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Donnerstag, 28. Oktober 2021

Neuwirth, Olga - Music for films

Tonfilm, neu


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Insgesamt eine lohnenswerte Produktion, die einen umfassenden Zugang zum filmischen Schaffen Olga Neuwirths gewährt. Für Freunde der Musik und des Films gleichermaßen.

Die in Wien lebende Komponistin Olga Neuwirth hat neben Komposition auch Malerei und Film studiert. Entsprechend finden sich in ihrem Werkverzeichnis zahlreiche Filme, an denen sie mitgewirkt hat. Die jetzt vom Label Kairos aufgelegte Doppel-DVD gibt einen umfassenden Einblick in die filmische Arbeit Olga Neuwirths. Gezeigt werden acht zwischen 1991 und 2007 entstandene Produktionen. Die Mitwirkung Olga Neuwirths reicht dabei von der ,Vertonung' über die Ideenentwicklung bis hin zu Regie und Kamera. Trotz der Fülle ist die Sammlung nicht vollständig. Nicht vertreten sind die Filme ,Das Vaterspiel', ,Erik(a)' und ,Jogging', für die sie die Filmmusik komponierte. Auch ,Glienicker Brücke', für den sie die Idee hatte und mit Butch Morris die Musik schrieb, fehlt. Ebenso wenig sind alle ihre Videoinstallationen für die vorliegenden DVDs umgesetzt worden.

Gesamtkunstwerk

Herausragend in der vorliegenden Sammlung ist der titelgebende Kurzspielfilm 'The Long Rain' (1999/2000). Handlung und Dialoge sind zunächst eher banal und entsprechen bewusst einem Klischee – verirrte Soldaten suchen im Krieg eine rettende Basis. Was den Film zu etwas besonderen macht, ist die Art und Weise, wie Olga Neuwirths Musik in die Bilder eingreift. Die Musik ist jenseits bloßer ,Vertonung' das eigentliche Skelett des Films, hält die Spannung aufrecht, treibt den Film voran, füllt ihn aus. Bildhaft wird dies durch das plötzliche Auftauchen des Trompeters bei den Soldaten. Der Film selbst verwendet musikalische Techniken. Oft erscheint der Film dreigeteilt, kontrapunktisch, rhythmisch versetzt, gegenläufig. 'The Long Rain' ist eine gelungene Neuvereinigung der Gattungen Musik und Film zu einem Gesamtkunstwerk, zu einer Weiterentwicklung des Tonfilms.

Ebenfalls zu erwähnen ist der filmische Essay '...disenchanted time... ', bei dem ebenfalls im Film mit musikalischen Techniken gearbeitet wird. Bemerkenswert, wie beispielsweise eine Verlangsamung oder eine Beschleunigung der Filmgeschwindigkeit, die Änderung der Farbe oder ein Standbild die Wahrnehmung verändert. Ein filmischer Kanon ist die Umsetzung der ursprünglichen Installation 'Canon of Funny Phases'. Ein kleines Animationsfilmchen wird nacheinander einsetzend auf dem Bildschirm sechsfach versetzt gezeigt. Eine Einwirkung der Musik auf den Film ist auch in 'No More Secrets No More Lies' zu beobachten. Eine ,Vertonung' findet man in 'Symphonie Diagonale', einem abstrakten Film von 1924. Abgerundet wird die Sammlung mit dem Kurzfilm 'The Calligrapher' von 1991, die Musik war dazu bereits 1989 geschrieben worden, und dem eher als Installation denn als Film wirkenden '...miramondo multiplo...'. Für '...durch Luft und Meer...' filmte Olga Neuwirth die Bilder bei einer Fahrt zum Polarkreis selbst.

Gefahr Bar

Bonusmaterial der DVDs ist eine anscheinend gekürzte Aufzeichnung eines Gastauftritts der Komponistin in der ,Gefahr Bar' des Burgtheaters Wien. Olga Neuwirth verkörpert hier, ausgestattet mit einem schlecht klebenden Schnurrbart, einen typischen Zwölftonkomponisten. Sie nutzt ein Klischee, wie man es häufig in ihrer Arbeit sieht, so auch in 'The Long Rain' und in 'No More Secrets No More Lies'. Es gehört eine hohe Kunst dazu, ein Klischee so zu treffen, dass man genau daneben trifft.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:






Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Neuwirth, Olga: Music for films

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Kairos
2
16.01.2009
Medium:
EAN:

DVD
9120010281341


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Kairos

KAIROS, das 1999 von Barbara Fränzen und Peter Oswald gegründete Label mit Sitz in Wien, widmet sich ausschließlich der Veröffentlichung von Werken Neuer Musik. Neben Werk- und Künstlerauswahl sind höchste Ansprüche in der Tontechnik und eine moderne Verpackung, unterstützt durch die Covergestaltung des österreichischen Malers Jakob Gasteiger, wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
KAIROS ist der erfüllte, der gelingende Augenblick. Mit diesem Wort benannte die griechische Antike die glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt, den günstigen Moment, der schicksalhaft entgegentritt und entschieden genutzt werden will.
KAIROS will jene erfüllte Zeit, die wir ?Musik? nennen, aufbewahren. Was musikalisch an der Zeit ist, heutigem Hören neue Räume und Erfahrungen öffnet, soll in Interpretationen, die den günstigen Moment ergriffen haben, für unsere Hörer gebannt werden.
Der Augenblick, und wäre er noch so schön, verweilt nicht. Aber er kann wiederkehren, und obwohl wir dann nicht mehr die selben sind, kann er uns erneut ergreifen und verwandeln. In diesem Sinn will KAIROS die Musik der Gegenwart, die unendlichen Abenteuer des Hörens, die sie bietet, der Zeitgenossenschaft zurückschenken. Damit die Gunst des Moments nicht ungenutzt vorüberzieht.
KAIROS will die Musik der Gegenwart wieder zu Musik für die Gegenwart machen. Dabei gehen wir in der Auswahl der Komponisten und ihrer Stücke keine Kompromisse ein: nur Musik, an deren Kraft und Fortbestehen wir glauben, die herausfordernde ästhetische Positionen einnimmt und neue Wege des Klangempfindens erschließt, soll in einer auf das individuelle Werk abgestimmten Aufnahmequalität präsentiert werden. Ausführliche, informative Booklets mit lesbaren Werkkommentaren und Beiträgen von Schriftstellern, die den Komponisten wahlverwandt sind, sollen nicht nur Musikkenner ansprechen sondern auch all jene neugierig machen, die neue künstlerische Entwicklungen unserer Zeit erleben wollen.
Die einzelne CD wird so zu einer Art Gesamtkunstwerk, ausgestattet mit einem Booklet, dessen Texte sich dem Nicht-Sagbaren der Musik auf essayistische, analytische und literarische Weise annähern, und in einer gleichermaßen kunstvollen wie praktikablen Box, deren Cover von dem österreichischen Künstler Jakob Gasteiger gestaltet sind. KAIROS: Musik als Wegbegleitung für den Aufbruch in neue Zeitalter.


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