> > > Kokkonen, Joonas: Sinfonien Nr. 1 & 2
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Kokkonen, Joonas - Sinfonien Nr. 1 & 2

Gemäßigt modern


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Erste und Zweite Sinfonie des Finnen Joonas Kokkonen atmet noch undogmatisch seriellen Geist, die Dritte entpuppt sich als neoromantisch naturhaft geprägtes Werk.

Welch langjähriger kompositorischer Entwicklungsgang kennzeichnet doch den Finnen Joonas Kokkonen in der Nachfolge von Jean Sibelius. Zwar erzielte er mit dem neoklassizistischen Klavierquintett in seiner finnischen Heimat seinen Durchbruch, doch internationalen Bekanntheitsgrad erlangte in erster Linie seine historische Oper 'Viimeiser kiusaukset’ (Die letzten Versuchungen).

Wie stilistisch schillernd Joonas Kokkonen kompositorische Phasen durchwanderte, lässt sich an seinen sinfonischen Werken gut verfolgen. So spiegelt seine Zweite Sinfonie in der formalen Gestaltung mehr oder weniger die Abstraktion eines mathematisch Denkenden, der zwölftönige Verfahren anwendet, ohne gleich in eine dogmatische Haltung zu verfallen. Kokkonens Zweite erweist sich als sperrig gebauter Brocken. Stilistische Merkmale könnten auch auf Béla Bartók verweisen. Von einem Erneuerungswillen im Geiste der Neoromantik ist hier nur ansatzweise etwas zu spüren. Doch verkrallt sich nichts zu markigen, laut dröhnenden Klanggesten, geschweige denn plärrt die Musik vordergründig durch die musikalische Landschaft.

Sakari Oramo zeigt sich als ein kompetenter Sachwalter für den Komponisten, der Strukturparameter deutlich zu Tage treten lässt. Der Dirigent versteht es trefflich, Details zu belichten, instrumentale Farben aufleuchten zu lassen und einzelne Elemente mit energischen Gebärden zu straffen. Zugleich macht diese analytische Lesart auch deutlich, wie ein Themenkern differenzierten Klangstimmen ausgesetzt, auf unterschiedliche Weise beleuchtet, aber im Endeffekt nicht weiter geformt wird. So gesehen wetterleuchtet bereits die in der folgenden Dritten Sinfonie sich abzeichnende neoromantisch geformte Machart, die naturhaften Elemente keinesfalls unterdrückt.

Den gut trainierten Routiniers der finnischen Radiosinfoniker gehen diese sinfonischen Exkursionen glänzend von den Instrumenten. Das akustische Erscheinungsbild enthüllt erdfarbene Tönung, dunkel grundierende Bässe, fein abschattierende Holzbläser sowie kräftig zustoßendes Blech. Den Freunden nordischer Musik mag die klangtechnisch subtil ausbalancierte Aufnahme willkommen sein. Während sich die Erste und Zweite Sinfonie noch als gemäßigt serielle Schöpfungen entpuppen, findet der Finne Kokkonen mit der Dritten Sinfonie (1967) erst zu seiner unverwechselbaren Handschrift, die naturhafte Eruptionen keinesfalls verschweigt, auch mystischen Visionen Raum gibt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Prof. Egon Bezold,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Kokkonen, Joonas: Sinfonien Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Ondine
1
02.01.2009
51:50
Medium:
EAN:

CD
761195112922


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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