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Freitag, 21. Januar 2022

Selle, Thomas - Geistliche Konzerte & Motetten für Ostern

Wichtiges Repertoire


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gehaltvolle Musik aus Norddeutschland: Geistliche Werke von Thomas Selle in einer rundum gelungenen Aufnahme mit dem Ensemble Weser-Renaissance Bremen unter der Leitung von Manfred Cordes.

Wenn über bestimmte musikhistorische Kontexte und Konstellationen nachgedacht wird, geraten die Akteure der vermeintlich zweiten Reihe leicht in den Hintergrund. So sind zwar Georg Philipp Telemann und Carl Philipp Emanuel Bach als prägende Figuren der Hamburger Kirchenmusik bestens bekannt. Aber auch wenn Namen wie die von Johann Schop, Johann Mattheson, Hieronymus Praetorius oder Thomas Selle dem informierten Hörer etwas sagen – ihrem wahren Rang wird die spärliche Anerkennung doch nicht gerecht. Weshalb es eine mehr als verdienstvolle Initiative der ZEIT-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Deutschlandradio Kultur und dem Label cpo ist, eine eigene Reihe mit ausgewählten Werken dieser Meister zu produzieren, die das kirchenmusikalische Bild der Zeit zwischen 1600 und 1800 deutlicher ausleuchten.

Im Mittelpunkt der vorliegenden Platte steht Thomas Selle (1599–1663). Der aus dem sächsischen Zörbig stammende, vermutlich an der Leipziger Thomasschule unter der Anleitung der Kantoren Sethus Calvisius und Johann Hermann Schein ausgebildete, dann für viele Jahre im Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf tätige Selle trat seinen Dienst als städtischer Kantor und Musikdirektor in Hamburg im Jahr 1641 an. Die vorliegende Platte mit der 'Historia der Auferstehung’ im Zentrum, dazu Geistlichen Konzerten und Motetten für Ostern zeigt den Komponisten als kundigen Tonsetzer, der mit seinen Arbeiten substanzielle Beiträge zu den jeweiligen Gattungen schuf: Die Kompositionen zeigen sich ganz auf der Höhe der Zeit, vereinen repräsentative, teils virtuose Instrumentalanteile mit effektvoll wechselnden vokalen Besetzungen. Deutlich werden die italienischen Vorbilder der Konzerte, aber auch an den Arbeiten der großen mitteldeutschen Zeitgenossen können sich die Kompositionen Selles messen lassen. Ein spezieller Höhepunkt ist die Historia, deren Evangelistenbericht durchgehend instrumental begleitet ist und die zugleich ein erhebliches dramatisches Potenzial aufweist.

Große Expertise

Manfred Cordes vereint in seinem Ensemble ‚Weser-Renaissance Bremen’ Könner der Extraklasse. Vokalisten wie Monika Mauch, Julian Podger oder Wolf Matthias Friedrich überzeugen einerseits durch technisch profilierte Soli, präsentieren sich im Wechsel der Anforderungen zugleich aber auch als kundige Ensemblesänger, die immer wieder in das Ganze zurücktreten.

Die Instrumentalisten agieren leicht, virtuos, zugleich mit Delikatesse und in farbigen Besetzungen. Obligate Partien werden mustergültig ausgeführt und aktiv artikuliert. Eine makellose Intonation wie aus einem Guss macht die Interpretation zu einer runden Sache. Cordes betont das Frische und Klangsinnliche – damit liefert er eine in allen maßgeblichen Aspekten absolut gelungene Aufnahme unzweifelhaft erstrangiger Musik. Der weitere Fortgang dieser schon jetzt verdienstvollen Reihe wird mit Interesse zu verfolgen sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Selle, Thomas: Geistliche Konzerte & Motetten für Ostern

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.02.2009
Medium:
EAN:

CD
761203739622


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Dirigent(en):Cordes, Manfred


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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