> > > Schubert, Franz: Streichquartett DV. 804 ´Rosamunde´ & DV. 810 ´Der Tod und das Mädchen´
Sonntag, 9. Dezember 2018

Schubert, Franz - Streichquartett DV. 804 ´Rosamunde´ & DV. 810 ´Der Tod und das Mädchen´

Zu ungenau


Label/Verlag: Ricercar
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Quatuor Terpsycordes legt eine gute Interpretation von Franz Schuberts ?Der Tod und das Mädchen? vor. Dass die Aufnahme nicht vorzüglich gelang, ist ärgerlich und wäre vermeidbar gewesen.

Wohl kein Werk Franz Schuberts, das außerhalb seines Liedschaffens steht, hat eine vergleichbare Aura wie sein Streichquartett ‘Der Tod und das Mädchen’. Wie so oft gehen hier etliche programmatische Deutungen mit einer zunehmenden Mythologisierung des Werkes Hand in Hand. Mit anderen Worten: Über das Stück wurde viel nachgedacht und geschrieben, etliche Aufnahmen sind verfügbar. Das Quatuor Terpsycordes wagt sich an das oft gespielte Werk und verbindet es mit dem Vorgänger-Quartett ‘Rosamunde’. Für ein junges Quartett ist diese Auswahl natürlich reizvoll und gefährlich zugleich. Mit einem mutigen Zugriff auf das Werk kann man das künstlerische Profil schärfen; zunächst stellt sich aber die nicht ganz tückenlose Frage, die auch das Quartett im Begleittext betont offen stellt: Wozu eine neue Fassung aufnehmen?

Die Musiker selbst sind der Meinung, dass das Spiel auf Darmsaiten und mit klassischen Bögen der Komposition einen Klang verleiht, der gesangsähnlich, liedähnlich und somit für Schubert-Interpretationen sehr gut geeignet sei. Das ist sicherlich richtig: Dass Schubert an der Etablierung liedähnlicher Strukturen interessiert war, zeigt sich nicht zuletzt an den Zitaten aus ‘Gretchen am Spinnrade’ in der ‘Rosamunde’ und natürlich aus dem Lied ‘Der Tod und das Mädchen’ im danach benannten Quartett Nr. 14. Der dünne, sehr verletzliche Klang des Quartetts steht dieser Musik wunderbar zu Gesicht. Gerade der berühmte zweite Satz entfaltet mit den historischen Instrumenten eine sehr zerbrechliche Schönheit. Das vibratoarme Spiel tut sein übriges, um die Innigkeit der Musik zu betonen. Insofern muss man konstatieren: Die Musiker haben gute Gründe, das Quartett aufzuführen.

Leider ist die Aufnahme nicht auf ganzer Linie gelungen: Die Artikulation ist oft zu unscharf, man vermisst ein gewisses Pulsieren der Instrumente; stattdessen wirkt das ganze oft etwas diffus. Das ist insofern besonders schade, weil die Klarheit und Schärfe, die durch die Wahl der Instrumente gewonnen wurde, durch die oftmals zu unentschiedene rhythmische Gestaltung verspielt wird.

Woran das liegt, bleibt im Dunkeln – die Begeisterung des Quartetts für dieses Repertoire ist ja durchaus spürbar: Viele Sequenzen werden einfühlsam und genau interpretiert. Leider wird Schuberts Musik nicht in letzter Konsequenz durchgestaltet. Ähnliches gilt übrigens auch für das Booklet, das mit einigen ärgerlichen Flüchtigkeitsfehlern den guten Eindruck des durchaus intelligenten Begleittextes stört.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Martin Andris,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schubert, Franz: Streichquartett DV. 804 ´Rosamunde´ & DV. 810 ´Der Tod und das Mädchen´

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ricercar
1
01.11.2008
EAN:

