> > > Rigel, Henri-Joseph: Sinfonien Nr. 4, 7, 8, 10 & 14
Sonntag, 28. November 2021

Rigel, Henri-Joseph - Sinfonien Nr. 4, 7, 8, 10 & 14

Wiederentdeckung mittleren Ausmaßes


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die von Concerto Köln gespielten Sinfonien Henri-Joseph Rigels genießt man am besten häppchenweise.

Jan Ladislav Dussek, Johann Friedrich Fasch, Johann Gottlieb Naumann, Georg Christoph Wagenseil, Simon Leduc, Franz Xaver Richter und Ignaz Josef Pleyel stehen in einer beinahe unendlich fortsetzbaren Reihe von Komponisten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, die im Jahr 2008 größtenteils vergessen sind oder nur noch dem Namen nach bekannt. Zu mächtig sind ihre von der Rezeptionsgeschichte zu Säulenheiligen erhobenen Zeitgenossen Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven.

Wer sich allerdings für nicht nur in Deutschland weitgehend vernachlässigte Komponisten interessiert, ist bei den Vertretern der so genannten Historischen Aufführungspraxis, wie zum Beispiel dem Ensemble Concerto Köln, an der richtigen Adresse. Das 1985 gegründete Orchester hat mittlerweile eine stattliche Anzahl von Werken in der Gegenwart kaum bekannter Tonsetzer eingespielt und ist dabei oftmals auf positive Kritik gestoßen. Zu den auf CD erschienenen Sinfonien unter anderem Johann Wilhelm Wilms, Gaetano Brunettis, Josef Mysliveceks, Antonio Rosettis und Francois-Joseph Gossecs treten nun neuerdings fünf Gattungsvertreter von dem in Wertheim geborenen und in Paris gestorbenen Henri-Joseph Rigel (1741–1799) hinzu. Und auch diese CD mit Rigels Sinfonien Nr. 4, 7, 8, 10 und 14 schließt eine Repertoirelücke und befindet sich interpretatorisch auf erfreulich hohem Niveau, wenngleich nicht alle der zu hörenden Werke gleich spannend sind.

Rigel, der sich nach Studien in Stuttgart und Mannheim ab 1767 in Paris niederließ, feierte als Klaviervirtuose und Komponist mit seinem umfangreichen Schaffen zu Lebzeiten durchaus Erfolge. So wurden seine Werke während der damals bekannten ‚Concerts spirituels’ aufgeführt, von denenRigel selbst als Orchesterchef einige leitete. Was seine Sinfonien angeht, folgen diese der französischen Konvention entsprechend alle dem dreisätzigen Schema schnell-langsam-schnell und sind, bis auf die siebte Sinfonie in D-Dur, für Streicher, Oboen und Hörner gesetzt.

Concerto Köln widmet sich den Werken mit hörbar viel Engagement. Die Continuo-Sektion agiert rhythmisch prägnant, Hörner und Trompeten intonieren kräftig und rein, während die Pauke effektvoll knallt. Zwar wirken die Streicher aufgrund der etwas trockenen Akustik manchmal etwas zu zart, doch werden Staccati markiert gespielt und Phrasierungen erscheinen stets passend. Rasche Repetitionen wie im 'Presto' der Achten Sinfonie in g-Moll klingen im Tutti spannungsvoll, dialogische Partien zwischen Oboe und Streichern in der Pastorale der Achten Sinfonie sind detailliert herausgearbeitet. Insgesamt aber kann auch die beste Interpretation nicht über die Konventionalität der Sinfonien Rigels hinwegtäuschen. Spätestens nachdem man zwei Sinfonien hintereinander gehört hat, kennt man das Formschema und hat sich darauf eingestellt. Und so originell wie es einem der durchaus informative Booklet-Text weiß machen will, sind die Werke dann doch nicht. Sicher, die kurzen Durchführungen sind ereignisreich, aber dem musikalischen Material, das ihnen zugrunde liegt, mangelt es an Originalität und innerem Zusammenhalt. Häppchenweise gehört bereiten diese Werke auf jeden Fall Kurzweil, ansonsten hält man sich in diesem Fall lieber an Haydn, Mozart, Beethoven oder Carl Philipp Emanuel Bach.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rigel, Henri-Joseph: Sinfonien Nr. 4, 7, 8, 10 & 14

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Berlin Classics
1
20.02.2009
69:31
2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
782124164324
0016432BC


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"Concerto Köln, berühmt für aufsehenerregende Repertoire- Entdeckungen, entreißt mit dieser Neuaufnahme die französischen Sinfonien des Komponisten Henri-Joseph Rigel der Vergessenheit. In vielfältiger Weise spiegeln diese Werke eine revolutionäre Zeit wider, in der sich bei allen Umwälzungen auch ein reges bürgerliches Konzertleben entwickelte. Bei den neuartigen „Concerts spirituels“ spielte Rigel, der im Jahr 1767 aus Deutschland nach Paris kam, eine bedeutende Rolle und konnte dem Stil der Zeit eine Facette hinzufügen, die beim Pariser Publikum sehr gut ankam. Hört man seine Symphonien, von den Kölnern wie gewohnt aufregend musiziert, erscheint es kaum nachvollziehbar, warum diese Musik heute nahezu unbekannt ist. Besonders erstaunlich daran ist die Vielfalt an Stimmungen und Farben, die von einem bloßen Erfüllen konventioneller Formen meilenweit entfernt ist. Diese Kreativität Rigels transportiert Concerto Köln mit unnachahmlicher Überzeugungskraft und stellt damit ein in jeder Hinsicht frisches Repertoire zur Diskussion. "


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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