> > > Bruch, Max: Schwedische Tänze op. 63
Samstag, 25. September 2021

Bruch, Max - Schwedische Tänze op. 63

Volksmelodien vom 'Nöckergreis'


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Werner Andreas Albert legt bei cpo eine empfehlenswerte Bruch-Einspielung vor, die den weitgehend unbekannten Werken des Komponisten gewidmet ist.

Nur nicht aufregen! Mit „Nöckergreis“ ist hier nicht Werner Andreas Albert gemeint, sondern kein geringerer als Max Bruch selbst. Jedenfalls wird ihm dieser äußerst pikante Spitzname in dem informativen und zugleich unterhaltsamen Einführungstext von Autor Eckhardt van den Hoogen verliehen – seiner Meinung nach zu recht, soll doch Max Bruch kein allzu einfacher Zeitgenosse gewesen sein.

Dies heißt aber wiederum nicht, dass nicht auch ein „verbohrte[r] Nöckergreis“ wundervolle Musik komponieren könnte. Aber auch hier hält sich Eckhardt van den Hoogen vornehm zurück: „Tiefe Täler mittelmäßiger Durchführungsarbeit“ durchschnitten bei Bruchs Kompositionen „wirklich gelungene, fesselnde, zutiefst inspirierende Phasen“. Dies führt er als Grund an, warum kaum ein Werk Max Bruchs – außer das Violinkonzert (Nr. 1) – einen besonders hohen Bekanntheitsgrad erlangt habe. Harte Worte – ob zutreffend oder nicht, bleibt wohl der Meinung eines jeden Hörers und Musikers, der sich mit der Musik Max Bruchs auseinandersetzt, überlassen.

Werner Andreas Albert kommt mit vorliegender Aufnahme seiner sich selbst auferlegten und sehr löblichen Aufgabe nach, unbekanntere, wenig gespielte Kompositionen an den Hörer und die Hörerin zu bringen. So hat er bereits rund 100 CDs für das Label cpo aufgenommen, darunter beispielsweise 15 CDs mit dem gesamten konzertanten und symphonischen Repertoire von Paul Hindemith. Im Jahr 2001 brachte er die konzertante Uraufführung von Siegfried Wagners Oper 'Die heilige Linde' auf das Konzertpodium.

Die auf der vorliegenden CD präsentierten Kompositionen basieren alle auf sowohl russischen als auch schwedischen Volksmelodien. 1903, im Jahr der Uraufführung der 'Suite nach russischen Volksmelodien' op. 79b, wurde Max Bruch wegen seines euphorischen Einsatzes für die skandinavische Volksmusik zum Ehrenmitglied der Königlichen Schwedischen Musikakademie ernannt. Das Interesse und die Liebe zu den Melodien verschiedener Völker waren wohl zwei der größten Inspirationsquellen des Komponisten. Vor allem russische, aber auch schwedische Volksweisen studierte er intensiv, um sie als Grundlage seiner Kompositionen zu verwenden und sie in diesen zu verarbeiten. Die 'Schwedischen Tänze' op. 63 liegen in unterschiedlichen Versionen für verschiedene Besetzungen vor. So sind jeweils eine Fassung für Klavier zu zwei und vier Händen und eine Fassung für Militärkapelle überliefert.

Nicht etwa eine Militärkapelle, sondern das SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern setzt bei vorliegender Aufnahme der Kompositionen die melancholische Sanglichkeit der Volksmelodien sehr eindrucksvoll und technisch ausgezeichnet um. Unter der Leitung von Werner Andreas Albert wirkt die Musik durch die kraftvolle und energiegeladene Interpretation auch an den ruhigeren Stellen geradezu archaisch und dabei ein bisschen zu wenig melodienselig. Hier bewegt sich die Umsetzung leider knapp am Rande der Emotionsarmut, denn Volksmelodien können – nicht gerade „Kitsch as Kitsch can“ – aber ein wenig Kitsch über das normale Maß hinaus vertragen. Gerade der melancholische, schwermütige Gestus der russischen Volksmusik verlangt doch danach, besonders emotional interpretiert zu werden.

Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich vortrefflich streiten – und so mag vielleicht ein Anderer die klaren Linien dieser etwas nüchternen Darbietung sogar genießen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Esther  Kraß Kritik von Esther Kraß,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruch, Max: Schwedische Tänze op. 63

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.12.2008
Medium:
EAN:

CD
761203738526


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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