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Samstag, 6. Juni 2020

Pfitzner, Hans - Complete Piano Works

Furioses Zusammenspiel


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ihr Zusammenspiel ist äußerst brilliant und harmonisch.

Nachdem Hans Pfitzner 1910 als Direktor des Städtischen Konservatoriums und Leiter des Symphonieorchsters nach Strassbourg gerufen wurde, begann für ihn eine intensive Zeit des Schaffens und Wirkens. Er war nicht nur als Regisseur, Direktor und Schriftsteller tätig, er komponierte auch sein bedeutendstes musikalisches Werk: die Legende 'Palestrina'.
Kurz nach deren Uraufführung begann Pfitzner mit der Arbeit an der nun als Aufnahme vorliegenden Violinsonate. Sie ist sowohl stimmungsmäßig als auch strukturell von der vorherentstandenen Oper geprägt. So dominiert in allen drei Sätzen die Quinte das musikalische Geschehen. Es ist außerdem die Verwandtschaft mit dem Schaffen von Brahms, Schumann und Wagner, als deren musikalischer Erbe er sich empfand, deutlich zu hören. Pfitzner übernahm den harmonischen Fundus der Romantik und wandelte ihn individuell ab, wobei er auch auf eine gute kontrapunktische Stimmführung Wert legte. Der erste Satz der Sonate wird von einem virtuosen und kantablen Thema dominiert, dessan abfallende Anfangsquinte omnipräsent ist. Der zweite Satz ist zweigeteilt. Der erste Abschnitt ist meditativ nach innen gerichtet. Der zweite Abschnitt ist von einer ausdrucksstarken Melodie geprägt. Beim Finalsatz handelt es sich um einen schwungvollen Kehraus mit Rondoelementen. Sein überraschender Jubelton steht in starkem Kontrast zum vorangegangenen zweiten Satz. Der Schluss steigert sich bis ins Hochexpressive und beschließt das Werk im dreifachen forte.
Die schwedischen Musiker Ulf Wallin (Geige) und sein Begleiter Roland Pöntinen am Klavier, beeindrucken mit einer stimmigen und dichten Interpretation dieses nicht sehr häufig gespielten Werkes. Dynamische Unterschiede arbeiten sie nuancenreich heraus. Ihr Zusammenspiel ist äußerst brilliant und harmonisch, wobei der Schlusssatz ihnen geradezu furios gelingt.

Die 5 Klavierstücke op.47 entstanden mehr als 20 Jahre nach der Violinsonate. Pfitzner hatte im Jahre 1941 schon zwei schwere Schaffenskrisen hinter sich. Nach der zweiten, mit einer vierjährigen Kompositionspause ist sein Stil nun durch neue Einfachheit und Heiterkeit geprägt, über die Pfitzner aber sagte, dass sie nichts mit seinem seelischen Allgemeinzustand zu tun habe. Walter Gieseking ist der Widmungsträger der 5 Klavierstücke, die für Pfitzner von der Besetzung her ein Novum waren. Er hatte in seiner 40-jährigen Komponistenlaufbahn noch kein einziges ausschließlich für das Klavier geschriebene Werk komponiert. Dies ist relativ verwunderlich, da er selbst als ausgezeichneter Pianist galt. Pfitzner orientierte sich in den 5 Stücken am Schaffen Schumanns. So verarbeitete er motivisches Material aus den Kinderszenen. Beeindruckend ist das Höchstmaß an dichter Intensität und Fülle.Roland Pöntinen schafft es jedoch problemlos, diese für den Hörer klar zu strukturieren und zu durchleuchten.

Relativ bald nach Beendigung der Arbeit an op.47 schrieb Pfitzner einen weiteren Zyklus für Klavier. Diesmal standen spiel- und satztechnische Probleme im Mittelpunkt. So dominieren das erste Stück Akkordfolgen, das dritte fließende Arpeggien und das vierte Stück die Fingersatzfolge 5.4.3. Friedrich Wührer, der Widmungsträger der Studien, sagte über sie, dass es auf die Überwindung der Technik und ihre gänzliche Verschleierung im musikalischen Gewande ankomme. Genau dies gelingt Roland Pöntinen. Er überzeugt mit souveränem Spiel und so klingt bei ihm die erste Studie äußerst leichtfüßig und fein. In Studie 5 gestaltet er die Wechsel zwischen energiegeladenen Oktavgriffen und zarten piano-dolce Einschüben stimmig. Bei der abschließenden sechsten Studie arbeitet er deren nachdenklich singenden Ton in schlichter Weise heraus.
Das Booklet ist mit flüssig gerschriebenen Texten zu Pfitzner, den eingespielten Werken und den beiden Interpreten informativ und übersichtlich gestaltet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Pfitzner, Hans: Complete Piano Works

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
cpo
1
66:29
2000
2001
Medium:
BestellNr.:
CD
cpo 999 704-2

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Pfitzner, Hans Erich


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Interpret(en):Wallin, Ulf (Violin)
Pöntinen, Roland (Piano)


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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