> > > Händel, Georg Friedrich: Klaviersuiten 426-441
Sonntag, 28. November 2021

Händel, Georg Friedrich - Klaviersuiten 426-441

Weg zu Händel


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ragna Schirmers Gesamteinspielung der Händelschen Klaviersuiten sorgt für mehr als geistreiche Kurzweil.

Nach Haydn kommt Händel: Im Jahr 2008 hatte sich die aus Hildesheim stammende Pianistin Ragna Schirmer zum zweiten Mal dem sehr umfangreichen Klavierwerk Joseph Haydns gewidmet. 2009 folgt nun, passend zum 250. Todesjahr Georg Friedrich Händels (1685–1759) und gleichfalls bei Berlin Classics, die Gesamteinspielung der Klaviersuiten des deutsch-englischen Meisters. 16 sind es an der Zahl. Schlägt man das ansprechend gestaltete 3-CD-Set auf, fällt einem sofort ein Zitat des Wahlengländers aus Halle an der Saale ins Auge: ‚Man muß lernen, was zu lernen ist, und dann seinen eigenen Weg gehen’. Wie kann man diesen Ausspruch Händels in Bezug auf Schirmer, die ehemalige Schülerin von Karl-Heinz Kämmerling und zweimalige Gewinnerin des Leipziger Bach-Wettbewerbs, verstehen? Als Rechtfertigung dafür, dass sie die 'Suites de pieces pour le clavecin' HWV 426-441 nicht auf einem Clavecin, Cembalo oder Fortepiano, sondern einem Steinway spielt? Als eine Art Rückendeckung, um ihre individuelle Herangehensweise an die Werke durch den Komponisten quasi höchstpersönlich abzusegnen? Im Grunde aber erübrigen sich diese Fragen, denn Schirmer, die sich laut eigener Aussage vor der Aufnahme lange und gründlich mit der so genannten historisch informierten Aufführungspraxis sowie dem Notentext beschäftigt hat, benötigt überhaupt keine Argumente. Ihre Interpretation überzeugt ganz für sich allein.

Im klassik.com Interview hatte Schirmer 2008 unter anderem geäußert, Händel auf einem modernen Flügel zu spielen sei ein heikles Thema, ‚weil es so schwer ist, die musikalischen Besonderheiten der barocken Musizierweise auf ein modernes Instrument zu übertragen. Ich kann nicht versuchen, das Cembalo zu kopieren, dann werde ich dem heutigen Flügel nicht gerecht. Ich kann aber auch nicht den Händel der Barockzeit komplett in unsere heutige Zeit übertragen und eine hochromantische Fassung spielen, dann werde ich der Musik nicht gerecht.’ Hört man nun gut ein Jahr später das Ergebnis ihrer schwierigen Auseinandersetzung mit diesem Problem, so stellt man fest, dass ihr Ringen um eine Synthese aus historischer Adäquanz und moderner Klanglichkeit eindeutig geglückt ist.

Die renommierte Pianistin kann auf ihre Erfahrung mit J.S. Bach und Haydn zurückgreifen, und tatsächlich wirkt ihr Zugang zu Händels 1720 und 1733 in jeweils einem Band veröffentlichten Klaviersuiten nie anachronistisch. Schirmers leichter Anschlag erzeugt bei wenig Pedalverwendung einen brillanten, klaren Ton. Ihre Phrasierungen fallen knapp und angemessen kleinteilig aus. Stellt sie in schnellen Sätzen, wie dem Double aus der d-Moll Suite HWV 428 oder der Aria aus der G-Dur Suite HWV 441 ihre Geläufigkeit unter Beweis, so beeindruckt unter anderem in den Préludes aus HWV 434, 428, 437 und 430 Schirmers wohlüberlegte Verzierungskunst. Sicher, nach dem ersten Eindruck scheint die Musik in besagten Sätzen beinahe ausschließlich aus Trillern, Arpeggien, improvisierten Läufen und Figuren zu bestehen. Doch wenn man beachtet, dass bei Händel, anders als bei J. S. Bach, gewisse Stellen ausschließlich akkordisch notiert sind und demzufolge der Improvisation eine wichtige Rolle zukommt – man denke an Händels berühmtes Wettspiel mit Domenico Scarlatti 1708 in Rom – ergibt dies wieder einen Sinn, und man kommt nicht umhin, Schirmers Können zu bewundern. Hinzu tritt: Durch ihr motorisch lebendiges Spiel, ihre kontrollierte Emphase und die Fähigkeit zur dramaturgisch übersichtlichen Gestaltung musikalischer Verläufe bleiben auch Sätze wie die über 13 Minuten dauernde Chaconne in G-Dur HWV 435 spannend.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Händel, Georg Friedrich: Klaviersuiten 426-441

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Berlin Classics
3
13.03.2009
208:19
2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
782124164522
0016452BC


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"Ihr gefeiertes CD-Debüt mit den Bachschen Goldbergvariationen liegt bereits einige Jahre zurück und mittlerweile kann Ragna Schirmer eine vielfältige Diskographie vorweisen. Zum 250. Todestag von Georg Friedrich Händel hat die zweimalige Bachpreisträgerin sich nun erneut der Barockmusik zugewandt, und dies mit einem sehr ambitionierten Projekt: Mit ihrer neuen Aufnahme legt sie auf drei randvollen CDs die Ersteinspielung der kompletten beiden Bände der Klaviersuiten von 1720 und 1733 auf einem modernen Flügel vor. Die sechzehn Werke erweisen sich unter ihren Händen als Schöpfungen jeweils eigenen Charakters, denen die ECHO-Klassik-Gewinnerin mit Einfühlungsvermögen, sicherem Stilgefühl und auch mit improvisatorischem Können individuelles Leben einhaucht."


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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