> > > Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 2 c - Moll
Dienstag, 18. Februar 2020

Bruckner, Anton - Sinfonie Nr. 2 c - Moll

Zwiespältig


Label/Verlag: Octavia
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Interpretation von Anton Bruckners Zweiter Sinfonie durch das Orchester der Niederländischen Radio-Philharmonie unter Jaap van Zweden wirkt leider wenig zwingend.

An laufenden Gesamteinspielungsprojekten der Sinfonien Anton Bruckners herrscht derzeit kein Mangel: Ob Paavo Järvi und das HR-Sinfonieorchester, Ivor Bolton und das Mozarteum Orchester Salzburg, Dennis Russell Davies und das Bruckner Orchester Linz oder Simone Young und die Philharmoniker Hamburger, überall werden die Sinfonien des Oberösterreichers wieder neu aufgenommen. Woran das liegt, ist schwer zu sagen, gibt es doch bereits zahlreiche hervorragende Gesamteinspielungen älteren und jüngeren Datums, die schwer zu übertreffen sind und bis heute vom Niveau her anscheinend unerreicht. Natürlich stellt auch das Lamento über die Unüberschaubarkeit der Bruckner-Diskographie nichts Neues dar und wird die sich immer höher auftürmenden Welle aus Bruckner-Aufnahmen nicht stoppen. Prinzipiell müsste man über die Masse an zur Verfügung stehenden Interpretationen ohnehin eher erfreut sein, als sich darüber zu beschweren. Doch sind die vielen Neueinspielungen der monumentalen Werke Bruckners leider längst nicht immer uneingeschränkt hörenswert.

Schaut man nach Westen, so fällt einem in Sachen Bruckner aktuell das Orchester der Niederländischen Radio-Philharmonie ins Auge, dessen Chefdirigent seit 2005 der aus Amsterdam stammende, vielseitig tätige Jaap van Zweden ist. Erschienen sind bei Octavia bislang die Sinfonien Nr. 4, 5, 7 und 9. Jüngst ergänzt wurde die Reihe nun durch die Zweite Sinfonie c-Moll in der von Leopold Nowak herausgegebenen Zweitfassung von 1877. Überzeugen können auf dieser SACD-Aufnahme leider nur Scherzo und Finale. So wirkt das orchestrale Tutti im Scherzo wunderbar kraftvoll und entschieden. Die kurzen, sich permanent wiederholenden rhythmischen Formeln werden hier auf subtile Weise als Elemente des brucknertypischen Steigerungsprozesses, der auf dem Höhepunkt abbricht, herausgearbeitet. Gleiches gilt für das spannungsvoll vorgetragene Finale, in dem besonders die mächtigen Blechbläser beeindrucken, ohne dass diese den Rest des Orchesters zudecken würden.

Im Kopfsatz und Andante jedoch dominieren jedoch sowohl klangliche als auch von der fehlenden formalen Gestaltung herrührende Defizite zu stark, als das man von einer gelungenen Aufnahme sprechen könnte. So sind die Pizzicati zu Beginn des Andantes nur schwer zu vernehmen, und die Streicher klingen trotz SACD-Qualität dumpf, in den Höhen wie abgeschnitten. Überzeugen tun in diesem Satz eigentlich nur die schön geblasenen Hornsoli sowie der für Bruckners Sinfonien wohl einmalige Einsatz der Solovioline. Im Kopfsatz hingegen werden die Instrumentengruppen während des zweiten Themenkomplexes nicht genügend voneinander abgesetzt, so dass die in diesem Abschnitt vorhandene Polyphonie kaum zur Entfaltung gelangt. Hinzu kommt, dass die bei Bruckner nicht unwichtigen Bassstimmen zu selten hervorgehoben werden.

Insgesamt vermisst man auch die klangliche Transparenz und ein klar erkennbares individuelles Profil der Interpretation. Ein sehr dünnes Booklet, das lediglich einen englischen und japanischen Einführungstext enthält, trägt nicht unbedingt dazu bei, den Eindruck, den man von dieser Aufnahme bekommt, zu verbessern.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 2 c - Moll

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Octavia
1
20.02.2009
Medium:
EAN:

SACD
5425008376721


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Octavia

EXTON & TRITON sind zwei audiophile Reihen von Octavia Records aus Japan, die sich vornehmlich auf europäische Sinfonik, Klaviermusik und Kammermusik spezialisiert haben.

Die Zusammenarbeit mit so bedeutenden Orchestern wie Sydney Symphony, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Pittsburgh Symphony Orchestra, Netherlands Radio Philharmonic Orchestra und so berühmten Dirigenten und Künstlern wie Vladimir Ashkenazy, Manfred Honeck, Sakari Oramo, Pascal Rogé, Jaap van Zweden u.v.a. zeugen von derem hohen Anspruch.


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