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Samstag, 25. September 2021

Franck, Richard - Orchesterwerke

Ein melodiöser Romantiker


Label/Verlag: Sterling
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der heute vergessene Richard Franck wird hier als zwar nicht höchst origineller, aber hörenswerter Orchesterkomponist vorgestellt

Vergessene Komponisten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sind eine Spezialität des Labels Sterling. Schon so manches Meisterwerk ist auf den veröffentlichten CDs (wieder-) entdeckt worden, bei denen man sich fragen muss, wie es aus den Konzertsälen verschwinden konnte. Andererseits stehen neben einigen echten Entdeckungen auch Werke, die, verglichen mit den Schöpfungen der bekannten Größen (beispielsweise Mendelssohn, Schumann, Brahms oder Mahler), eher schwach abschneiden. Dieses Risiko birgt freilich fast jeder Ausflug in selten bis gar nicht gespieltes Repertoire in sich. So auch im Fall dieser Richard Franck (1858–1938) gewidmeten CD – mit dem gleichnamigen Franzosen besteht keine Verwandtschaft. Franck hatte als Pianist und Pädagoge einen hervorragenden Ruf, äußeres Zeichen hierfür ist der 1903 erhaltene Titel eines (wie es damals hieß) 'Königlich Preußischen Musikdirektors'. Als Komponist blieben ihm große Erfolge jedoch versagt, auch wenn sich ein prominenter Dirigent wie Willem Mengelberg für ihn einsetzte.

In Francks Oeuvre bilden Klavier-, Kammer- und Orchestermusik die drei wichtigsten Pfeiler. Die Württembergische Philharmonie Reutlingen unter Christopher Fifield hat hier sechs Orchesterwerke eingespielt: Die Symphonische Fantasie op. 31, zwei Serenaden op. 24 und 25 für Violine bzw. Violoncello und Orchester, die Suite op. 30, das Liebesidyll 'Amor und Psyche' op. 40 und die Konzertouvertüre 'Wellen des Meeres und der Liebe' op. 21, die zu Francks Lebzeiten den größten Erfolg hatte. Alle Werke zeigen ihn als formal flexiblen Tondichter, der handwerklich souverän und instrumentatorisch geschickt agierte, ohne jedoch einen eigenen, unverwechselbaren Stil auszuprägen.

So erinnert etwa die Serenade op. 25 stark an Max Bruchs berühmtes erstes Violinkonzert, ein wenig auch an Francks Lehrer Carl Reinecke. Setzt man also Originalität und Individualität als oberste Maßstäbe an, wird man dieser Musik nicht allzu viel abgewinnen können. Reizvoller erscheint da schon das Beachten der zahlreichen Details, die zwischen den (leider vorhandenen) uninspirierten Passagen immer wieder auftauchen: Etwa der zarte Fagott-Auftakt der Symphonischen Fantasie, oder die später kurz aus dem Orchester hervortretende Solo-Violine. Am Ende des 'Liebesidylls' darf die Harfe hemmungslos schwelgen. Dass solche schönen Stellen angemessen zur Geltung kommen, ist ganz wesentlich der glänzend aufgelegten Württembergischen Philharmonie zu verdanken. Das Orchester hat sich mit den zuvor gewiss unbekannten Stücken sehr gut vertraut gemacht und trifft Francks romantischen Tonfall exakt. Wenn dennoch etwa der Marsch aus der Suite (Track 4) hölzern und fast trivial wirkt, kann man dies kaum den Musikern zur Last legen.

Zu loben sind Fabian Wettstein (Violine) und Tim Ströble (Violoncello), die beiden Solisten in den Serenaden. Sie werden zwar nicht bis ins virtuose Extrem gefordert, musizieren aber sehr klangschön. Der besonderen Struktur der kurzen Werke wird damit Rechnung getragen: Franck verstand sie nicht als verkappte Solokonzerte, sondern als lyrische Ausdrucksmomente. Entsprechend müssen Violine und Cello nicht brillieren, es genügt, wenn sie sich dezent vom Orchester abheben. Das Klangbild der Aufnahmen ist einwandfrei, sowohl im Verhältnis von Solo und Orchester (in den Serenaden) als auch innerhalb des Orchesters. Die von Franck in op. 21 und 31 raffiniert eingesetzte Harfe kommt beispielsweise sehr gut zur Geltung. Die Abstufung der sechs Werke untereinander ist zwar eine sehr subjektive Angelegenheit, aber qualitative Schwankungen etwa zwischen der Symphonischen Fantasie – die man durchaus mit Brahms vergleichen kann – und der Suite – einem deutlich schwächeren Werk – sind schwerlich zu überhören. Sorgfältigem und technisch sauberem Musizieren begegnet man in allen Kompositionen, Fifield und das Reutlinger Orchester nehmen auch die harmloseren Werke nicht auf die leichte Schulter.

Es bleibt also zu einem großen Teil dem Geschmack des Hörers überlassen, ob er diese Musik als epigonal ablehnen oder dem melodiösen Romantiker Franck eine Chance geben will. Als Plädoyer für einen Komponisten, der hiermit die 'verdiente Aufmerksamkeit' (so Fifield im Booklet) erfährt, ist diese CD zweifelsohne gelungen. A propos Booklet: Es überzeugt durch ansprechende Texte und zwei historische Portraits des Komponisten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Franck, Richard: Orchesterwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Sterling
1
19.01.2009
Medium:
EAN:

CD
7393338107828


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Sterling

Sterling is a record label specialising in orchestral music from the Romantic era, founded by Bo Hyttner. Most of the CDs released by Sterling contain previously unrecorded works. After setting out with Swedish romantics, Sterling is now spreading out towards the musical heritage of other European countries. In Sweden, the label is represented through CDA.



Additional to our series of Romantic orchestral classics, we release two more series:
  • The Artist series, dedicated to musical excellence from Swedish performers
  • The Historical Recordings series, with many unique pieces of musical heritage taken from the Swedish Radio Archives.


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