> > > Respighi, Ottorino: Werke für Violine und Klavier Vol. 3
Freitag, 7. August 2020

Respighi, Ottorino - Werke für Violine und Klavier Vol. 3

Respighi zum Dritten


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ilona Then-Bergh (Violine) und Michael Schäfer (Klavier) legen den letzten Teil ihrer empfehlenswerten Gesamteinspielung der Werke für Violine und Klavier von Ottorino Respighi vor.

Hier ist er also, der dritte und leider auch letzte Teil der Einspielung sämtlicher Werke für Violine und Klavier von Ottorino Respighi, aufgenommen von der Geigerin Ilona Then-Bergh und dem Pianisten Michael Schäfer beim Label Genuin. Abschließend sind hier noch einmal jene unterschiedlichen Positionen miteinander vermittelt, die in den beiden früheren Veröffentlichungen sukzessiv aufgezeigt wurden: Einerseits ist da, wie auf der ersten CD (2006) Respighis eigenes Schaffen dokumentiert, diesmal vertreten durch die unpublizierte und unvollendete Sonate d-Moll des 18-jährigen Komponisten aus dem Jahr 1897, andererseits finden sich aber auch drei jener Arrangements barocker Violinsonaten, denen der zweite Teil der Einspielung (2007) vollständig gewidmet war; vermittelnd zwischen beide Bereiche treten dann noch drei kurze, gleichfalls im Manuskript überlieferte Einzelstücke, die auf ihre Weise von dem früh erwachten Interesse Respighis an barocker Formensprache und Stilistik künden.

Auch diesmal überzeugt das Duo durch eine ausgewogene, spannungsreiche Interpretation und durch große Gestaltungskraft. Wie facettenreich die beiden Musiker vorgehen, wird vielleicht sogar noch deutlicher, weil hier tatsächlich die gesamte Spannbreite des Ausdrucks, vom erregten Pathos einer spätromantischen musikalischen Sprache bis hin zur gefilterten Sicht auf die klanglich aktualisierte Barockzeit, vertreten ist. Mit gleichsam sinfonischem Atem lassen Then-Bergh und Schäfer etwa die d-Moll-Sonate anheben, loten die Unruhe des Kopfsatzes emotional aus, zeichnen die spannungsgeladenen und bisweilen exaltiert anmutenden Umschwünge der Musik nach und bleiben dabei immer wunderbar gegeneinander ausbalanciert. Im Vergleich dazu bringen sie im langsamen Satz ganz andere Facetten ins Spiel, folgen dem kantablen Duktus der weit geschwungenen Adagio-Melodiebögen und legen eine beachtliche Zartheit an den Tag – ein Zugang, der im Scherzo wiederum durch raffinierte Wechselwirkungen zwischen den hier geforderten Musizierweisen ersetzt wird.

Ganz anders wirken dagegen die Respighis Barockmusik-Aktualisierungen: Die teils vollgriffigen Klaviersätze, von Schäfer sehr klangsinnlich gestaltet, mögen einerseits ungewohnt für den heutigen, am Klangbild der historisch-orientierten Aufführungspraxis geschulten Hörer sein, zeugen aber – darin den Bach-Bearbeitungen von Ferruccio Busoni unmittelbar verwandt – von dem Bemühen, die wunderbaren Sonaten den Bedingungen des spätromantischen Instrumentariums anzupassen. Dadurch ergeben sich ganz andere Möglichkeiten für Zusammenspiel und Gestaltung, und die beiden Interpreten nutzen diese – etwa in Gestalt von Rubati, Crescendo-Steigerungen oder Ritardandi und Accelerandi – weidlich aus. Besonders schön ist dies im abschließenden Variationssatz von Tartinis Sonate e-Moll realisiert, der durch ständige Tempowechsel und sorgfältig ausgeformte Übergänge einen vom barocken Original unterschiedenen erhält. Überzeugend ist es aber auch im Grave-Satz aus Pietro Locatellis 'Sonata VI', dessen klangliche Süße hier ganz hervorragend zur Geltung kommt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Respighi, Ottorino: Werke für Violine und Klavier Vol. 3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Genuin
1
20.02.2009
73:50
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4260036251166
GEN 89116


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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