> > > Cherubini, Luigi: Sämtliche Streichquartette
Samstag, 28. Mai 2022

Cherubini, Luigi - Sämtliche Streichquartette

Klangliche Noblesse


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Neuauflage der Gesamteinspielung von Cherubinis Streichquartetten mit dem Melos Quartett zeigt, weshalb es zu den Spitzenensembles seiner Zunft gehörte bzw. noch immer gehört.

Fast 30 Jahre bestand das Stuttgarter Melos Quartett in seiner ursprünglichen Besetzung zusammen und erspielte sich nach seiner Gründung im Jahr 1965 schnell einen festen Platz unter den weltweit renommiertesten Ensembles seiner Art. Nach dem Ausstieg des zweiten Violinisten Gerhard Voss 1993 nahm Ida Bieler dessen Platz ein, und die veränderte Formation existierte anschließend noch weitere knapp 12 Jahre bis zum Tod von Primarius Wilhelm Melcher. Das komplette Repertoire sämtlicher Komponisten, die auf dem Gebiet der so genannten musikalischen ‚Königsdisziplin’ etwas zu sagen hatten, hat das Melos Quartett im Lauf seiner Karriere sowohl im Konzertsaal als auch im Studio gehegt und gepflegt. Die vorliegende, bei Brilliant Classics erschienene Gesamtaufnahme der Streichquartette von Luigi Cherubini (1760–1842) stammt bereits aus dem Jahr 1976 und stellt eine Neuauflage des ursprünglich bei DGG veröffentlichten Zyklus’ dar.

Nicht unbedingt ein 'Superstar'“, in den bedeutendsten Musikzentren Europas – Paris, Wien und London – aber sehr wohl respektiert und anerkannt war der heute weitgehend in Vergessenheit geratene Cherubini zu seinen Lebzeiten. Ihre ausdrückliche Wertschätzung gegenüber der Musik dieses im Spannungsfeld zwischen Klassik und Romantik wirkenden Komponisten brachten u.a. Schumann, Brahms, Beethoven und Haydn zum Ausdruck. Mit letzterem verband ihn neben seinem hohen Ansehen in England auch ein kurzes Intermezzo am Fürstenhof Esterházy, wo Cherubini sogar beinahe die Stelle seines berühmten Vorgängers übernommen hätte.

Insgesamt recht überschaubar ist die musikalische Hinterlassenschaft Cherubinis. Nach zunächst schöpferischem Schwerpunkt auf dem Bühnensektor wandte er sich in seinen späteren Jahren verstärkt der Kammermusik zu, da sein Opernstil allmählich aus der Mode gekommen war. Diesem Umstand verdanken wir auch seine insgesamt sechs Quartette, von denen heute noch am ehesten das Scherzo des ersten geläufig ist. Das Melos Quartett stellt auf den drei CDs eindrucksvoll seine technische Klasse und klangliche Noblesse unter Beweis. Mit klarer, prägnanter und stets lebendiger Diktion gelingen Deutungen von hoher musikalischer Spannkraft und Intensität. Ob in dynamisch ruhigem und expressivem oder bewegtem Fahrwasser – mit sicherem stimmlichem ‚Röntgenblick’ gelingt es den vier Musikern, die satztechnisch sehr wohl kompetente und phantasiereiche Architektur Cherubinis bis ins Detail zu durchleuchten, die unter den drei ‚Wasserbüffeln’ der Wiener Klassik am ehesten mit derjenigen Beethovens vergleichbar ist, mit dem er sich kompositorisch streckenweise durchaus messen kann.

Abzüge gibt es nur in der ‚B-Note’: Wie leider gewohnheitsmäßig bei Brilliant ist das Booklet recht dünn und obendrein ‚fremdsprachenfeindlich’. Trotzdem kann man dem Label für die Neuauflage dankbar sein, denn die Erstausgabe ist inzwischen nur noch schwer und wenn, dann zum vielfachen Preis erhältlich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Thomas  Gehrig Kritik von Thomas Gehrig,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Cherubini, Luigi: Sämtliche Streichquartette

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
3
13.02.2009
Medium:
EAN:

CD
5028421938912


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