> > > Benjamin Moser spielt: Klavierwerke von Rachmaninow, Skrijabin, Medtner u.a
Samstag, 28. Mai 2022

Benjamin Moser spielt - Klavierwerke von Rachmaninow, Skrijabin, Medtner u.a

Ausdrucksstarke Russland-Bilder


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit seinem bei Oehms Classics vorgelegten Album 'Russian piano music' gelingt dem jungen Pianisten Benjamin Moser ein vielversprechendes Debüt.

Debüt-Alben machen grundsätzlich besonders neugierig. Das seine hat gerade der junge Pianist Benjamin Moser – Bruder des Cellisten Johannes Moser – beim Label Oehms Classics vorgelegt und dafür russische Klaviermusik zwischen Spätromantik und Moderne ausgewählt. Der erste Teil gehört einem Mix aus Préludes sowie einer Etüde von Rachmaninow, und schon in diesen Stücken demonstriert Moser, über welch feinen klanglichen Spürsinn und reichhaltiges Ausdruckspotential er verfügt. Mit subtil differenzierendem Anschlag formt er beredte Miniaturen zwischen glanzvoll dahin perlenden Klangkaskaden, lyrischen Kantilenen und mächtigem, vollgriffigem Pathos. Dank solcher Synthese aus bemerkenswerter Musikalität und makelloser Technik baut Moser auch in drei selten zu hörenden Werken Skrjabins – namentlich der Fantasie op. 28 nebst dem jeweils nur für die linke Hand notierten Prélude und Nocturne op. 9 Nr. 1 und 2 – Spannungsbögen von hoher Intensität und bemerkenswertem Nuancenreichtum auf. Zwei ‘Märchen’ des sich in den letzten Jahren stetig zunehmender pianistischer Wiederbelebung  erfreuenden Komponisten Nikolai Medtner (1880–1951) erzählt er mit ebenso hohem gestalterischem Einfühlungsvermögen. Erscheint es hier indessen konzeptionell noch vertretbar, nur die ersten beiden Stücke dieser Sammlung herauszugreifen, so bleiben jedoch spätestens das anschließende ‘Herbstlied’ und ‘Am Kamin’ aus Tschaikowskys ‘Jahreszeiten’ op. 37b unglücklich isoliert stehen und wirken entschieden zu sehr aus ihrem Zusammenhang gerissen. Obwohl bzw. erst recht weil all diese Charakterbilder musikalisch empfindsam und feinfühlig gezeichnet sind, bedauert man es gerade im letzteren Fall, nicht erleben zu können, wie Moser – immerhin Preisträger des Tschaikowsky-Wettbewerbs – sich nicht intensiver mit dem Zyklus auseinandersetzt.

Dass Mosers Spiel in so jungen Jahren naturgemäß auch noch Defizite aufweist, zeigt sich dann allerdings in Prokofieffs abschließender Siebter Sonate op. 83. Vor allem in den Ecksätzen wirkt sein Vortrag dort immer wieder zu verhalten und gelingt es ihm stellenweise nicht, die dynamischen und agogischen Energien adäquat freizusetzen. Auch in puncto Phrasierung und Artikulation vermag er die bizarren Spannungen nicht immer aufrecht zu erhalten, so dass die ungestüme, zerklüftete Wildheit dieser Komposition nicht mit letzter Konsequenz durchdringt.

Dennoch fällt das Fazit unterm Strich eindeutig positiv aus und weckt diese CD hohe Erwartungen an die weitere Entwicklung von Mosers Karriere.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Thomas  Gehrig Kritik von Thomas Gehrig,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Benjamin Moser spielt: Klavierwerke von Rachmaninow, Skrijabin, Medtner u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
13.02.2009
Medium:
EAN:

CD
4260034867260


Cover vergössern

OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag OehmsClassics:

  • Zur Kritik... Zeitgenossen der Vergangenheit: Höchst selten gespieltes Repertoire, im Falle von Paul Arma sogar eine Ersteinspielung – so richtig überzeugen können die drei hier versammelten Violinsonaten jedoch nicht. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Weibliche Perspektiven: Ein veritables künstlerisches Lebenszeichen von Singer Pur, mit etlichen starken weiblichen komponierenden Stimmen, die das Programm üppig mit Qualität aufladen. Eine fein programmierte und gesungene Platte. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Leidenschaftlich und souverän: Dmitrij Kitajenko und das Gürzenich-Orchester präsentieren einen leidenschaftlich vorgetragenen Tschaikowsky, allerdings mit bekanntem Standard-Repertoire. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle Kritiken von OehmsClassics...

Weitere CD-Besprechungen von Thomas Gehrig:

blättern

Alle Kritiken von Thomas Gehrig...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Liebesgrüße aus Windsor: The Queen's Six können es im leichten und populären Repertoire: Eine feine Platte, frische Arrangements – ein schöner Streifzug. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Klassiker wiederaufgelegt: Ein konzertanter Livemitschnitt von Tschaikowskys 'Pique Dame' in idiomatischer Wiedergabe. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Sächsische Eigentümlichkeiten: Das Ensemble Polyharmonique und das Wrocław Baroque Orchestra mit der qualitätvollen Deutung einer Franz Xaver-Vesper von Johann David Heinichen und einem vernehmlichen Plädoyer für diesen Komponisten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2022) herunterladen (2400 KByte) Class aktuell (4/2021) herunterladen (7000 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich