> > > Reger, Max: Klavierkonzert op. 114
Samstag, 6. Juni 2020

Reger, Max - Klavierkonzert op. 114

Gut koordiniert


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Michael Korstick und das Münchner Rundfunkorchester widmen sich Max Regers berüchtigtem Klavierkonzert op. 114. Eine souveräne Leistung, die fast vergessen lässt, wie anspruchsvoll das Werk ist.

Das Unverständnis, das Max Regers Klavierkonzert op. 114 bei der Uraufführung von Kritikerseite entgegenschlug, steht in einem erstaunlichen Gegensatz zu der Beschäftigung zahlreicher großer zeitgenössischer Musiker wie Wilhelm Furtwängler mit dem Werk. Dass das Stück dennoch nie zu einem echten Klassiker des Konzertwesens werden konnte, hat sicherlich viele Gründe; eine Erklärung liegt aber auf der Hand: es ist extrem anspruchsvoll, aufgrund seines störrischen Habitus garantiert es Solisten aber trotzdem nicht die bedingungslose Bewunderung des Publikums.

Für Liebhaber der Regerschen Kompositionen ist das Werk aber sicherlich ein echter Schatz. Wie so oft bei Reger gewinnt die Musik eine eigentümliche Kraft aus dem Zusammenspiel von improvisiertem Gestus und Detail versessener Ausarbeitung der musikalischen Faktur. Das Stück klingt geradezu, als wäre es in Regers berüchtigter roten „Vortragstinte“ getränkt worden: Der Pianist hat eine dynamische Bandbreite zu meistern, die vom vierfachen pianissimo bis zum vierfachen Fortissimo reicht, dazu kommt eine stetig wuchernde Zahl von wechselnden Tempi – mit anderen Worten: das Konzert verlangt den Musikern, vor allem dem Pianisten einiges ab.

Reger selbst nutzte in einem Brief an die Pianistin der Uraufführung, Frieda Kwast-Hodapp, die Begrüßungsformel „Bedauernswürdigste! (Weil Sie das entsetzliche Klavierconcert spielen müssen!)“. Dementsprechend fordert das Konzert einen technisch versierten und vor allen Dingen erfahrenen Pianisten: Michael Korstick passt sehr gut in dieses Profil. Mit der nötigen Virtuosität ausgestattet, sich der anspruchsvollen Partitur stellen zu können, geraten die vollgriffigen und schwierigen Partien unter den Händen des spät entdeckten Beethoven-Experten nie zum Schaulaufen. Hört man die Aufnahme ohne Partitur, wird einem die Problematik für den Pianisten manchmal gar nicht bewusst. Ganz klar wird aber: Dieses Stück ist sicherlich keine Komposition „gegen“ das Klavier. Es ist ein gut gearbeitetes, nicht selten herbes Konzert mit einem unaufgeregten formalen Aufbau. Das Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Ulf Schirmer tut gut daran, den dichten Notentext weitestgehend entschlackt zu präsentieren und die ornamentalen Seitenwege des Orchesters meist recht streng und kontrapunktisch auszulegen. Insofern ist die CD, trotz eines leicht trüben Klangs, durchaus zu empfehlen. Wer keine Scheu vor klanglichen Defiziten hat, kann aber auch zu Eduard Erdmanns Interpretation aus den 50er Jahren greifen, die in ihrem analytischen Zugriff durchaus Ähnlichleiten mit Korsticks Einspielung hat, manchmal aber etwas durchdringender und stärker affektiv wirkt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Martin Andris,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Reger, Max: Klavierkonzert op. 114

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.02.2009
Medium:
EAN:

CD
761203737321


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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