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Dienstag, 29. September 2020

Bach, Johann Sebastian - Goldberg Variationen

Braucht man diese Einspielung?


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Frage stellt sich höchstens vor dem ersten Hören der Goldberg- Variationen in der Besetzung für Streicher. Nachher würde man danach fragen, wer sich diese CD nicht wünscht. Dazwischen liegen vielleicht Welten, Puristen könnten jetzt endlos debattieren, Musikliebhaber interessieren sich für derartige intellektuelle Spielereien nicht. Wenn man Kompositionen überträgt, muss es gut gemacht sein, ansonsten sollte man die Finger davon lassen. Das Trio Echnaton schafft es, jenseits traditioneller Hörgewohnheiten die Musik interessant und genussvoll darzubieten.

Das Trio Echnaton setzt sich zusammen aus Mayra Ingke-Salinas (Violine), Sebastian Krunnies (Viola) und Frank-Michael Guthmann (Violoncello). Hat seit seiner Gründung 1995 in Karlsruhe einen bemerkenswerten Weg beschritten. Freude am Musizieren auf höchstem Niveau war das Ziel. Dies zur Freude des Publikums und der Fachwelt seitdem nicht aus den verloren zu haben, wurde in zahlreichen Konzerten bewiesen, das Trio wurde 1997 in die Ensembleförderung von ‘Villa Musica’ aufgenommen, gewann 1998 den Deutschen Musikwettbewerb in Bonn und 1999 den ersten Preis des internationalen Joseph Joachim Kammermusikwettbewerbs in Weimar. Einladungen zu Musikfestivals begleiten einen individuellen Weg eines mittlerweile renommierten Streicherensembles. Konzerte führten auch außerhalb Europas nach China, Korea und Rußland. Internationale Anerkennung hat sich das Trio Echnaton erworben.

Die im Jahre 2001 bei Coviello Classics herausgegebene CD mit den Goldbergvariationen von J.S.Bach in der Besetzung für Streicher stellt eine Rarität dar. Ältere Einspielungen für verschiedene Instrumente gibt es ja, sie haben sich auf dem Musikmarkt aber nicht durchsetzen können. Anders verhält es sich mit der Interpretation dieses Werkes durch das Trio Echnaton. Die drei Musiker zeigen schon im dreisprachigen Booklet, welch intensive Analyse des Originaltextes sie gemacht haben. Daten zur Entstehungsgeschichte fehlen ebenso wenig wie Hinweise auf die Erstveröffentlichung 1743 oder E.T.A.Hoffmanns Kapellmeister Kreisler. Der Aufbau dieses zyklischen Werkes wird detailliert beschrieben, wobei auch musiktheoretische Sachverhalte interessant aufgearbeitet werden. Das Lesen bereitet einen Genuss, das Hören dieser CD aber noch mehr.

Die drei Musiker gehen nicht von einer clavieristischen Sehweise aus, sondern versuchen, den universalen Aspekt dieser Musik mit seinen verborgenen Streicherelementen aufzuspüren. Dabei wollen sie den ‘historischen’ Cembalo- Aufnahmen oder den Interpretationen auf dem Klavier keine Konkurrenz machen, sondern durch die Übertragung ins Streichermedium eine andere Dimension erschließen. Hierfür verwenden sie die Bearbeitung für Streichertrio von Dmitry Sitkovetzky, wobei sie im Interesse ihrer eigenen Sichtweise manchmal von dessen Notation abweichen. Wie dies gelingt, zeigt sofort die Wiedergabe des einleitenden Themas, in dem die einzelnen Melodien individuell hervortreten können und klanglich eine andere Färbung erlauben. Wunderbar wird die Feindynamik herausgearbeitet, die Phrasierung erinnert an die Klavierinterpretation von Feinberg.
Dies ist schon beachtenswert, zählt diese doch zu den wohl besten ihres Genres. Jede einzelne Variation zu besprechen ist müßig, die Höhepunkte dieser Wiedergabe liegen zweifelsohne in den mehr langsamen Teilen. Hier kommt der gewählten Klangfarbe eine besondere Rolle zu, die Verschmelzung der Melodien zu einem Ganzen wird erlebbar. Die alles verbindende Bassfolge wird von Frank- Michael Guthmann auf dem Ruggieri- Violincello sehr weich und gefühlsbetont gespielt, wobei er den individuellen Aspekten der einzelnen Variationen entsprechend phrasiert. Mayra Adjei-Salinas spielt eine Testore- Violine, deren Klang den langsamen Melodiegestaltungen sehr entgegen kommt. In den schnellen Sätzen wirkt das Spiel aber leider manchmal etwas hektisch, so vermittelt z.B. die Variation 28 einen fast bizarren Eindruck, in Variation 17 wird ein leicht etüdenhafter Ansatz leider gewählt. Dies ist wohl gewollt, aber dort zeigt sich der clavieristische Ansatz der Komposition eben deutlicher. Die einzelnen Kanons leben von dem unterschiedlichen Streicherklang neu auf, ihre Struktur wird deutlicher in dieser Besetzung. Sebastian Krunnies nimmt auf seiner Mantegazza- Viola die Vorgaben der Violine gekonnt auf, Einheitlichkeit der Phrasierung ermöglicht eine musikalisch reife Verschmelzung. Auch in den Fugen wirkt sich dies sehr positiv aus.

Als dann nach der 29. Variation sämtliche Aspekte der musikalischen bzw. gefühlsmäßigen Welt erlebt sind, erstrahlt im Quodlibet der hinter der Komposition zweifelsohne vorhandene Humor, der zwischenzeitlich ja immer wieder angedeutet war. ‘Ich bin so lang nicht bei dir gewest’ und ‘Kraut und Rüben haben mich vertrieben’ gehen spielerisch in den einzelnen Stimmen spazieren, werden in dieser Besetzung sehr gut erkennbar. Einen Nachteil hat diese Einspielung aber unbestritten. Nach über 60 Minuten Hörgenuss ist diese sehr empfehlenswerte CD leider zu Ende.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




Kritik von Axel Engels,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Goldberg Variationen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Coviello Classics
1
01.05.2003
68:11
2000
2001
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
4039956501015
50101

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Bach, Johann Sebastian


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Interpret(en):Trio Echnaton,


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Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

Technische und ästhetische Kompetenz

coviello classics ist das Label, unter dem die Aufnahmen der Produktionsfirma MBM vertrieben werden ? ob als CD, DVD oder SACD. Durch einen ganz speziell für die Anforderungen hochwertigster Musikproduktionen konzipierten Übertragungswagen sind die Voraussetzungen für die Aufnahmequalität bei MBM optimal. coviello classics bietet darüber hinaus in jedem Bereich und in jeder Phase der Realisierung einer Musikproduktion ? bis hin zu grafischer Gestaltung und Textredaktion bei den begleitenden Druckmedien ? sowohl Logistik und hochwertiges Gerät wie auch technisches und ästhetisches Know-how.

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