> > > Suk, Josef: Orchestersuite ´Pohádka´ op. 16
Sonntag, 9. August 2020

Suk, Josef - Orchestersuite ´Pohádka´ op. 16

Märchen und Tänze


Label/Verlag: Octavia
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zwei eher selten zu hörende tschechische Suiten von Dvorák und Suk - dessen 'Pohádka? ist eine echte Entdeckung. Bewegende wie überzeugende Interpretation, guter Klang, leider nur als Stereo-SACD ausgeliefert.

Das japanische Label Exton produziert mit dem Czech Philharmonic Orchestra unter Zdenek Macal derzeit einen Mahler-Zyklus. Die tschechischen Musiker dürfen aber auch immer wieder mit Musik ihrer Landsleute ran: Hier nun wurden zwei Suiten von Antonín Dvorák (1841–1904) und Josef Suk (1874–1935) eingespielt. Wem die slawischen Tänze oder die Sinfonie 'Aus der Neuen Welt’ mit der Zeit dann doch zu langweilig werden, kann mit der 'Tschechischen Suite’ D-Dur op. 39 ein eher selten (ein)gespieltes Werk von Dvorák kennen lernen. Das ursprünglich als Fortsetzung der weitaus bekannteren Serenaden gedachte Werk zerfällt in fünf Sätze: Auf ein pastorales Präludium folgen mit Polka, Sousedská (Menuett), Romanze und Furiant immerhin drei Tanzmusiken. Das rückt die Suite zwar in die Nähe der slawischen Tänze; mit Ausnahme des deftigen Furiants ist die Klangsprache aber eher intim und scheint von einem sommerlichen Idyll auf dem Lande zu sprechen. Die über das klassische Orchester nicht hinausgehende Instrumentierung, welche die Holzbläser schön zur Geltung bringt, unterstreicht diesen Eindruck.

Entdeckung

Eröffnet wird die Platte aber von eine anderen – noch unbekannteren – tschechischen Suite: 'Pohádka’ op. 16 von Josef Suk, der hierzulande nach wie vor nicht gebührend wahrgenommen wird. Der Lieblingsschüler (und spätere Schwiegersohn) von Antonín Dvorák konnte sich dessen Wertschätzung sicher sein; so lobte der Ältere auch Suks Musik zu Julius Zeyers Schauspiel 'Raduz und Mahulena’, aus dem der Komponist seine Suite extrahiert hat. Wohl, weil er dabei recht frei mit der Vorlage umging, wählte er den allgemeinen Titel 'Pohádka’ (Märchen) – ohne jedoch darauf zu verzichten, den vier Sätzen programmatische Titel mitzugeben. Die Suite, die man durchaus als Sinfonie (pastoraler Kopfsatz – Scherzo – Trauermusik – kraftvoll dramatisches Finale mit Apotheose und Verklärung) hören kann, ist eine echte Entdeckung; man kann Dvoráks hoher Meinung nur beipflichten. An dem positiven Eindruck ist die kongeniale Interpretation sicher nicht ‚unschuldig’: Dass Zdenek Macal und die Prager Musiker hier ‚zu Hause’ sind, spürt man in jedem Takt. In beiden Werken haben die Holzbläser eindrucksvoll Gelegenheit, ihre hervorragenden Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Neben dem präzise und stets als homogene Einheit agierenden Klangkörper punktet die Interpretation durch ihren durchgängig natürlichen Fluss, welcher der Musik den Eindruck verleiht, sie würde atmen, und die große Transparenz, die auch bei den dicker instrumentierten Stellen aus Suks 'Pohádka’ nie verloren geht.

Zwei Fragen

Zwei Fragen jedoch stellen sich. Erstens: Warum hat man die beiden Suiten nicht andersherum positioniert? Das wäre zum einen die chronologische richtige Reihenfolge, würde aber auch eine glaubwürdige Steigerung der Mittel und der Aussage darstellen. So effektvoll Dvoráks Furiant am Ende auch wirkt, so schwer kann man nach dem verklärenden Schluss von 'Pohádka' überhaupt weiterhören, zudem sich das Ohr erst auf die dezenteren Schönheiten der Dvorákschen Suite einstellen muss. Zweitens: Warum verzichtet man bei Exton nach der jüngst erschienenen Aufnahme von Mahlers Siebter auch hier auf den Mehrkanal-Layer der SACD? Wie andere Exton-Produktionen mit diesen Ausführenden auch, speist sich die vorliegende Aufnahme aus Live-Mitschnitten aus dem Prager Rudolfinum und ergänzenden Studio-Sessions, die beide 2007 entstanden sind. Hören kann man das aber nur in Stereo. Wieder gilt: Wer ohnehin nur einen herkömmlichen CD-Spieler oder klassische Stereo-Lautsprecher sein Eigen nennt, wird sich daran kaum stören; schade ist es aber doch, wenn die technischen Möglichkeiten nicht genutzt werden. Die Aufnahmequalität ist abgesehen davon recht gut und bietet ein transparentes Klangbild, wenn auch im Studio einmal mehr an der Balance geschraubt wurde; das ist hier jedoch in erträglichem Maße geschehen und äußert sich hauptsächlich in einer etwas zu dominanten Solovioline im ersten Satz von 'Pohádka’. Das Booklet ist wie üblich zweigeteilt: Der originalen japanischen Version liegt ein Inlet mit einer englischen Fassung (keine bloße Übersetzung) bei.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Suk, Josef: Orchestersuite ´Pohádka´ op. 16

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Octavia
1
24.04.2009
Medium:
EAN:

SACD
5425008376745


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Octavia

EXTON & TRITON sind zwei audiophile Reihen von Octavia Records aus Japan, die sich vornehmlich auf europäische Sinfonik, Klaviermusik und Kammermusik spezialisiert haben.

Die Zusammenarbeit mit so bedeutenden Orchestern wie Sydney Symphony, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Pittsburgh Symphony Orchestra, Netherlands Radio Philharmonic Orchestra und so berühmten Dirigenten und Künstlern wie Vladimir Ashkenazy, Manfred Honeck, Sakari Oramo, Pascal Rogé, Jaap van Zweden u.v.a. zeugen von derem hohen Anspruch.


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