> > > Stephen Hough spielt: Klavierwerke von Mendelssohn Bartholdy, Beethoven, Weber, Chopin u.a
Samstag, 28. Mai 2022

Stephen Hough spielt - Klavierwerke von Mendelssohn Bartholdy, Beethoven, Weber, Chopin u.a

Fehlende Dimensionen


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das von Stephen Hough servierte bunte und vielgängige pianistische Menü gerät leider überwiegend zur Diätkost.

Ein im Juli vergangenen Jahres in der Londoner Henry Wood Hall mitgeschnittenes Recital des britischen Pianisten Stephen Hough ist beim Label Hyperion auf CD erschienen. Als einen wahren ‘pianistischen Kessel Buntes’ kann man das Programm bezeichnen, das Hough selbst im Vorwort als so etwas wie zwei Mini-Recitals in einem charakterisiert.

Den Anfang machen Mendelssohns ‘Variations sérieuses’ op. 54, mit deren Titel er das Werk bewusst von damals gängigen Bearbeitungen populärer Themen im Stil bloßer virtuoser Effekthascherei bewusst abgrenzen wollte. Bringt Hough den kontemplativen Charakter des Eingangsthemas noch treffend zum Ausdruck, so mangelt es seinem Spiel in den folgenden insgesamt 17 Abwandlungen leider entschieden zu häufig an zwingender Gestaltungskraft. Zu behäbig geraten etwa die Staccato-Figuren des vierten Abschnitts, die sprunghaften Lagenwechsel der sechsten Veränderung wirken recht mechanisch, und die rasanten, pianistisch besonders anspruchsvollen Variationen acht, zwölf, sechzehn sowie schließlich das Finale versprühen zu wenig agogisches Leben. Zwar meistert Hough die – zugegeben beträchtlichen – technischen Schwierigkeiten stets klar im Ton und wirken die entsprechenden Stellen auch keineswegs bemüht. Doch vermag er darüber hinaus kaum energetische Impulse zu setzen und klangliche Schattierungen zu erzeugen. Auch in dynamisch weniger stürmischem Wellengang geht ihm gestalterischer Facettenreichtum immer wieder ab und wirkt das Spektrum seines Anschlags verhältnismäßig begrenzt. Denkbar nachteilig wirkt sich all das noch desto mehr in Beethovens folgendem Schwergewicht op. 111 aus, mit dessen musikalischem Gesamtgehalt und Dramaturgie er alles in allem schlicht überfordert wirkt und weit davon entfernt bleibt, die Tiefen – insbesondere der Arietta – zu erschließen.

Weit besser gelingen Webers ‘Aufforderung zum Tanz’, die Hough in der Tat mit viel Charme und erfrischendem Humor ausspricht, sowie die beiden pianistischen Raritäten ‘Valse nonchalante’ von Saint-Saëns und ‘Feuillet d’album’ von Emmanuel Chabrier, die er beide zu originellen, pointierten Miniaturen formt. Aber schon zwei der bekanntesten Walzer Chopins (op.64/2 und op. 34/1) kommen ebenso wie Liszts ‘Valse oubliée’ Nr.1 und der ‘Tanz in der Dorfschenke’ wiederum nicht mehr als bestenfalls ‘solide’ und klanglich insgesamt unterdimensioniert daher. Über die unterm Strich nur mäßigen, vielfach zu stromlinienförmigen Interpretationen kann auch das ansprechend gestaltete und informative Booklet nicht hinwegtrösten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Thomas  Gehrig Kritik von Thomas Gehrig,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Stephen Hough spielt: Klavierwerke von Mendelssohn Bartholdy, Beethoven, Weber, Chopin u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
20.03.2009
Medium:
EAN:

CD
034571176864


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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