was bei einer Spieldauer von über 135 Minuten hinweg wirkungsästhetisch leider auf Kosten einer wirkungsvollen Dramatik geht. Kloses ‘Ilsebill’ ist in ihre Wirkung ein typisches Beispiel der in der Wagner-Nachfolge konzipierten spätromantischen Opern um 1900, die erst mit Richard Strauss’ und Franz Schrekers Bühnenwerken neue Impulse erhalten wird.

Der bei CPO veröffentlichten Aufnahme liegt eine szenische Aufführung des Theater Aachen vom Mai 2004 zugrunde, die der WDR mitgeschnitten hat. Marcus Bosch lässt das ausgezeichnete Orchester des Hauses funkeln, bedient eine reiche Palette an Klangfarben und sorgt immer wieder für gut disponierte Steigerungen. Er zeigt, wie detailreich Klose hier instrumentiert hat, wie überlegt die sinfonische Anlage ist und sorgt für den großen spätromantischen Atem, der sich zum Fluss steigert. Das gute Sängerensemble des Theater Aachen wird in den drei Hauptpartien von Gästen ergänzt. Norbert Schmittberg gibt einen ebenso lyrisch grundierten wie tenorkräftigen Fischer, Sabine Türners stattet die Ilsebill überzeugend mit jugendlich-dramatischem Sopran und anrührenden Zwischentönen aus, und der polnische Bariton Jaroslaw Sielicki verleiht dem Wels kräftiges Auftreten. Das Engagement und das stilistische Einfindungsvermögen der drei Protagonisten steht ganz im den Dienst des Musikdramas.

Orchester, Chor und Solisten unter Marcus Bosch ist es zu verdanken, dass Friedrich Kloses ‘Ilsebill’ mit ihrer musikalischen Substanz zu überzeugen weiß. Als musikdramatisches, bühnentaugliches Werk jedoch bleiben beim bloßen Hören Zweifel. So ist die vorliegende Aufnahme eine vor allem musikhistorische interessante Ausgrabung, die einmal mehr Aufschluss über jene operngeschichtliche Lücke zwischen Wagner und Strauss gibt, die kaum eine deutsche Oper hervorgebracht hat, die sich bis heute dauerhaft auf den Spielplänen gehalten hat.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Uwe  Schneider Kritik von Uwe Schneider,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Klose, Friedrich: Ilsebill

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
2
20.03.2009
EAN:

761203705726


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Jubel und Ruhe: Warum Hausegger ein so vielgestaltiger Komponist ist, dessen Wiederentdeckung sich durchaus lohnt, wird auch in dieser Einspielung wieder deutlich. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Vielleicht zu Recht vergessen: Als Raritätensammler ist man dankbar, diese vielleicht zu Recht vergessene Suppé-Oper einmal hören zu können. Im CD-Regal oder gar in kommenden Spielplänen braucht man den 'Heimkehrenden Matrosen' aber nicht. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Das Chambre séparée bleibt heute leer: Diese Produktion von Heubergers 'Opernball' setzt leider keine Maßstäbe. Sie ist achtbar, wenn auch nicht von besonderem Esprit getragen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Uwe Schneider:

blättern

Alle Kritiken von Uwe Schneider...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Der Unbekannte Wagner: Es gibt Werke von Richard Wagner, für die sich die Nachwelt in gewisser Weise zu schämen scheint. Seine frühen Ouvertüren lassen den späteren kompositionsgeschichtlichen Revolutionär kaum schon erahnen. Märkls geballte Sammlung hat aber Informationswert. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Jede Menge Bearbeitungen - und ein Original: Ilya Gringolts und Peter Laul überzeugen mit einer Wiedergabe von Igor Strawinskys Werken für Violine und Klavier. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... De Rore im Porträt: Björn Schmelzer setzt seinen Weg mit Graindelavoix konsequent und unbeirrt fort. Vor allem immer reflektiert und gut begründet. Man weiß eben nicht, wie diese Musik wirklich gesungen wurde. Und Schmelzer kann zeigen, dass es auch so gewesen sein könnte. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2017) herunterladen (0 KByte) Class aktuell (4/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich