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Samstag, 15. August 2020

Verdi, Giuseppe - Aida

Flammende Spitzentöne


Label/Verlag: VAI
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein wenig indisponiert wirkt der sonst so stilsichere Verditenor Carlo Bergonzi (Radamès), so dass diese 'Aida' ganz von Fiorenza Cossotto (Amneris) dominiert wird. Ihre Fans werden diese DVD haben müssen.

1956 begannen in Tokio die ersten Gastspiele namhafter italienischer Opernstars. Bis in die 1970er Jahre übertrug das japanische Fernsehen fast jede Produktion und baute eines der weltweit größten Archive an Opernfilmen jener Zeit auf: Eine Fundgrube für das amerikanische Label VAi, das seit Jahren DVDs mit diesem Material auf den Markt bringt. Für Fans der guten alten Operntage sind viele dieser Filme eine regelrechte Offenbarung. Endlich kann man große Sänger der Vergangenheit, von denen viele filmisch kaum dokumentiert sind, nicht nur hören, sondern auch sehen.

Ein wenig indisponiert

1973 wurde Verdis Aida mit Carlo Bergonzi und Fiorenza Cossotto übertragen – in Farbe! Ein wenig indisponiert wirkt der sonst so stilsichere Verditenor Bergonzi (Radamès). Bei den gefährlichen Tonsprüngen in ‘Celeste Aida’ lässt er Unsicherheiten hören. Trotz hölzerner Darstellung überzeugt Bergonzi aber im klugen vokalen Aufbau seiner Rolle und den Ensembleszenen. Orianna Santuniones Aida hat dramatisches Potential, kann aber mit flatteriger Tonbildung und scharfen Höhen nur wenig Zwischentöne bieten.

Entäußerung in der Gerichtsszene

So wird diese Aufführung ganz von Fiorenza Cossotto dominiert. Schon mit ihrem ersten Auftritt als Amneris elektrisiert sie die Bühne. Cossotto scheint im unteren Stimmregister keine Grenzen zu haben; in der hohen Lage entfaltet sie verführerischen Schmelz und Delikatesse. In der Konfrontation mit Aida zelebriert die Sängerin subtilen Sadismus und rückt Radamès wenig später mit flammenden Spitzentönen zu Leibe. Entäußerung in der Gerichtsszene: sind das Tränen, die da Cossottos Gesicht herunterlaufen, oder der Widerschein eines Scheinwerfers? Das Publikum feiert diese aufwühlende Darstellung Fall mit minutenlangem Szenenapplaus.

Geradezu minimalistisch

Oliviero de Fabritiis dirigiert mit Sinn für Effekt und prachtvolle Massenszenen. Im Vergleich zu früheren Inszenierungen aus Tokio ist das Bühnenbild (Pier Luigi Pizzi) geradezu minimalistisch. Die Regie (Luigi Squarzina) arrangiert allzu oratorienhaft, die Glitzerkostüme erinnern an italienische Sandalenfilme.

Minuspunkte sammelt das Filmmaterial durch die nicht abwählbaren japanischen Untertitel. Das schwankende Tonbild ist abhängig von der Position der Sänger im Verhältnis zu den Bühnenmikrophonen und erfasst die Stimmen oft nicht optimal. Trauriger Standard bei VAi: Die editorische Aufbereitung des Materials ist dürftig. Immerhin haben die Macher des Labels sich inzwischen dazu durchgerungen, auf dem Einlegeblatt, das bei VAi das Booklet ersetzt, auch Regisseur und Bühnenbildner anzugeben. Cossotto-Fans werden diese DVD trotzdem haben müssen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Verdi, Giuseppe: Aida

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
VAI
1
20.02.2009
Medium:
EAN:

DVD
089948448396


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VAI

Video Artists International (VAI) incorporated in 1983 and became the first US-based company to offer a selection of home video featuring opera, concert and ballet performances from international performance centers. In 1991 VAI began producing compact discs.. In 2001 VAI released its first DVD. Initial VHS releases included ballet films from Russia followed by a series of complete operasstarring Anna Moff, Renata Tebaldi in Tosca and Beverly Sills All these remain best sellers for VAI. Also issued were recitals by Rosalyn Tureck, Anna Russell, Renata Scotto and others. All of these have been issued on DVD.
In the mid-1990?s VAI began a relationship with the Canadian Broadcasting Company that yielded memorable performances, among others, by Joan Sutherland, Jon Vickers, Renata Tebaldi, Jean- Pierre Rampal, Sir Thomas Beecham, Sviatoslav Richter, Martha Argerich, Arturo Benedetti Michelangeli, and Ida Haendel.
In 1998 VAI began a long term agreement with the copyright holders of broadcasts from The Bell Telephone Hour, America?s premiere cultural television program from 1959 to1967. Performers caught live include Renata Tebaldi, Brigit Nilsson, Joan Sutherland, Anna Moffo, Rudolph Nureyev, Leontyne Price, Isaac Stern, Michael Rabin, Yehudi Menuhin, David Oistrakh, Claudio Arrau, Jorge Bolet, Van Cliburn and other great artists.
1999 saw an arrangement with the Chicago Symphony Orchestra for a series of historic television broadcasts under music giants Fritz Reiner, George Szell, Pierre Monteux, Charles Munch, Leopold Stokowski and Paul Hindemith.
2003 began a relationship with Showcase Productions which has yielded the best selling ?Ethel Merman and Mary Martin ? The Legendary Ford 50th Anniversary Program? and two legendary ballets featuring Margot Fonteyn.
The television archives of The Boston Symphony Orchestra are now being made available to the world by VAI beginning in 2004. Initial releases feature Sir John Barbirolli, Charles Munch, and Pierre Monteux. Future releases will focus on former music directors Eric Leinsdorf and Seji Ozawa. 2004 brought around working relationships with France?s INA and Italy?s RAI which will see the release of many historic opera and concert videos from the vaults.
As a result of VAI?s presence in the marketplace, independent producers are approaching VAI with projects for production and distribution. ?What the Universe Tells Me?, a documentary on Mahler?s Third Symphony and ?Khachaturian: A Music and His Fatherland? are two fruits of these collaborations.
Aside from the afore mentioned Merman/Martin title, 2004 saw VAI release a Cole Porter Tribute,featuring Merman and other stars of the American Musical Theater. 2005 will see a continuing series of DVD titles to the great musical stars of stage and screen.
VAI CD issues feature rare recordings of Joseph Hoffman, William Kapell and other legendary pianists. The art of singers Jon Vickers, Evelyn Lear, Phyllis Curtin, Renata Tebaldi, and Eleanor Steber are captured in live and studio recordings. Many other legendary singers are featured on disc. VAI has issued a number of historic opera performances including 12 live recordings from the archives of the New Orleans Opera. Recently, VAI has begun issuing live performances from Sarah Caldwell?s legacy with the Boston Opera Company that includes performanes of Joan Sutherland, Marilyn Horne, Beverly Sills, and Jon Vickers. In recent years VAI has begun to record young, outstanding artists as Francesco Libetta and Pietro De Maria. VAI is the official label of the Miami International Piano Festival of Discovery.
VAI has 200 plus DVDs and videos and over 200 CDs in its catalog.


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