> > > Beethoven, Ludwig van: Violinsonaten Nr. 4, 5 & 9 (in zwei Version auf authentischen und modernen Instrumenten)
Montag, 18. Oktober 2021

Beethoven, Ludwig van - Violinsonaten Nr. 4, 5 & 9 (in zwei Version auf authentischen und modernen Instrumenten)

Unauffälliger Beethoven


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gerrit Zitterbart und Matthias Metzger versuchen sich an einer Gegenüberstellung dreier Beethoven-Sonaten in altem und neuem Klanggewand, schaffen aber nicht mehr als eine korrekt wirkende Annäherung ohne besondere Eigenschaften.

Wenn ich ein Stichwort zur Charakterisierung dieser Doppel-CD des Labels Coviello Classics finden müsste, würde mir wohl am ehesten das Wörtchen ‚unauffällig’ in den Sinn kommen. Denn nicht selten macht die Musik hier genau diesen Eindruck. Ludwig van Beethoven wird korrekt musiziert, zeigt auch manchmal eine seiner Spitzen; doch wenn die Musik vorüber ist, reibt man sich verdutzt die Augen und überlegt, was man nun eigentlich gehört hat. Weder den dramatischen Momenten, noch dem unterschwelligen Humor wird besonders viel Raum gelassen. Und das bleibt leider auch so, wenn man die Platte mehrmals gehört hat.

Eigentlich ist es eine gute Idee, die Matthias Metzger (Violine) und Gerrit Zitterbart (Violine) hatten, geht es doch darum, drei Sonaten Beethovens – die Sonaten a-Moll op. 23, F-Dur op. 24 (‚Frühlingssonate’) und A-Dur op. 47 (‚Kreutzer-Sonate’) – in jeweils zwei Fassung mit ‚authentischen’ Instrumenten (einer mit Darmsaiten bespannten Violine von Joseph Gagliano von 1761 und dem Nachbau eines Anton-Walter-Hammerflügels von 1795) und heute gebräuchlichen Klangerzeugern einander gegenüber zu stellen, um dem Hörer bei generell gleichem Interpretationsansatz die Wahrnehmung klanglicher Unterschiede zu vermitteln. In der Tat sind hier deutliche Unterschiede zu spüren, und für manchen Hörer dürfte der direkte Vergleich aus einer Hand eine spannende Erweiterung seiner Hörerfahrung bedeuten.

In der Gesamtsicht würde ich jedoch ganz klar der Interpretation auf modernen Instrumenten den Vorzug geben, denn sie weisen insgesamt einen höheren Differenzierungsgrad auf. Gerade die Wiedergabe auf alten Instrumenten enttäuscht durch einen gewissen Akademismus, der vielleicht der übermäßig didaktischen Haltung dieser Produktion geschuldet ist. Alles ist zwar an seinem Platz, kommt aber auch etwas gleichförmig daher. Dass keiner der beiden Musiker die Beethovenschen Phrasen wirklich einmal aussingt, ist ebenso bedauerlich wie die manchmal recht spannungslos wirkenden Generalpausen und das dynamische Einerlei. Die a-Moll-Sonate ist zwar kontrastreich und sehr gut im Zusammenspiel, doch wirkt das Klavier recht hart und zusätzlich nuancierungsbedürftig, die ‚Frühlingssonate’ gerät im Kopfsatz gelegentlich gar etwas marschmäßig und mechanisch (so etwa in der Durchführung), und auch op. 47 bleibt in der Ausführung hinter den Möglichkeiten des Notentextes zurück.

Viele Hörer mögen dadurch in der Meinung bestärkt werden, dass das Musizieren auf modernen Instrumenten musikalisch-klanglich demjenigen auf ihren historischen Pendants überlegen ist. In der Tat bekommt man hier manchmal diesen Eindruck vermittelt: Während Metzger eigentlich in beiden Bereichen überzeugen kann, erweist sich Zitterbart, der als Experte für das Spiel auf historischen Instrumenten gilt, bei der Handhabung des Walter-Nachbau oft ein wenig unflexibel (besonders bei der oft langweiligen Darstellung von Begleitfiguren, was schon mal zum bleiernen Poltern wird) sowie klanglich eindimensional. Demgegenüber legt er beim Vortrag auf dem Steinway wesentlich mehr Feinheiten an den Tag. Dass dies jedoch nicht unbedingt so sein müsste, beweist die historisch-orientierte Einspielung der a-Moll-Sonate durch Andreas Staier und Daniel Sepec (Harmonia mundi, 2006), die gerade aufgrund ihrer detailreichen Darstellung dynamischer und artikulatorischer Nuancen dem Werk viel besser gerecht wird.

