> > > Erhardt, Heinz: 10 Pfennig Oper
Dienstag, 30. November 2021

Erhardt, Heinz - 10 Pfennig Oper

Alberner Text – ernste Musik


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Erst pünktlich zum 100. Geburtstag des Komikers bringt Berlin Classics Erhardts '10 Pfennig Oper' als CD auf den Markt. Offenbar hat man dem heute noch wirkungsvollen Charme des Werkes nicht vertraut. Wirklich schade!

Heinz Erhardt war in den Wirtschaftswunderjahren der lustige Onkel der Nation. Nach Naziterror, Völkermord und Flächenbombardements verkörperte der Mann mit dem Butterblumengesicht (Friedrich Luft) geradezu den Begriff der Unschuld. Erhardts subtiler Witz war aber keineswegs harmlos. Erhardts Ulknummern rechneten damit, unterschätzt zu werden. Ihren subversiven Humor offenbarten sie oft erst beim zweiten Hören.

Nur wenige wissen, dass der am 20. Februar 1909 im lettischen Riga geborene Sohn eines baltischen Kapellmeisters in Leipzig Komposition studierte und Pianist werden wollte. In den 30ern und 40ern machte er mit eigenen Chansons und humorigen Lieder auf sich aufmerksam.

Typische Erhardt-Reime

Auch als populärer Komiker ließ Erhardt nicht von der Musik. 1947 dichtete und komponierte er die ‘10 Pfennig Oper’. Ein Einakter, der seinen Namen deshalb trägt, weil er ein Drittel so lang ist wie die Dreigroschenoper. 1948 wurde die Geschichte um Ritter Kunibert, sein untreues Weib Clothilde (genannt Clochen) und Nebenbuhler Geierblick durch den NWDR in Hamburg unter dem Titel ‘Noch ’ne Arie’ uraufgeführt. ‘Der Ritter Kunibert’ und ‘Noch 'ne Oper’ sind weitere Namen, die das Werk im Laufe der Jahre erhielt. 1978 gab es eine Fernsehfassung des Werks, in dem es von typischen Erhardt-Reimen nur so wimmelt:

‘Nun liegt er da, der Gute,/und schwimmt in seinem Blute,/ uh, ah, uh, in seinem Blute!/ Vorhin schwamm er im Texte,/ gleich stirb der Nächste!’

heißt es etwa, wenn die Dreiecksgeschichte mit tödlichem Ausgang für alle in der Schluss-Szene eskaliert. Erhardt hierzu: ‘Es handelt sich hier um eine Opern-Parodie, respektive um eine Kabarett-Oper. Zu dem albernen Text habe ich eine ernste Musik geschrieben.’ Die Miniatur, die ein kleines Orchester, Solisten und einen pointiert kommentierenden Männerchor fordert, ist ein intelligentes Spiel mit Klischees. Erhardt zitiert in Text und Musik subtil große Komponisten von Wagner bis Puccini und karikiert vor allem die Musiksprache der deutschen Spieloper.

Entschuldigender Einführungstext

Pünktlich zum 100. Geburtstag des Komikers bringt Berlin Classics Erhardts ‘10 Pfennig Oper’ als CD auf den Markt. Eigentlich hätte die Restaurierung des Dokuments aus dem Heinz Erhardt Familien Privat Archiv mit Erhardt als kongenialem Kommentator (Solisten: Gustav Neidlinger, Rupert Glawitsch, Elisabeth de Fretas) vollkommen ausgereicht. Ein fundierter Booklet-Text mit Hintergrundinformationen zu Komposition und Rezeptionsgeschichte wären dazu eine sinnvolle Ergänzung gewesen. Das sah man beim Berliner Label aber offenbar anders und hat der Aufnahme stattdessen einen halb entschuldigenden Einführungstext von Nicola Tyszkiewicz vorangestellt. Schlimmer wiegt, dass man zu allem Überfluss Ausschnitte aus anderen Erhardt-Programmen in die Szenen geschnitten hat. Offenbar hat man dem heute noch wirkungsvollen Charme des Werkes nicht vertraut. Wirklich schade!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Erhardt, Heinz: 10 Pfennig Oper

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Berlin Classics
1
23.01.2009
38:42
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
782124846022
0184602BC


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"10 Pfennig Oper nannte Heinz Erhardt sein „Werk“ im Jahre 1948, als es erstmalig unter dem Titel „Noch ‘ne Arie“ beim NWDR in Hamburg uraufgeführt wurde, die Geschichte um den Ritter Kunibert, sein mehr oder weniger treues Weib Clotilde, genannt Clochen, und den Konkurrenten Ritter Geierblick. „Es handelt sich hier um eine Opern-Parodie, respektive um eine Kabarett-Oper. Zu dem albernen Text habe ich eine ernste Musik geschrieben.“ (Erhardt). "


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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