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Montag, 18. Oktober 2021

Hakola, Kimmo - Klavierkonzert

Finnische Postmoderne


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das riesenhafte Klavierkonzert Kimmo Hakolas aus dem Jahr 1996 ist von Henri Sigfridsson in den Griff bekommen worden.

Das Klavierkonzert des finnischen Komponisten Kimmo Hakola, Jahrgang 1958, hat eine lange und umschwungsreiche Entstehungsgeschichte. Es stand gleichsam am Anfang und am Ende einer von Krisen und Zweifeln geprägten Schaffensperiode zu Beginn der 90er Jahre. Was im Sommer 1996 schließlich mit Jaana Kärkkäinen am Klavier zur Uraufführung kam, ist ein monumentales Werk, in sich von eklektizistischer Vielfalt und postmoderner Gestik. Das knapp einstündige Opus gliedert sich in neun Sätze, deren Bezeichnungen schon auf diese breite stilistische Streuung hinweisen: da stehen neben traditionellen Titeln wie ‘Toccata’, ‘Cadenza’, ‘Maestoso’ plötzlich auch rätselhafte Begriffe wie ‘Lux’. Dahinter verbirgt sich eine Spannweite, die vom kühlen Modernismus über fast spätromantisch anmutende Schwelgereien bis hin zu einem Schuss Jazz-Harmonik nebst quasi-ethnologisch gesammeltem Material reicht; eine Technik, die seit dem Werk ‘Capriole’ (1991) stilprägend für die Werke Hakolas geworden ist. Dass der Komponist an dieser bündelnden, postmodern grenzüberschreitenden Manier Gefallen hat, zeigt auch die nach Abschluss des Klavierkonzertes rasch angestiegene Zahl an Kompositionen.

Mit Henri Sigfridsson als Solist und John Storgårds als Leiter des Tampere Philharmonic Orchestra haben sich führende finnische Musiker dieses riesigen Werkes angenommen; besonders Dirigent Storgårds, der als Geiger auch preisgekrönte Aufnahmen der Werke von Peteris Vasks vorgelegt hat, genießt einigen Ruf, wenn es um die Inszenierung und Aufführung Neuer Musik geht. Vorliegende CD bestätigt und erneuert in diesem Sinne. Hier wird zugleich mit Neugier und Selbstverständlichkeit musiziert: diese Kombination hat bei zeitgenössischer Musik immer den Charakter eines Glücksfalls.

Sigfridssons Spiel perlt ganz beachtlich, besonders in der virtuosen, verstrickten Cadenza, die den Eindruck einer in kunstvolle, jazzige Irrgärten gestürzten Tonleiterübung macht, kommt das zur Geltung. Die Textur reiht sich Ton an Ton zu übersichtlichen rhythmischen Gesten, was nicht von jeder Einspielung zeitgenössischer Musik behauptet werden kann. Aber auch als in den großen Orchesterapparat eingearbeiteter Solist, der teils endlos wirkende, durchweg forte gehämmerte Akkordketten zu meistern hat, pflegt Sigfridsson die Kommunikation, besonders mit dem Blech und dem Schlagwerk, und versteht es, das Ohrenmerk auf den großen Bögen zu versammeln, die die vielen Sätze des titanischen Gebäudes zusammenhalten. Eine Verzahnung, an der auch John Storgårds gewiss nicht wenig, und gewiss erfolgreich gearbeitet hat. Besonders die straffe, unnachgiebige Behandlung des Schlagwerks gibt ein wichtiges Gerüst für die Metamorphosen der rhythmischen Bausteine, des Metrums. Schwierigkeit und Spannung des Klavierkonzerts zugleich ist seine wirklich ungeheuerliche Länge; im postmodernen Synkretismus kommt hier noch eine Dosis Ausdauerperfomance hinzu.

Auch in der der CD noch beigegebenen ‘Sinfonietta’ (UA 2000) zeigt sich Hakola als Liebhaber des lang anhaltenden, türmerischen Forte, auch wenn sich die Komposition hier eher konzentriert als weitläufig ergeht. Das furiose, energisch verschlungene Stück wird von Storgårds gebändigt, ohne es zu zähmen: nur so weit, bis das Relief der verschiedenen Forte-Untersorten musikalische Spannungen ausbreiten kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Tobias Roth Kritik von Tobias Roth,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hakola, Kimmo: Klavierkonzert

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
29.03.2010
Medium:
EAN:

CD
761195112724


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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