So bleibt am Ende der Eindruck, dass hier zwar alles am rechten Platz und schön ausgeführt ist, dass die Musik aber auch ein wenig unter der Überkorrektheit des Musizieransatzes leidet, die keine besondere persönliche Note zulässt, so dass man die Einspielung recht schnell wieder vergisst. Denn eigentlich reizt nichts daran, was man nicht in anderen Aufnahmen besser haben könnte – das besondere Profil liegt darin, dass man sich keines erlaubt und manchmal auch ein wenig zu vergessen scheint, dass es sich um richtig aufregende Musik handelt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Violinsonaten Nr. 4, 5 & 9 (in zwei Version auf authentischen und modernen Instrumenten)

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coviello Classics
2
01.03.2009
Medium:
EAN:

CD
4039956209041


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Beethoven, Ludwig van
 - Sonate für Violine und Klavier a-Moll op. 23 - Presto
 - Sonate für Violine und Klavier a-Moll op. 23 - Andante scherzoso piu allegretto
 - Sonate für Violine und Klavier a-Moll op. 23 - Allegro molto
 - Sonate für Violine und Klavier F-Dur op. 24 ´Frühlingssonate´ - Allegro
 - Sonate für Violine und Klavier F-Dur op. 24 ´Frühlingssonate´ - Adagio molto espressivo
 - Sonate für Violine und Klavier F-Dur op. 24 ´Frühlingssonate´ - Scherzo - allegro molto
 - Sonate für Violine und Klavier F-Dur op. 24 ´Frühlingssonate´ - Rondo - allegro ma non troppo
 - Sonate für Violine und Klavier A-Dur op. 47 ´Kreutzersonate´ - Adagio sostenuto - Presto
 - Sonate für Violine und Klavier A-Dur op. 47 ´Kreutzersonate´ - Andante con variazioni
 - Sonate für Violine und Klavier A-Dur op. 47 ´Kreutzersonate´ - Finale. Presto
 - Sonate für Violine und Klavier a-Moll op. 23 - Presto
 - Sonate für Violine und Klavier a-Moll op. 23 - Andante scherzoso piu allegretto
 - Sonate für Violine und Klavier a-Moll op. 23 - Allegro molto
 - Sonate für Violine und Klavier F-Dur op. 24 ´Frühlingssonate´ - Allegro
 - Sonate für Violine und Klavier F-Dur op. 24 ´Frühlingssonate´ - Adagio molto espressivo
 - Sonate für Violine und Klavier F-Dur op. 24 ´Frühlingssonate´ - Scherzo - allegro molto
 - Sonate für Violine und Klavier F-Dur op. 24 ´Frühlingssonate´ - Rondo - allegro ma non troppo
 - Sonate für Violine und Klavier A-Dur op. 47 ´Kreutzersonate´ - Adagio sostenuto - Presto
 - Sonate für Violine und Klavier A-Dur op. 47 ´Kreutzersonate´ - Andante con variazioni
 - Sonate für Violine und Klavier A-Dur op. 47 ´Kreutzersonate´ - Finale. Presto


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Interpret(en):Zitterbart, Gerrit
Metzger, Matthias


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

Technische und ästhetische Kompetenz

coviello classics ist das Label, unter dem die Aufnahmen der Produktionsfirma MBM vertrieben werden ? ob als CD, DVD oder SACD. Durch einen ganz speziell für die Anforderungen hochwertigster Musikproduktionen konzipierten Übertragungswagen sind die Voraussetzungen für die Aufnahmequalität bei MBM optimal. coviello classics bietet darüber hinaus in jedem Bereich und in jeder Phase der Realisierung einer Musikproduktion ? bis hin zu grafischer Gestaltung und Textredaktion bei den begleitenden Druckmedien ? sowohl Logistik und hochwertiges Gerät wie auch technisches und ästhetisches Know-how.

Grafiken, Texte und weltweite Wege

Zu einer Musikveröffentlichung gehört nicht nur der gespeicherte Ton ? da gibt es noch einiges mehr zu gestalten. Das Cover einer CD, DVD oder SACD muss nicht nur grafisch ansprechend gestaltet sein, sondern auch einen sinnvollen Zusammenhang mit dem musikalischen Inhalt herstellen. Das begleitende Booklet soll umfassend über Werke, Künstler und Aufführungspraxis informieren; die Texte müssen wissenschaftlicher Prüfung standhalten, aber trotzdem allgemein verständlich und auch noch unterhaltsam sein ? schwierige Herausforderungen auch über die Musik hinaus, für die coviello classics mit erfahrenen Grafikern und Textautoren zusammenarbeitet. Schließlich muss das fertige Produkt an möglichst vielen Orten der Welt erhältlich sein. Dafür haben wir in vielen Ländern in Europa, Asien und Nordamerika Partner vor Ort, die ihren Markt genau kennen. Sie werden laufend mit Neuheiten, Informationsmaterial und Rezensionen aus der Presse versorgt ? auch wenn die Produktion eigentlich fertig ist, macht sie uns noch viel Arbeit.


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