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Samstag, 28. Mai 2022

Weber, Carl Maria von - Ouvertüren

Erhellende Einblicke


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese CD gibt einen nicht nur systematisch erhellenden, sondern auch musikalisch gehaltvollen Überblick über das verworrene Dickicht in Webers Bühnenschaffen.

Geht es darum, ein anderes Bühnenwerk Carl Maria von Webers zu nennen als den Freischütz, kann man vielfach selbst ausgewiesene Klassik-Liebhaber in Verlegenheit bringen. Dafür allerdings gibt es gute Gründe, die ebenso vielfältig wie komplex sind: Der erste beruht sozusagen auf ‘höherer Gewalt’, nämlich dem extrem frühen Ableben des Komponisten. Denn davon, dass Weber uns ansonsten sicherlich weitere hoch bedeutende Opern hinterlassen hätte, dürfen wir guten Gewissens schon deshalb ausgehen, weil sein Schaffen gerade auf diesem Gebiet trotz kurzer Lebensdauer besonders fruchtbar war. Mit  ‘Euryanthe’, ‘Oberon’, ‘Peter Schmoll und seine Nachbarn’, ‘Die drei Pintos’ (komplettiert von keinem Geringeren als Gustav Mahler) und ‘Silvana’ existieren nämlich durchaus noch weitere, heute faktisch aufführbare Opern. Die aber sind in umgekehrter Reihenfolge entweder von ihrer Spieldauer her extrem kurz, nur fragmentarisch erhalten, haben ein schwaches Libretto – oder teilweise gleich alles zusammen und dementsprechend vergleichsweise selten auf den Spielplänen zu finden. Richtig kompliziert wird es aber erst dann, wenn man die beiden verschollenen Werke ‘Die Macht der Liebe und des Weins’, ‘Das Waldmädchen’ (wiederum so etwas wie die Vorfassung von ‘Silvana’) sowie ‘Rübezahl’ (von dem übrigens keineswegs geklärt ist, ob Weber überhaupt jemals das ganze Textbuch vertont hat) dazu zählt und sich schließlich noch fragt, ob vielleicht sogar die heute unter der Rubrik ‘Bühnenmusiken’ laufenden ‘Preciosa’ und ‘Turandot’ (jeweils bestehend aus einer Ouvertüre und diversen Musiknummern) ursprünglich auch hätten ausgewachsene Opern werden sollen.

Wer jetzt schon nicht mehr weiß, wo ihm das Opernglas steht, der braucht – jedenfalls nicht ganz – zu verzweifeln, denn zumindest in das verworrene Ouvertüren-Dickicht bringt diese bei Naxos erschienene CD Licht. Eingespielt hat die Kompilation das New Zealand Symphony Orchestra unter Antoni Witt, und schon die märchenhaft-mystischen Sphären der ‘Euryanthe’ malen die Musiker aus Down Under in kraftvollen, satten und homogen miteinander verschmelzenden Klangfarben aus. Auch im weiteren Verlauf hat man seine Freude am präsenten und inspirierten Spiel des Orchesters, dank dessen die Anklänge auf die bevorstehenden  Handlungen mal zu schillernd buntem, mal zu gespenstisch düsterem Leben erwachen. Den Reigen der Geister, Elfen und sonstigen, zahlenmäßig – und damit auch musikalisch – tonangebenden Phantasiewesen aus der Welt der Romantik beschließt eine Interpretation der 'Freischütz'-Ouvertüre, die zwar nicht ganz an diejenige aus der legendären Gesamtaufnahme mit Carlos Kleiber heranreicht, sich vor dieser aber keinesfalls zu verstecken braucht, und ein Sonderlob gibt es obendrein noch für die ausgezeichnete Klangqualität der CD.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Thomas  Gehrig Kritik von Thomas Gehrig,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Weber, Carl Maria von: Ouvertüren

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
28.11.2008
Medium:
EAN:

CD
747313029679


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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