> > > Mendelssohn Bartholdy, Felix: Cellosonaten Nr. 1 & 2; Variations concertantes; Romance op. 109; Albumblatt
Montag, 24. Januar 2022

Mendelssohn Bartholdy, Felix - Cellosonaten Nr. 1 & 2; Variations concertantes; Romance op. 109; Albumblatt

Finden als hätte man nie gesucht


Label/Verlag: CAvi-music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Julian Steckel und Paul Rivinius haben dem Jubilar ihre Referenz erwiesen und eine wunderbare Mendelssohn-CD vorgelegt.

Das Mendelssohn-Jahr bringt eine Masse an Einspielungen hervor, die den Jubilar feiern, und auch die Zahl der jungen Cellisten ist nicht gering, die, so darf man hoffentlich pathetisch einmal sagen, in den letzten Jahren den Ruhm ihres Instrumentes erneuern und steigern. Dieses Pathos zu rechtfertigen gelingt naturgemäß nicht in der Überzahl der Fälle, und das reiche Angebot an neuen „Sämtlichen Werken für Cello und Klavier“ Mendelssohns droht gewiss, in die betäubende Stagnation des Überangebots umzukippen. Aber es lohnt sich, weiter zu hören, und das Umkippen nicht zuzulassen. Denn spätestens, wenn man dabei auf die Einspielung von Julian Steckel und Paul Rivinius stößt, wird man sich belohnt fühlen und wieder wissen, wo kulturoptimistisches Pathos herkommt, und wie sich Kammermusik in eine musikalische Festbeleuchtung setzt.

Steckel und Rivinius nähern sich Mendelssohns Werken mit Behutsamkeit, mit einer zarten und gleichermaßen überdacht zupackenden Hand. Bereits in der B-Dur-Sonate op.45, die die CD eröffnet, wiegen Wohlklang, genaue Gestaltung der Übergänge und Schlüssigkeit des harmonischen, kammermusikalischen Ganzen schwerer als forciertes Pathos und Aufbrausen. Die Spannung und Gestaltung der Phrasen und die Ausgewogenheit des Klangs zeigen hier, so widersprüchlich es klingt, ein volles Empfindungsdenken. Es ist bekannt, dass man an vielen Stellen der Werke für Cello und Klavier effektvoll auf emphatische Überwältigungstrategien setzen könnte. Aber ist das nötig? Das Duo zeigt auf dieser Einspielung, dass es nicht notwendig ist, solange das Ziel nicht Ohnmachtsanfall der Damen und Delirium der Herren ist, sondern einfach nur schöne Musik.

Glücklicherweise heißt das aber auch nicht „klassische Dämpfung“ und gewiss nicht „edle Einfalt“. Das 'Allegretto scherzando' der D-Dur-Sonate etwa gerät zu einem ausdrucksreichen Satz, der von der düster-schelmischen Zusammenballung des Beginns auch in einigen Ingrimm geraten kann, nachdem die Sanftheit des Seitenthemas den Hörer in Sicherheit wog. Wie auf der ganzen CD herrscht hier eine tiefe Stimmigkeit der dramatischen und dramaturgischen Abläufe, von Gestaltung und Gestalt. Wenn man nicht der Versuchung erliegt, einfach nur dem nussigen, vollen Ton des Duos zu lauschen, wird man in den Details der stillen Oberfläche zahllose glückliche Entscheidungen und Gestaltungen entdecken.

Wenn die Erde schon zu 72% mit Wasser bedeckt ist, und zu Lande kaum noch Raum zu finden ist zwischen den unausgesetzten Übertrumpfungsversuchen, kann man sich umso mehr freuen, dass mit dem Duo Steckel/Rivinius Kammermusik entsteht, die nicht die Technik des Spektakels und Geschreis, des superlativisch erstmalig Einmaligen bedient. Dass man dennoch sagen kann, ja sagen muss, dass durch diese CD viele andere Einspielungen spektakulär übertrumpft werden, liegt gerade an dem Eindruck, dass hier nicht nach den Regeln des Spektakels gehandelt wurde, sondern nach den Geboten der Musik. Die Interpretation erschöpft sich in den Feinheiten der Details, des Zusammenspiels und des kultivierten Klangs: und nicht in einer gesucht spitzfindigen Spielweise.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Tobias Roth Kritik von Tobias Roth,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mendelssohn Bartholdy, Felix: Cellosonaten Nr. 1 & 2; Variations concertantes; Romance op. 109; Albumblatt

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
CAvi-music
1
02.08.2010
64:22
2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4260085531394
8553139


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"Die fünf Originalwerke Mendelssohns für Cello und Klavier entstanden mehrheitlich für das häusliche Musizieren; die "Amateure" damals müssen ausgezeichnete Musiker gewesen sein, denn die Stücke sind haarsträubend schwer, zu spielen! Mendelssohn experimentierte auch bei diesen Stücken, neue Formen zu finden, bestehende Formen auszureizen und damit das Maximum aus den Instrumenten heraus zu holen. JULIAN STECKEL (*1982) begann bereits mit 5 Jahren das Cellospiel, errang zahlreiche Preise und gewann einige gewichtige Wettbewerbe bereits in jungen Jahren. Ebenso wie Paul Rivinius, der unersetzliche Begleiter am Klavier, wohnt Julian Steckel in Berlin und erfreut sich einer sehr regen Konzerttätigkeit im In- und Ausland, musiziert mit äußerst bekannten Kollegen Kammermusik, spielt schwere Konzertliteratur mit großen Dirigenten und berühmten Orchestern. Der Kalender wird immer voller - hier legt er seine erste Solo-CD vor. JULIAN STECKEL ist der kommende Mann am Cello! „...derart lustvoll-schroff und packend, dass dem Zuhörer im großen Saal des Jugendstilkraftwerks Heimbach fast der Atem wegblieb. ...“ (Der Spiegel, Juni 2007) "


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CAvi-music

"Es muss nicht viel sein, wenn's man gut ist" heißt die Devise für das Label, das stets den Künstler in den Vordergrund stellt, das partnerschaftlich Projekte realisiert, das persönliche Wünsche und Ideen der Künstler unterstützt, das sich vorwiegend auf Kammermusik konzentriert, das handverlesen schöne Musik in hervorragender Interpretation anbietet, mit einer Künstlerliste, die sich sehen lassen kann. Eine sehr persönliche Sache, die von Herzen kommt !! Außerdem kommen neben dem Label CAvi-music auch die Labels "SoloVoce" und "CAvi-Autentica" aus dem Hause Avi-Service for music.


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