> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Klavierkonzerte KV. 242 & 466
Mittwoch, 20. Oktober 2021

Mozart, Wolfgang Amadeus - Klavierkonzerte KV. 242 & 466

Entschwundener Glanz


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auf der DVD „Martha Argerich plays Mozart“ enttäuschen die Interpretationen der „Grand Dame“ des Klavierspiels leider fast auf der ganzen Linie.

1965 gelang Martha Argerich mit dem Gewinn des Warschauer Chopin-Wettbewerbs der große Durchbruch zur Weltkarriere. 15 Jahre später machte sie dort – dieses Mal allerdings als Jury-Mitglied – erneut Schlagzeilen, indem sie den jungen Ivo Pogorelich durch ihren Protest gegen sein vorzeitiges Ausscheiden quasi unfreiwillig über Nacht in den pianistischen Olymp hievte. Zu ihren Einspielungen, die sich in Fachkreisen bis heute höchster Wertschätzung erfreuen, gehören besonders ihre Aufnahmen von Tschaikowskys erstem Klavierkonzert, Liszts h-Moll-Sonate und einigen Chopin-Stücken. Auf dieser bei Opus Arte erschienenen DVD ist sie in einem 2005 in Tokio entstandenen Live-Mitschnitt schwerpunktmäßig mit zwei Werken Mozarts zu hören und zu sehen.

Den Anfang macht das d-Moll-Konzert KV 466, anhand dessen man sich allerdings ernsthaft fragen muss, wie Argerich sich den ihr bis heute anhaftenden Kultstatus erspielt hat. Geradezu erschreckend inkohärent, ja, regelrecht holprig mutet ihre Phrasierung im 'Allegro' an, klangliche Nuancen oder agogische Impulse finden so gut wie nicht statt. Bestenfalls bemüht und insgesamt seltsam verkrampft wirkt hier Argerichs Spiel, was dazu führt, dass man vermutlich bei jeder zweiten Konservatoriums-Abschlussprüfung überzeugendere Versionen hören kann. Die berühmte 'Romanze' – man kann es leider nur in dieser Deutlichkeit sagen – missglückt ebenfalls völlig und gerät zu einer seelenlosen, beinahe mechanisch distanzierten Deutung. Ein wenig besser wird es im abschließenden Rondo, wo Argerich wenigstens gelegentlich zu einer musikalisch aussagekräftigen Linie und etwas mehr Differenziertheit im Anschlag findet. Warum das Publikum am Ende frenetisch applaudiert, ist nach dieser Darbietung jedoch absolut unverständlich und ganz überwiegend wohl ihrem Ruf früherer Tage zu verdanken.

Zusammen mit den Söhnen ihres einstigen Mentors, Paul und Rico Gulda, spielt sie anschließend Mozarts F-Dur-Konzert KV 242, in dessen ergänzender, eigentlich überflüssiger dritter Stimme der Pianist so wenig zu tun hat, dass bekanntlich einst selbst Altkanzler Helmut Schmidt sie als Laie unfallfrei vom Blatt einspielen konnte. Ungeachtet dessen fehlt es auch dieser Interpretation entschieden an gestalterischer Lebendigkeit, und zu der kreuzbraven und aalglatten Lesart gesellen sich obendrein vereinzelte Intonationsungenauigkeiten zwischen den Solisten.

Unter dem reichhaltigen Bonusmaterial befindet sich noch eine Aufführung des dritten Satzes aus Beethovens Tripelkonzert mit Argerich an der Seite von Renaud und Gautier Capuçon. Wie schon in gleicher Formation beim Verbier Festival anno 2007 ist es auch hier das französische Brüderpaar, das die musikalischen Akzente setzt, Argerichs Part bleibt unterdessen erneut recht farblos. In weiteren Dreingaben überzeugt noch einmal Renaud Capuçon mit feingliedrigem, weichem Ton in Mozarts 'Adagio' KV 261 sowie dem Rondo KV 373. Zu guter letzt ist noch die G-Dur-Sinfonie KV 318 enthalten, in der sich das – auch in allen anderen Werken begleitende – New Japan Philharmonic Orchestra unter Christian Arming auf nicht mehr als durchschnittlichem Niveau bewegt.

Als Fazit dieser DVD ist in Anspielung auf das bekannte Zitat aus Flotows gleichnamiger Oper – nach ihrem zwischenzeitlich fast vollständigen Rückzug aus dem Konzertsaal – zwar nicht Martha selbst, offensichtlich aber doch vieles von ihren einstigen pianistischen Fähigkeiten entschwunden.

Interpretation:
Klangqualität:
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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Klavierkonzerte KV. 242 & 466

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
1
16.03.2009
Medium:
EAN:

DVD
809478010043


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Opus Arte

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