> > > Scelsi, Giacinto: Preludi, Serie I-IV
Mittwoch, 29. Januar 2020

Scelsi, Giacinto - Preludi, Serie I-IV

Vor der Vollendung


Label/Verlag: Arts music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die 'Preludi' von Giacinto Scelsi - zum ersten Mal fast komplett.

Das Klavier steht im Mittelpunkt des Schaffens von Giacinto Scelsi. So hinterließ der italienische Komponist neben zahlreichen anderen Klavierwerken nicht weniger als sieben Klaviersuiten. Man weiß wenig über sein Leben, die wenigen Fotos sind nicht ‚offiziell’ aufgenommen. Ein wichtiges Detail seines Lebens ist seine gut begründete, nach seiner großen Schaffenskrise häufig verwendete Kompositionsmethode. Er improvisierte am Klavier, zeichnete seine Improvisationen auf Tonband auf und ließ es später von anderen Komponisten notieren. Auf diese Weise entstanden vielleicht auch die vorliegenden vier Serien der 'Preludi' für Klavier. Zumindest die dritte Serie ist als Autograph eines fremden Komponisten vorhanden, das Booklet verrät, wer es nach den Vorgaben Scelsis anfertigte. Die erste Serie wurde 1947 gedruckt, von der zweiten und vierten liegt eine Reinschrift Scelsis als Stichvorlage vor, zum Druck kam es allerdings bis heute nicht. Allerdings entstanden einige der 'Preludi’ vor 1947, zu Zeiten, als Scelsi noch von Hand komponierte.

Reisetagebuch

Die vorliegende, von Alessandra Ammara eingespielte SACD (auch auf CD-Playern spielbar) ist die erste, auf der alle vier Serien vereint sind. Allerdings nicht vollständig, die 'Preludi’ sind von 1 bis 50 durchnummeriert; auf der SACD sind 47, es fehlen also drei: die Nummern 35 bis 37. Es ist nicht bekannt, wann Scelsi welche 'Preludi’ schrieb, eine exakte zeitliche Einordnung steht noch aus. Nach dem Booklet sind die 'Preludi' ein umfangreiches ,Reisetagebuch', verfasst in einem Zeitraum von fast zwanzig Jahren (also vielleicht von 1927-1947, was uns das Booklet allerdings nicht verrät).

Die Stücke sind kurz, viele kaum eine Minute lang, nur eines ist länger als fünf Minuten. Das Schweizer Sanatorium, wo er Stunden vor dem Klavier saß und einen einzigen Ton wiederholte und sich angeblich so heilte, bewohnte er von 1947-1952, also nach der Veröffentlichung der ersten Serie. Ob die 'Preludi' ihm 1952 noch vollgültige Werke waren? Sie, in denen doch Spuren der ihn krank machenden seriellen Musik zu finden sind? Zumal er eigentlich alle vor seinem Sanatoriumsaufenthalt verfassten Werke zerstörte oder zurückzog? Wurden mit den 'Preludi' in mühevoller Arbeit aus dem Nachlass Werke zusammengesucht, die Scelsi niemanden mehr hören lassen wollte?

Nicht mehr gültig

Alessandra Ammara, davon unbeeindruckt, spielt die 'Preludi' aus einer eher romantisch-spätromantischen Tradition heraus, was ihnen und dem frühen Scelsi angemessen ist. Mit dem bekannten späteren Scelsi aber ist das kaum in Übereinstimmung zu bringen. Ammara wendet in ihrer Interpretation den Blick zurück. Sie scheint mehr zu interessieren, wo der frühe Scelsi herkommt als ihn mit Blick auf seinen späteren Weg zu deuten. Insoweit bietet diese SACD einen interessanten Einblick in die kompositorische Entwicklung Scelsis. Man kann auf ihr Kompositionen hören, die Scelsi vielleicht niemand mehr hören lassen wollte. Nicht mehr gültige Versuche, geschrieben vor der kompositorischen Vollendung des Meisters.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Scelsi, Giacinto: Preludi, Serie I-IV

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Arts music
1
19.01.2009
73:10
2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

