> > > Simone Kermes singt: Arien von Georg Friedrich Händel für Francesca Cuzzoni
Donnerstag, 2. Dezember 2021

Simone Kermes singt - Arien von Georg Friedrich Händel für Francesca Cuzzoni

Nur eine ist Diva


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Uninspirierte Einspielung bekannter und unbekannter Händelarien für Händels Starsopranistin Cuzzoni.

‚La Diva‘ heißt das neue Album von Simone Kermes zum diesjährigen Händel-Jubiläum. Man fragt sich, wer mit dem Titel eigentlich gemeint ist: Entweder Kermes selbst (eine Deutung, die das Coverphoto nahelegt, das Kermes stark geschminkt und arrogant-provozierend auf den Betrachter herabschauend zeigt) oder aber Francesca Cuzzoni (1696–1770), denn Kermes singt in dieser Einspielung ausschließlich Arien, die Händel für seine Starsopranistin Cuzzoni komponiert hat. Cuzzoni ist tatsächlich eine Diva gewesen – und was für eine! Auch wenn Geschichten darüber, dass sich Cuzzoni mit einer rivalisierenden Sängerin auf einer Londoner Bühne einen offenen Schlagabtausch geliefert hat, wohl eher ins Reich der Legenden zu verweisen sind, so ist Cuzzoni doch für ihren ausschweifenden und aufwendigen Lebensstil berühmt geworden, der sie wegen ihrer Schulden trotz einer horrend hohen Gage sogar zweimal ins Gefängnis geführt hat - einmal ganz abgesehen von dem in London kursierenden Gerücht, sie habe ihren untreuen Gatten in Venedig vergiftet.

Die Stücke für Cuzzoni, die Simone Kermes für die Einspielung ausgewählt hat, sind größtenteils nicht einfach ‚best of‘ Händel, sondern enthalten auch Arien, die für Händelkenner interessant sein dürften und selten zu hören sind. Bei zwei Arien aus 'Rodelinda' handelt es sich sogar um Ersteinspielungen, denn Kermes hat sich entschieden, die beiden Arien nicht in den heute bekannten Fassungen, sondern in ihren jeweils ersten Versionen zu singen. Auch die drei Arien der Laodice aus der wenig bekannten Oper 'Siroe' sind, anders beispielsweise drei Stücke aus 'Giulio Cesare', kein Standardrepertoire.

Von Francesca Cuzzoni heißt es, ihre Stimme sei bei aller Stärke und Brillanz vor allem für ihren einfühlsamen, zärtlichen Ausdruck berühmt gewesen. Die Brillanz hat Kermes ohne Zweifel. Die Koloraturen sitzen und schon im ersten Stück der Aufnahme, 'Scoglio d́immota fronte' aus 'Scipione' brennt sie ein Feuerwerk ab. Den einfühlsamen und zärtlichen Ausdruck bleibt Kermes allerdings schuldig. Vor allem die eher lyrischen Stücken lassen merkwürdig unberührt. Kermes singt – eigentlich ganz untypisch für Sie! –, als stelle sie die Affekte dar und identifiziere sich mit ihnen nicht. Es wird schön gesungen, langsam musiziert, aber das allein schafft eben noch keinen Ausdruck. Für manche Rollen ist Kermes Koloraturstimme vielleicht auch zu leicht. So fehlt den beiden Arien aus 'Rodelinda' der dramatische Ausdruck. Kermes vermag nicht, glaubhaft den Schmerz der erwachsenen, reifen Frau darzustellen.

Die Aufnahmetechnik potenziert dabei das Problem des schwachen Ausdrucks, denn aus einem unerklärlichen Grund sticht die Stimme gegenüber dem Orchester nicht wirklich heraus. Es ist ein eher ebenbürtiges Musizieren, wobei die Lautten Compagney unter Wolfgang Katschner solide, aber auch ohne Überraschungen spielt. Zu hoffen bleibt, dass bedeutendere Einspielungen in diesem Händeljahr folgen werden!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Simone Kermes singt: Arien von Georg Friedrich Händel für Francesca Cuzzoni

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Berlin Classics
1
13.03.2009
69:48
2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
782124164225
0016422BC


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"Händels Opern sorgten in London für Furore, denn das Publikum ließ sich nur allzu gern von dessen hochemotionalem Musiktheater mitreißen. Vor allem die Sängerinnen, die dabei die Hauptrollen verkörperten, waren Attraktion, Starrummel sondergleichen inklusive. Einer der größten Stars am Londoner Opernhimmel war die italienische Sopranistin Francesca Cuzzoni, für die Händel nicht nur unsterbliche Musik geschrieben, sondern auch so manchen Diven-Strauß ausgefochten hat. Starsopranistin Simone Kermes, von „opera news“ als „Queen of Baroque“ bezeichnet, präsentiert nun im Händel-Jahr auf ihrer neuen CD eine vielfältige Auswahl an Opernarien, die Händel der Cuzzoni auf den Leib schrieb. Etliche dieser Arien wurden zu echten Hits der Barockmusik, daneben gibt es aber immer noch Schätze zu heben: die beiden Anhangs-Arien aus „rodelinda“ werden hier erstmals auf CD vorgelegt! Profunde Spezialisten der Barockoper, die Berliner Lautten Compagney unter Wolfgang Katschner, schaffen ein nuanciertes, farbenreiches Klangbett für Simone Kermes, deren Interpretationen gerühmt werden für ihre brillanten Koloraturen und eine intensive dramatische Ausstrahlung, die auch hier die affektgeladenen Arien zu einem intensiven Erlebnis werden lassen."


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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