> > > Herbert Schuch spielt: Klavierwerke von Schumann, Holliger, Skrjabin, Ravel & Mozart
Sonntag, 20. Oktober 2019

Herbert Schuch spielt - Klavierwerke von Schumann, Holliger, Skrjabin, Ravel & Mozart

Steiniger Weg durch die Nacht


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Herbert Schuchs neueste CD, die sich programmatisch der Nacht widmet, überzeugt ebenso durch das inhaltliche Konzept wie durch pianistische Qualität.

Der 30jährige Pianist Herbert Schuch nimmt seine Hörer mit auf einen Weg, einen Weg durch die Nacht, der einige Stolpersteine birgt. Wie schon auf seinem letzten Album kombiniert er wieder publikumsträchtige Klavierromantik mit widerspenstiger Moderne, in diesem Falle Schumanns 'Nachtstücke‘ mit Holligers 'Elis – Drei Nachtstücke‘. Das Konzept, das hinter dem Programm dieser CD steht, greift noch weiter, nicht nur durch die Epochen, sondern auch in der Deutung der ‚Nacht‘: Wie man aus dem Booklet erfährt, sieht Schuch in Schumanns Nachtstücken ‚eigentlich alles, auch Unheimliches, Bizarres, subtil Humorvolles‘. So öffnet sich ein weites Feld, das mutig beschritten wird.

Nein, eine musikalische Hintergrundberieselung darf man nicht erwarten, wenn man sich für diese Platte entscheidet. Im Gegenteil, Schuch fordert aktives Hören. Voller Genuss kann sich nur einstellen, wenn man sich mit den Hintergründen beschäftigt, die Schumanns 'Nachtszenen‘ – deren spezifischen Ton er sicher trifft –  mit den Erzählungen E.T.A. Hoffmanns verbinden. Dramaturgisch interessant erscheint die Kopplung mit den ebenfalls literarisch inspirierten 'Drei Nachtstücken‘ Heinz Holligers, komponiert über Verse aus Georg Trakls ‚Elis‘. Nicht nur der Titel war ausschlaggebend für die dramaturgische Positionierung, sondern auch die kompositorischen Beziehungen Holligers zu Schumann. Schuchs wohldosierte Ausdrucksmöglichkeiten, die seine Schumann-Interpretation kennzeichnen, weichen hier einer Exzentrik, die der zeitgenössischen Musiksprache Holligers sehr entgegenkommt.

Mitreißend gelingt die Interpretation von Skrjabins Neunter Klaviersonate 'Messe noire‘. Immer angespannt, immer mit einer nervösen Grundstimmung, evoziert er in diesem Stimmungsgemälde permanente klaustrophobische Angst und packt das ‚Teuflische‘ (L. Sabanejew) förmlich bei den Hörnern. Was hier an pianistischer Raffinesse verlangt wird, wird von Ravels 'Gaspard de la nuit‘ noch übertroffen. Schuch dosiert seine Mittel den Anforderungen gerecht, stellt die Botschaft der Musik jedoch immer über die Virtuosität, auch wenn seine in allen erdenklichen Nuancen schillernde Anschlagskultur beim ohnehin geforderten genauen Hinhören schlicht atemberaubend ist. Seine Interpretation wirkt durch seine Fähigkeit zur genauen Strukturierung auch durchaus zwingend. Schlussendlich kann man nur staunen, wie nahtlos sich Mozarts 'Adagio‘ h-Moll KV 540 an Ravels 'Scarbo‘ anschließt. Von ‚Nacht‘ ist bei diesem langsamen Satz, wohl einem der bedeutendsten in seinem Œuvre, nirgends die Rede. Aber dass dieses Werk an genau diese Stelle dieser Platte gehört, kann kaum jemand ernsthaft in Frage stellen.

Ohne Zweifel ist Schuch dabei, sich in die erste Liga der führenden Pianisten zu spielen. Vielleicht braucht sein Spiel, auf dieser CD aus dem Hause Oehms tontechnisch makellos eingefangen, noch den letzten Schliff, um mit der Crème de la crème mithalten zu können, doch ausgleichend muss man ihm als Pluspunkt zugute halten, dass er durch sinnvolle Einbindung von Werken moderner Komponisten in die dramaturgischen Platten-Konzepte eine Lanze für zeitgenössische Musik bricht. Und nebenbei beschreitet er einen Weg, der abseits der Easy-Listening-Klassik einiger Major-Labels in eine hoffnungsvolle Zukunft weist, in der der Hörer intellektuell ernst genommen wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Markus Rubow Kritik von Markus Rubow,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Herbert Schuch spielt: Klavierwerke von Schumann, Holliger, Skrjabin, Ravel & Mozart

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
OehmsClassics
1
01.01.2012
066:18
2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4260034867338
OC 733


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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