SACD
600554772189
47721-8


Cover vergössern

Arts music

ARTS wurde 1993 gegründet. Seither haben wir mehr als 6200 Tracks (das sind über 400 Datenträger) mit Klassischer Musik der letzten 5 Jahrhunderte veröffentlicht. Neben Alter Musik und Zeitgenössischem befindet sich in unserem Katalog auch Musik der größten Interpreten der letzten Jahrzehnte sowie Musik sehr erfolgreicher junger Künstler, die Ihren künstlerischen Zenith noch vor sich haben und diesen mit uns verbringen werden. Die Musikrichtungen reichen von Sakral bis Oper, Kammermusik bis Symphonik, Lied bis Operette. Große Werke Mozarts, Beethovens, Schuberts usw. sind ebenso vertreten wie Raritäten von Rossini, Verdi, Händel und vielen mehr.
Die ARTS Produkte heben sich nicht nur durch ihre exquisiten Inhalte und den herausragenden Künstlern und Interpreten hervor, sondern zeichnen sich auch durch die bisher unübertroffenen, kristallklaren 24bit/96kHz Aufnahmetechnik sowie der außerordentlichen Gestaltung der Booklets in vier bis fünf unterschiedlichen Sprachen aus.
Jedes Jahr veröffentlichen wir zwischen 25 und 30 neue Titel auf CD, Hybrid SACD, DVD-Video oder DVD-Audio, die sowohl bei der nationalen als auch der internationalen Presse großen Anklang finden.
Mit unserem starken künstlerischen Hintergrund haben wir die höchsten erstrebenswertesten Ziele erreicht: den Aufbau eines internationalen Vertriebsnetzwerkes sowie die Etablierung und Platzierung der Marke ARTS im internationalen Markt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Arts music:

  • Zur Kritik... Junge Beethoven-Interpretin: Maria Mazos Einspielung der beiden Beethoven-Sonaten opp. 53 und 57 überzeugt auf handwerklicher Ebene durch pianistische Versiertheit, entbehrt aber zeitweilig noch der künstlerischen Inspiration und Eigenständigkeit. Weiter...
    (Elisa Ringendahl, )
  • Zur Kritik... Seismograph: In unseren Zeiten akustischer Hochglanzpolitur kann der Wagemut des sizilianischen Pianisten Alessandro Mazzamuto kaum hoch genug geschätzt werden - auch wenn er manchmal fast übers Ziel hinausschießt. Weiter...
    (Dr. Tobias Pfleger, )
  • Zur Kritik... Gabrieli-Porträt: Musik zum Rochusfest aus der Feder Giovanni Gabrielis, in farbigem Klang geboten von den Ensembles Melodi Cantores und La Pifarescha, beide von Elena Sartori ebenso kundig wie temperamentvoll geleitet. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Arts music...

Weitere CD-Besprechungen von Patrick Beck:

  • Zur Kritik... Quartett trifft Human Beatboxing: Zweite CD des polnischen Quartetts Kwartludium. Kwartludium spielt die hier vorgestellten Kompositionen genau, sorgfältig, mit viel Liebe, atmosphärisch und vor allem überaus lebendig. Weiter...
    (Patrick Beck, )
  • Zur Kritik... Unsuk Chin wieder aufgelegt: Das Ensemble Intercontemporain spielt Werke von Unsuk Chin - auch in Wiederauflage eine tolle Aufnahme. Weiter...
    (Patrick Beck, )
  • Zur Kritik... Edgar Varèse in Salzburg: Ein kostbares Dokument der Salzburger Festspiele 2009 mit Kompositionen Edgar Varèses. Weiter...
    (Patrick Beck, )
blättern

Alle Kritiken von Patrick Beck...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Das fehlende Glied: Ist Natale Monferrato das fehlende Glied einer musikhistorischen Kette? Jedenfalls ein Komponist, der gehört werden sollte. Eine erstrangige Repertoirebereicherung. Und ein tolles Medium für einen so begabten Altisten wie Paulin Bündgen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Aus einem Guss: Ronald Brautigam und die Kölner Akademie musizieren Beethoven für das 21. Jahrhundert. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Leuchtendes Rotgold: Die Compagnia del Madrigale begreift Gesualdos zweites Madrigalbuch absolut zutreffend: Die Vokalisten überfrachten die Musik nicht mit den ästhetischen Ansprüchen der späteren Sammlungen. Und sie singen ganz einfach hinreißend. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (1/2020) herunterladen (2483 KByte) Class aktuell (4/2019) herunterladen (4308 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich