> > > Bernstein, Leonard: Mass
Montag, 24. Januar 2022

Bernstein, Leonard - Mass

'Goddam good!'


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Von dieser bei Chandos erschienenen Aufnahme aus dem Jahr 2006 kann man so schnell nicht genug bekommen. Die Empfehlung heißt: Kaufen, hören und überallhin mitnehmen!

Das hätte Bernstein vermutlich gefallen – man sieht ihn förmlich vor sich, wie er hin- und herwippend mit geschlossenen Augen den mitreißenden Rhythmen lauscht oder sich verträumt und einsam in die tiefe Melancholie und Zerrissenheit einiger Passagen hineinziehen lässt. Alle Vorwürfe, die dem Komponisten einst für seine 'Mass’ entgegenschlugen, werden beim Erklingen der vorliegenden Neueinspielung durch die unbändige Energie und Seriosität einfach weggefegt. Bernsteins eigene Aufnahme im Anschluss an die Uraufführung hat endlich eine würdige Konkurrenz, die mit modernster Aufnahmetechnik auf SACD ein der heutigen Zeit adäquates Hörerlebnis bieten kann.

Nach der in vielen Punkten unbefriedigenden Einspielung unter Kent Nagano von 2003 hat der Dirigent Kristjan Järvi nun in die Vollen gegriffen und ein erstklassiges Ensemble von Musikern um sich versammelt, die mit unbändiger Musizierfreude dem seltsamen Zwitterwesen 'Mass’ zu Leibe rücken. Die verschiedenen Stile, die Bernstein in seinem ‚Theatre Piece for Singers, Players and Dancers’ verwendet, verschmelzen zu einer homogenen Einheit, weil jeder Stilbruch mit großer Konsequenz und gleichzeitig leichtfüßiger Selbstverständlichkeit musiziert wird. Järvi findet für die avantgardistischen, klassischen, folkloristischen Teile den ebenso richtigen Tonfall wie für die Rock- und Blues-Passagen und die klaren Musical-Anklänge.

Die dem Werk zugrunde liegende ironisierte und stark kommentierte katholische Messliturgie kam zum Zeitpunkt der Uraufführung 1971 einem Affront gleich, und so wurde Bernsteins multikulturelles Glaubensbekenntnis zu einem umstrittenen Politikum. Unter diesem Aspekt ist das Werk heutzutage von ungebrochener Aktualität und zugleich eine Hymne an die Menschlichkeit.

Als Celebrant dominiert der Bariton Randall Scarlata das dramatische Geschehen. Die enorme Bandbreite seiner markanten und einfühlsamen Stimme kommt ihm in dieser Partie zugute, denn der Weg vom sanften ‚Simple Song’ bis zum Wahnsinnsausbruch am Ende ist ein langer. Dem Künstler sind offenkundig keine vokalen Grenzen gesetzt. Es ist bemerkenswert, wie er zwischen den Stilen zu springen versteht und Farbschattierungen zu setzen im Stande ist. In jedem Moment wirkt er authentisch, sowohl im heldenbaritonalen Klang als auch im Rock-Pop-Fach.

Die übrigen Solisten sind aus den mitwirkenden Chören rekrutiert, vor allem aus der Company of Music. Die allesamt Musical erfahrenen Solisten geben der Einspielung die nötige Unverblümtheit und Aktualität, die beim Hören regelrecht mitreißt. Stellvertretend seien hier Bernd Fröhlich als Gospel-Preacher, Ruth Kraus und Lenneke Willemsen sowie Dave Moskin als Rock Singer und André Bauer als Blues-Singer genannt.

Unter inspirierender Leitung von Kristjan Järvi, der auch selbst stimmlich aktiv wird, singen neben der erstklassigen Company of Music auch der Tölzer Knabenchor und der Chorus sine nomine. Das Absolute Ensemble und das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich sorgen für den nötigen Groove und meistern auch die vertrakten Passagen mit Bravour.

Von dieser bei Chandos erschienenen Aufnahme aus dem Jahr 2006 kann man so schnell nicht genug bekommen. Die Empfehlung heißt: Kaufen, hören und überallhin mitnehmen!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Bernstein, Leonard: Mass

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
2
20.03.2009
Medium:
EAN:

SACD
095115507025


Cover vergössern

Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Chandos:

  • Zur Kritik... Harmonisches Echo: Abseits der gängigen und hierzulande viel zu selten gespielten Operetten Arthur Sullivans bietet dieses Doppelalbum die Chance, den 'anderen', nämlich den ernsteren Sullivan zu entdecken. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Die Schöne und der Wolf : Der Dirigent John Wilson lässt mit der Sinfonia of London Orchesterwerke von Henri Dutilleux in schönstem Glanz erstrahlen. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Zwei Komponistinnen und ein Bassist: Zwei große Klavierquintette aus den USA sind echte Entdeckungen, in vorbildlicher Interpretation. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Chandos...

Weitere CD-Besprechungen von Benjamin Künzel:

  • Zur Kritik... Des Kaisers Leben und Tode: Kate Lindsey, Arcangelo und Jonathan Cohen zeigen mit 'Tiranno', wie fesselnd und in allen Punkten überzeugend ein Solo-Album sein kann. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Zwischen Frömmigkeit und Opernlust: Für entdeckungsfreudige Barockliebhaber ist dieses Album mit sieben Ersteinspielungen ein Muss, für alle anderen eine atmosphärisch einladende Möglichkeit, einen zu Unrecht vergessenen Komponisten ins persönliche Repertoire aufzunehmen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Eine Art Salzburger 'Sommernachtstraum': Mit diesem 'Endimione' kommt man als interessierte Hörerschaft der stilistischen Vielfalt und dem Ideenreichtums Michael Haydns ein interessantes Stück näher. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Benjamin Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Stupende Qualität: Buxtehude, Teil zwei: Die Qualität der Interpretation ist angesichts der Diskografie Friedhelm Flammes keine Überraschung. Eine Gesamteinspielung, die trefflich gerät und von Belang ist. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Scharfe Proportionen: Boris Giltburg mit frühem Beethoven Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Baskische Schmuggler und tanzende Satyre : Die Suiten aus 'Ramuntcho' und 'Cydalise et le Chevre-pied' des Impressionisten Gabriel Pierné verzaubern in der Wiedergabe durch Darrell Ang und das Orchestre National de Lille. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (1/2022) herunterladen (3500 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich