> > > Dominik Wörner singt : Lieder von Berg, Schönberg, Schreker & Wolf
Dienstag, 16. Oktober 2018

Dominik Wörner singt - Lieder von Berg, Schönberg, Schreker & Wolf

Der Aufbruch der "Jugend"


Label/Verlag: ARS Produktion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dominik Wörner und Simon Bucher gehen dem Einfluss Hugo Wolfs auf das Liedschaffen Schönbergs, Bergs und Schrekers auf den Grund - mit bemerkenswertem Ergebnis.

Ausgerechnet Hugo Wolf äußerte um die Jahrhundertwende, das Ausmaß an Liedern und Liederabenden sei „in neuester Zeit geradezu epidemisch geworden“; insofern entbehrt es nicht jeder Ironie, ihn auf dieser CD mit dem Liedschaffen des „Wiener Jugendstils“ zu konfrontieren. Neben wirtschaftlichen und infrastrukturellen Gründen hatte die Übermacht des Lieds im Wien um 1900 einen anderen Grund – das allmähliche Ausreizen der Dur-Moll-Tonalität machte einen Text als Form stiftendes Element für die musikalische Gestaltung elementar wichtig. Die Komponisten der Wiener Schule etablierten eine Art der Liedkomposition, die in ihrer formalen Ausgerichtetheit auf das textliche Element eine neue Radikalität erlebte. In mancherlei Hinsicht war die Textvertonung Schönbergs und seiner Schüler hierbei an Hugo Wolf geschult – jenem Koloss der Liedkomposition, von dem man sagt, er konnte Tage damit verbringen, die metrische Struktur eines Gedichtes in den passenden Vortragsrhythmus zu übertragen.

Es ist eine große Leistung des Bassbaritons Dominik Wörner, eine kleine Auswahl des Liedreichtums um 1900 auf dieser CD zu präsentieren; er tut dies mit einer unglaublichen affektiven Dringlichkeit, einer beeindruckenden, wohlklingenden Stimme und präziser Artikulation.

Dabei steht man dieser Aufnahme anfangs nicht ganz ohne Misstrauen gegenüber: Ein ansehnliches, aber etwas schwülstiges Cover, bedruckt mit dem plakativen Titel „Hugo Wolf und der Jugendstil“. Was – die Frage muss erlaubt sein – ist das, musikalischer Jugendstil? Eine Antwort auf diese Frage bietet der Begleittext zwar nicht, die CD verschont einen dafür aber auch von der befürchteten Kitsch-Interpretation. Im Gegenteil: Die Aufnahme legt den Blick auf völlig rechtschaffene Weise frei auf das Moment der „Jugend“. Hochexpressiv singt sich Dominik Wörner durch die Lieder Schönbergs, Bergs, Schrekers und eben Wolfs; er wird hierbei von Simon Buchers spannungsgeladenen und straffen Klavierspiel großartig in Szene gesetzt. Die beiden Musiker bewegen sich auf einer beeindruckenden Intensitätsebene, die großen Eruptionen werden aber meist unterdrückt. Während die Interpretation durch diese geschmackvolle Beschränkung sehr viel an Substanz gewinnt, evozieren Wörner und Bucher gleichsam das Bild einer fiebrigen Zeit, in der elementare musikalische Umwälzungen direkt vor der Tür stehen.

Die anfängliche Skepsis weicht so einer immer stärker werdenden Begeisterung für die Qualitäten der jungen Musiker. Die Einspielung entpuppt sich als eine der viel zu seltenen Exemplare, die – nicht zuletzt aufgrund des einnehmenden Klangs – dazu einladen, sie unmittelbar wieder anzuhören.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Martin Andris,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Dominik Wörner singt : Lieder von Berg, Schönberg, Schreker & Wolf

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ARS Produktion
1
01.05.2009
EAN:

4260052384756


Cover vergössern

Berg, Alban
 - Jugendlieder - Spielleute
 - Jugendlieder - Augenblicke
 - Jugendlieder - Sehnsucht
 - Jugendlieder - Schlummerlose Nächte
 - Jugendlieder - Grenzen der Menschheit
Schönberg, Arnold
 - Gruss in die Ferne o. op -
 - Warnung op. 3, 3 -
 - Wenn sich bei heiliger Ruh op. 15 / 12 -
 - Am Strande -
 - Der verlorene Haufen op. 12 / 2 -
Schreker, Franz
 - Sommerfäden op. 2 / 1 -
 - Überwunden o. op -
 - Das feurige Männlein o. op -
 - Spuk op. 7 / 4 -
 - Ballade ´Die glühende Krone´ aus der Oper ´Der ferne Klang´ -
Wolf, Hugo
 - Sechs Lieder nach Eduard Mörike - Lied eines Verliebten
 - Sechs Lieder nach Eduard Mörike - Im Frühling
 - Sechs Lieder nach Eduard Mörike - Storchenbotschaft
 - Sechs Lieder nach Eduard Mörike - Bei einer Trauung
 - Sechs Lieder nach Eduard Mörike - Zur Warnung
 - Sechs Lieder nach Eduard Mörike - Abschied


Cover vergössern

Interpret(en):Wörner, Dominik
Bucher, Simon


Cover vergössern

ARS Produktion

Das exquisite Klassiklabel ARS Produktion wurde 1987 von Annette Schumacher mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Die bei Paul Meisen ausgebildete Konzertflötistin hat sich damit nach langer aktiver Musikerlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt.
Für die hervorragende Aufnahmequalität der zahlreichen ARS Produktionen ist Manfred Schumacher, Tonmeister und Aufnahmeleiter, verantwortlich.
Spezifisch für das Label und die Haltung seiner Macher/in: stets wird u.a. den klanglichen Erfordernissen der jeweiligen Werke, Musikepochen und Instrumente in größtmöglicher Weise Rechnung getragen sowie im Übrigen die neueste, beste Technik eingesetzt.
Annette und Manfred Schumacher sind ?Überzeugungstäter?. Zwei Individualisten, die Kunst, Kommerz und Können geschickt vereinbaren.
?Die SACD - Super Audio CD kombiniert die Präzision der digitalen Reproduktion mit der Wärme des analogen Klanges. Das hat uns überzeugt.?


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag ARS Produktion:

blättern

Alle Kritiken von ARS Produktion...

Weitere CD-Besprechungen von Martin Andris:

  • Zur Kritik... Aus dem Vollen geschöpft: René Jacobs interpretiert mit dem Freiburger Barockorchester Joseph Haydns 'Schöpfung' - eine vorzügliche Aufnahme, die den ganzen Gestaltungswillen der Musiker zeigt. Weiter...
    (Martin Andris, )
  • Zur Kritik... Gut koordiniert: Michael Korstick und das Münchner Rundfunkorchester widmen sich Max Regers berüchtigtem Klavierkonzert op. 114. Eine souveräne Leistung, die fast vergessen lässt, wie anspruchsvoll das Werk ist. Weiter...
    (Martin Andris, )
  • Zur Kritik... Langweiliges Romantisieren: Das Verdi-Quartett spielt Schuberts Streichquartette technisch makellos; trotzdem langweilt der Pathos dieser Gesamteinspielung, das Design der Box ist leider eine Zumutung. Weiter...
    (Martin Andris, )
blättern

Alle Kritiken von Martin Andris...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Mit Leidenschaft: Das Ensemble MidtVest überzeugt mit dem vierten Teil seiner Gesamteinspielung des kammermusikalischen Schaffens von Niels Wilhelm Gade. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
  • Zur Kritik... Absoluter Adams: Das Royal Scottish National Orchestra spielt souverän zwei Orchesterwerke von John Adams. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Sommernachmittag: Ein norddeutscher Komponist des 18. Jahrhunderts in einer zweiten verdienstvollen Produktion aus Georgsmarienhütte. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2018) herunterladen (3000 KByte) Class aktuell (3/2018) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Dimitri Schostakowitsch: Sinfonie Nr.9 Es-Dur op.70 - Moderato

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich