> > > Kristóf Baráti: Paganini Violinkonzerte Nr. 1 & 2
Sonntag, 28. November 2021

Kristóf Baráti - Paganini Violinkonzerte Nr. 1 & 2

Virtuose Drahtseilakte


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der ungarische Geiger Kristof Barati kann mit Paganinis ersten beiden Violinkonzerten auf ganzer Linie überzeugen. Sein selbstbewusstes, uneitles Geigenspiel vereint Brillanz und Feinsinn, Schlankheit und Kraft.

'Ich habe einen Engel singen gehört!' schwärmte Franz Schubert, nachdem er Nicolò Paganini mit dessen Zweitem Violinkonzert Ende März 1828 in Wien gehört hatte. Er war nicht der einzige, der dem Charme des italienischen Teufelsgeigers erlag. Für Schumann, Chopin und Liszt waren Paganinis Auftritte wichtige Schlüsselerlebnisse, die ihre künstlerische Laufbahn wesentlich beeinflussten. Heutzutage werden Paganinis Violinkonzerte eher misstrauisch beäugt. Musikwissenschaftler zweifeln an der kompositorischen Qualität dieser Werke, rümpfen die Nase über die formale Formelhaftigkeit, mokieren sich über die simpel gestrickte äußere Dramaturgie.

Da mag etwas Wahres dran sein – Paganinis Zeitgenosse Louis Spohr, ebenfalls ein begnadeter Geigenvirtuose, ist in kompositorischer Hinsicht sicherlich interessanter. Doch all die Vorbehalte, die man gegen Paganinis Musik haben kann – sie sind vergessen, wenn man das fulminante Berlin Classics-CD-Debüt des 30jährigen ungarischen Geigers Kristóf Baráti mit Paganinis ersten beiden Violinkonzerten gehört hat.

Barátis selbstbewusstes, uneitles Geigenspiel vereint alle Qualitäten moderner Virtuosität: Brillanz und Feinsinn, Schlankheit und Kraft, klassizistische Eleganz und romantische Klangsinnlichkeit. Baráti ist kein aggressiver Draufgänger, der sich in die Hörgänge des Publikums krallt. Stattdessen bezirzt er durch zart geschwungene Melodiegirlanden, durch verführerisch leuchtende Drahtseilakte in der Höhe und intensiven Schmelz in der Mittellage. Baráti singt auf seiner Geige, als hätten Countertenor und Sopran zu einer perfekten Einheit zusammengefunden. Souverän wechselt er zwischen sanfter Lyrik und packender innerer Dramatik.

Seine stupende Geigentechnik ist gleichermaßen von der israelischen und russischen Geigenschule geprägt. Auf der Rückseite der CD-Hülle ist zu lesen, dass der Russe Vadim Repin seinem ungarischen Kollegen Baráti „eine fantastische Karriere“ prophezeit hat. Auch wenn solche halboffiziellen Kommentare berühmter Interpreten eher Marketing-Zwecken gehorchen, so mag man sich in diesem Fall lebhaft vorstellen, was der faszinierte Repin von sich selbst in Barátis Spiel wiederentdeckt haben könnte: den stählern muskulösen, von innen brennende Ton. Doch dies ist nur ein Klangcharakter unter vielen, über die Baráti verfügt. Wie selbstverständlich fließt in seinen Individualstil auch etwas von Itzhak Perlmans enervierendem Pathos und Joshua Bells reiner Natürlichkeit ein.

Einen großen Anteil an der vorbildlichen Aufnahme hat die NDR Radiophilharmonie Hannover unter seinem langjährigen Chef Eiji Oue. Der Paganini-erfahrene japanische Dirigent war bereits Hilary Hahn bei ihrem Paganini-Spohr-Album (DG, 2006) zu Diensten gewesen, damals mit dem Schwedischen Radiosinfonieorchester. Ungleich frischer und lebendiger präsentiert sich Oue nun mit dem norddeutschen Klangkörper. Und zeigt, dass Paganini viel vom Operncharme Rossinis besitzt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Felix Stephan,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Kristóf Baráti: Paganini Violinkonzerte Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Berlin Classics
1
15.05.2009
65:40
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
782124164621
0016462bc


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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