> > > Christoph von Dohnány dirigiert: Werke von Bartók, Strauss und Mendelssohn
Samstag, 28. Mai 2022

Christoph von Dohnány dirigiert - Werke von Bartók, Strauss und Mendelssohn

Zwischen wunderbar und austauschbar


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das anfänglich bei Bartók und Strauss hohe Niveau können Christoph von Dohnányi und die Wiener Philharmoniker bei Mendelssohn leider nicht halten.

Quizfrage: Was hat Konrad Adenauer mit Béla Bartóks Ballett ‘Der wunderbare Mandarin’ zu tun? Antwort: Nein, er hat sich darin nicht etwa selbst von einer bislang völlig unbekannten Seite als Tänzer oder Musiker gezeigt, sondern ließ nach dessen skandalumwitterter Premiere 1926 in seiner Eigenschaft als Kölner Bürgermeister jede weitere Aufführung verbieten. Auf diese Idee kam er allerdings nicht von ganz alleine. Vielmehr folgte er damit öffentlichen Forderungen, die im Zug der damaligen Zeit – und dies keineswegs nur in der Katholikenhochburg Köln – laut wurden, da die Inhalte des Werks als moralisch zutiefst anstößig empfunden wurden. Wohl nicht zuletzt, weil er erkannte, damit in dieser Form nirgendwo so recht landen zu können, schuf Bartók nachträglich eine nichtszenische Fassung des ‘Sex-and-Crime-Schockers’ für den Konzertsaal, die diesen bei ‘Medici Arts’ auf DVD erschienenen ‘Trocken-Mitschnitt’ von 1977 aus dem – leider leeren – Wiener Großen Musikvereinssaal eröffnet. Interpretiert wird das knallbunte, in der Tat klangradikale Opus von den Wiener Philharmonikern unter Christoph von Dohnányi. Mit begeisternder Transparenz und gestochen scharfen Konturen nutzt das Orchester darin die gesamte Bandbreite seiner fast unbegrenzten Möglichkeiten, um sich klanglich nach Herzenslust auszutoben und titelgemäß ‘wunderbare’ Welten zwischen Pianissimo-Ruhe vor dem Sturm und fast überbordendem Volumen zu schaffen. Auf eindrucksvolle Weise wird einem – nicht nur wegen der heftigen Entladungen des opulenten Perkussionswerks – buchstäblich immer  wieder ‘mit einem Schlag’ verdeutlicht, weshalb die Komposition seinerzeit nicht nur inhaltlich sondern auch musikalisch in ähnlichem Maße polarisierte wie etwa Strawinskys ‘Sacre’.

Rudolf Buchbinder ist der Solist in Richard Strauss’ anschließender ‘Burleske’ für Klavier und Orchester. Sein Spiel besticht durch hellwache, geistreiche Phrasierung und Artikulation sowie nuancenreichen Anschlag gleichermaßen in feingliedrigen wie vollgriffigen Sphären. Die ‘Wiener’ tun ein Übriges dazu, dass der Interpretation an allen Ecken und Enden im besten Sinne der kompositorischen Intention der raffinierte Schalk im Nacken sitzt.

Nach so viel vitaler, mitreißender Gestaltungskraft ist es recht unverständlich, weshalb Mendelssohns Dritte nach der imaginären Pause – besonders in den Ecksätzen – trotz aller Homogenität und Intonationspräzision vergleichsweise blass bleibt. Die Wiedergabe der ‘Schottischen’ geizt zu häufig mit dynamischen wie agogischen Impulsen und hebt sich nicht nennenswert von der existierenden Vielzahl an teils fast austauschbaren Durchschnittseinspielungen ab.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:






Thomas  Gehrig Kritik von Thomas Gehrig,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Christoph von Dohnány dirigiert: Werke von Bartók, Strauss und Mendelssohn

Label:
Anzahl Medien:
EuroArts
1
Medium:
EAN:

DVD
880242722089


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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