> > > Paganini, Nicolo: 24 Caprices für Violine Solo op. 1
Dienstag, 25. Juni 2019

Paganini, Nicolo - 24 Caprices für Violine Solo op. 1

Mustergültige Paganini-Capricen


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Kaum je hat Paganinis op. 1 so frisch und unverbraucht geklungen. Tanja Becker-Benders Einspielung für Hyperion verzichtet auf virtuose Selbstdarstellung und rückt stattdessen die reine Musik in den Vordergrund.

Es scheint eine ausgemachte Sache auf dem internationalen Tonträgermarkt zu sein: Nicolò Paganini gehört den männlichen Interpreten. Verschwindend gering ist die Zahl der Geigerinnen, die sich mit seinen Violinkonzerten oder Capricen auf CD präsentieren. Umso erstaunlicher wirkt da jene Selbstverständlichkeit, mit der kürzlich die 30jährige Tanja Becker-Bender Paganinis gewaltigen Etüden-Zyklus in Angriff genommen hat.

Ihre Einspielung für das englische Label Hyperion ist das Zeugnis einer über 20 Jahre währenden Faszination. Bereits als Zehnjährige lernte die gebürtige Stuttgarterin – das Booklet verschweigt dies in aller Bescheidenheit – eine Paganini-Caprice nach der anderen. Mit vierzehn Jahren beherrschte Tanja Becker-Bender das komplette Opus. Mit Anfang 20 wagte sie dann, wovor selbst die abgebrühtesten Virtuosen zurückscheuen – sie führte den gesamten Zyklus live auf. Bei ihrer Studioaufnahme nun scheint Becker-Benders langjährige Paganini-Erfahrung in jeder Note, jeder Phrase durch. Und das Verblüffende: Noch nie haben die Capricen des Italieners so frisch und unverbraucht geklungen.

Becker-Bender hebt sich wohltuend vom breitbeinigen Macho-Gehabe vieler ihrer männlichen Kollegen ab. Sie nimmt sich als Interpretin zurück, protzt nicht mit ihrem (ohne Zweifel phänomenalen) Können. Während Thomas Zehetmair in seiner jüngst veröffentlichten ECM-Neueinspielung einmal mehr den rauschhaften Exzentriker hervorkehrt, versteht sich Becker-Bender als Vermittlerin der reinen Musik. Zehetmair lässt sein Instrument kratzen und beißen, krächzen und kreischen. Er lässt keinen Geräuscheffekt aus, um den genialischen Teufelsgeiger Paganini zum Leben zu erwecken. Ganz anders Tanja Becker-Bender. Der kraftvolle, sonore Ton ihrer Guaneri bleibt auch bei den leidenschaftlichsten Attacken ausgewogen. Ihr Paganini-Spiel wird von Wohlklang und Werktreue beherrscht, von Klarheit des Ausdrucks und Ehrlichkeit der Empfindung. Wo immer sich die Gelegenheit bietet, sucht die Interpretin die Innerlichkeit. Sie genießt die intimen, poetischen Momente.

Zehetmairs Interpretationen warten – im Gegensatz zu der texttreuen Becker-Bender – mit spektakulären Charakterveränderungen und improvisatorischen Verzierungen auf. Jede Caprice bekommt ihre individuelle Maske aufgepresst, jedes Stück hat aggressiv auftrumpfenden Zugabencharakter. Becker-Benders Version dagegen ist eine der ganz wenigen, die man von vorne bis hinten durchhören möchte. Und das lohnt sich. Denn nur auf diese Weise entfalten sich Paganinis 24 Capricen als betörendes, umfangreiches Kunstwerk. Wer Zweifel hat, dass es sich hierbei um den bedeutendsten Zyklus für Solovioline seit Bachs Sonaten und Partiten handelt, der höre Tanja Becker-Bender.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Kritik von Felix Stephan,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Paganini, Nicolo: 24 Caprices für Violine Solo op. 1

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
20.03.2009
Medium:
EAN:

CD
034571177632


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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