> > > Manoury, Philippe: Fragments pour un portrait
Samstag, 26. November 2022

Manoury, Philippe - Fragments pour un portrait

Fragmente und Formen


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der französische Komponist Philippe Manoury portraitiert sich unter anderem in Fragmenten zu einem Portrait.

‚Verweben von Schichten, von Verzweigungen, von Netzen, deren Zusammenwirken am Ende der Komplexität der Welt einen entzifferbaren Sinn verleiht.’ So umschreibt und (oder) definiert Philippe Manoury das Organische. Organismus statt Reihung, das ist für den Komponisten ein Zentrum der Kunst, des Kunstwollens. Manourys Organismen sind dabei einer forschen Klangsprache, dem Eindruck eines Greifens und Werfens verpflichtet. So steht er gegen einige seiner berühmten Landsleute, und umso näher bei Stockhausen, der seit den 70er-Jahren prägend auf ihn wirkte.

Manoury, 1952 in Tulle geboren, studierte in Paris und wirkte seit 1980 ebenda im IRCAM, dem Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique. Darin spiegelt sich bereits seine Neigung zur elektronischen Erweiterung der Musik, und dort vertieften und verfeinerten sich diese Techniken – bis zur Arbeit an Programmiersprachen. Wichtig ist dabei die Interaktion zwischen Mensch und Maschine, zwischen Instrument und Computer: eine Überkreuzung in der beide als Verlängerungen eines Musikers sichtbar werden.

Ein solch interaktives Stück, die erste 'Partita’ für Bratsche und Elektronik in Echtzeit, ist auf der portraitierenden CD erschienen, die das verdienstvoll auf Neue Musik spezialisierte Label Kairos nun herausgebracht hat. Christoph Desjardins, Bratscher im Ensemble intercontemporain und Widmungsträger des Werkes, hat das Werk eingespielt und wird dabei von seinem digitalen Duopartner auf gespenstische Weise vervielfältigt. Es entspinnt sich ein Geistergespräch: diese Metapher des Webens, Verwebens weist wieder zurück auf die Netzstrukturen des Organismus. Hier verfließen Grenzen und werden doch noch spürbar belassen, Mensch und Maschine beginnen ineinander zu fließen, aber bleiben doch getrennt, hörbar, spürbar, im nicht nachweisbaren Bereich der Farben.

Schon in diesem ersten Eindruck, diesem vorbegrifflichen musikalischen Inhalt, wird ein Sinn „entzifferbar“, der sich manifest auf die Welt bezieht: Das Werk ist im Jahr 2006 entstanden, stammt also bereits aus einer Zeit, in der die Schläfen und Stirnen der westlichen Welt immer stärker mit den Bildschirmen und den algorithmischen Netzen der digitalen Welt in Verbindung und Verschmelzung kommen. Desjardins Interpretation dieses beeindruckenden Werks macht das deutlich und behält dabei eine sinnliche Qualität und Intensität, ohne welche (mit Ernst Jünger zu reden) Schönheit sei wie eine Brust ohne Brustwarze.

Das Portrait des Komponisten wird ergänzt durch 'Fragments pour un portrait’, einem großen Orchesterwerk aus dem Jahr 1998. Vom Ensemble intercontemporain in Auftrag gegeben und uraufgeführt, ist es auch hier mit diesen Musikern unter der Leitung von Susanna Mälkki zu hören. Auch hier verbinden sich Präzision und Sinnlichkeit. Der letzte der sieben Sätze, 'Totem’ überschrieben, entführt in ein düsteres, aber anziehendes Reich. Da ist also nichts von den Berührungsängsten, die sich dem (besonders für deutsche Leser/Hörer) mitschwingenden ‚Tabu’ verdanken. Ganz im Gegenteil.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Tobias Roth Kritik von Tobias Roth,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Manoury, Philippe: Fragments pour un portrait

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Kairos
1
17.04.2009
079:59
2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
9120010281495
KAI 0012922


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