5400439002722


Cover vergössern

Ricercar

Von Haus aus Musikwissenschaftler und Gambist (und hier immerhin Schüler von Wieland Kuijken), gründete der Belgier Jérôme Lejeune 1980 sein Label RICERCAR, das schnell zu einem der wichtigsten im Bereich der Alten Musik wurde. Das war nicht nur durch die musikwissenschaftliche Arbeit Lejeunes nahe liegend, sondern auch dem Umstand geschuldet, dass Belgien von je her zu den führenden Nationen im Bereich der historischen Aufführungspraxis gehörte. Die Künstler, die für RICERCAR aufnehmen bzw. aufgenommen haben, lesen sich ohne Übertreibung wie das Who-is-Who der Alten Musik-Szene: Hier machte zum Beispiel Philippe Herreweghe genauso seine allerersten Aufnahmen wie das Ricercar Consort, Jos van Immerseel oder Mark Minkowski (sowohl als Fagottist als auch als Dirigent). Zu den Künstlern und Ensembles, die derzeit dem Label verbunden sind, gehören so prominente Namen wie der Organist Bernard Foccroulle, die Sopranistin Sophie Karthäuser sowie die Ensemble La Fenice und Continens Paradisi. Nach wie vor bietet Lejeune dabei jungen Künstlern und Ensembles eine künstlerische Plattform und er beweist dabei stets ein besonders glückliches Händchen. Viele der nicht weniger als 250 Aufnahmen, die hier veröffentlicht wurden, waren klingende Lektionen in Musikgeschichte, die in mehrteiligen Reihen solche Themen wie Bach und seine Vorgänger, die franko-flämische Polyphonie oder Instrumentenkunde behandelten und so etwas wie zu einem Markenzeichen des Labels wurden. Das erstaunliche dabei war auch, dass nahezu alle Produktionen des Labels von Lejeune sowohl wissenschaftlich als künstlerisch und technisch betreut wurden.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Ricercar:

  • Zur Kritik... Kernbestand: Paulin Bündgen und das Ensemble Clematis mit einem kenntnisreichen Blick auf vielgestaltiges Repertoire: Ein schönes Porträt von Ensemble und Solist. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Farbensprühend: Jedes Mitglied der Bachfamilie ist eine Entdeckung wert: Hier nun kann Johann Sebastians Vetter Johann Bernhard Bach gehörig Eindruck machen, dessen vier Ouvertüren nicht weniger brillant gesetzt sind als die Johann Sebastians. Weiter...
    (Thomas Bopp, )
  • Zur Kritik... Zu edel: Bertalis Oratorium der reuevollen Sünderin Maria Magdalena ist eine echte musikalische Entdeckung, wird aber dann doch zu edel gesungen. Mehr Ausdruck, Trauer und Dramatik wäre am Platz gewesen. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
blättern

Alle Kritiken von Ricercar...

Weitere CD-Besprechungen von Martin Andris:

  • Zur Kritik... Aus dem Vollen geschöpft: René Jacobs interpretiert mit dem Freiburger Barockorchester Joseph Haydns 'Schöpfung' - eine vorzügliche Aufnahme, die den ganzen Gestaltungswillen der Musiker zeigt. Weiter...
    (Martin Andris, )
  • Zur Kritik... Der Aufbruch der "Jugend": Dominik Wörner und Simon Bucher gehen dem Einfluss Hugo Wolfs auf das Liedschaffen Schönbergs, Bergs und Schrekers auf den Grund - mit bemerkenswertem Ergebnis. Weiter...
    (Martin Andris, )
  • Zur Kritik... Gut koordiniert: Michael Korstick und das Münchner Rundfunkorchester widmen sich Max Regers berüchtigtem Klavierkonzert op. 114. Eine souveräne Leistung, die fast vergessen lässt, wie anspruchsvoll das Werk ist. Weiter...
    (Martin Andris, )
blättern

Alle Kritiken von Martin Andris...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Eruptiv und verschattet: Bis heute immer noch die beste greifbare Gesamteinspielung von drei bedeutenden Werken des Oberpfälzers. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Gefasst, aber auch durchdrungen?: Mit Eldar Nebolsin und dem internationalen Cello-Preisträger Wolfgang Emanuel Schmidt dürfen mindestens zwei Namen das Interesse an diesem Brahms schüren. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Brandenburgisches Kopenhagen: Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss: Concerto Copenhagen spielt die Brandenburgischen Konzerte. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2018) herunterladen (4200 KByte) Class aktuell (4/2018) herunterladen (2986 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Franz Lehár: Kaiserin Josephine - Ich heiße Sie alle ganz herzlich willkommen!

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich