> > > The golden age of light music. From stage and screen: Werke von Rodgers, Mancini, Loesser u.a
Mittwoch, 20. Oktober 2021

The golden age of light music. From stage and screen - Werke von Rodgers, Mancini, Loesser u.a

Tönende Nostalgie II


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit 'From Stage and Screen' haben David Ades und Alan Bunting eine ausgesprochen unterhaltsame Kompilation zusammengestellt.

Unterhaltungsmusik, leichte Musik – so antiquiert diese Begrifflichkeiten auch daherkommen mögen, den Hauch des Despektierlichen haben sie noch immer nicht verloren. Wie sehr noch immer der Vorbehalt gegenüber den Qualitäten dieses Genres wirkt, zeigt der Blick ins Musikwörterbuch, das da Unterhaltungsmusik definiert als 'zusammenfassende Bezeichnung für die dem natürlichen Unterhaltungsbedürfnis des Menschen mit sehr unterschiedlichen ästhetischen Anspruch Rechnung tragenden Erscheinungsformen musikalischer Unterhaltung, die seit der 2. Hälfte des 19. Jh. vom künstlerisch anspruchslosen, auf bloße Zerstreuung ausgerichteten Musikstück der sog. Leichten Muse bis zur gehobenen, an volkstümliche Musizierformen anknüpfenden und daher leichter zugänglichen Komposition der sog. Ernsten Musik reichen.'

Die Angelsachsen und ihre amerikanischen Vettern würden diese Definition zwar ebenso unterschreiben, hatten aber mit der an sich unsinnigen Unterscheidung von U- und E-Musik nie eigentliche Probleme. 'Light Music' ist die englische Bezeichnung für jenes Genre, dessen Schwerpunkt auf Melodie liegt, sich unterschiedlichen Stimmungen widmet, Orte und Objekte musikalisch be- und umschreibt. Die BBC etablierte 1945 gar ein eigenes 'Light Programme' mit Radiosendungen wie 'Friday Night is Music Night' (eine noch heute laufende Sendung) oder 'Music While You Work' (ein Radioprogramm, das bereits ab 1940 gesendet wurde und während des 2. Weltkriegs durch Non-Stop-Medleys die Arbeit in den Fabriken in Schwung halten sollte). Bis in die frühen 1960er Jahre erlebte die leichte Musik goldene Zeiten.

Immer wieder haben sich Plattenfirmen dieses Genres angenommen und mal hier, mal da Kompositionen einspielen lassen. Erst mit David Ades' und Alan Buntings akribischer Archivarbeit scheint seit einigen Jahren die Firma 'Guild' Kontinuität in die Aufarbeitung des schier unerschöpflichen Materials bringen zu wollen. Es sind durchweg Originalaufnahmen der 1920er bis 1960er Jahre, die David Ades unermüdlich aus britischen, amerikanischen und mitunter deutschen Archiven holt, thematisch eint, von Alan Bunting in bestmöglicher Qualität restaurieren lässt und in wunderbaren Kompilationen auf den modernen Silberling bringt. Die Reihe 'The Golden Age of Light Music' ist enorm angewachsen – inzwischen zählt sie an die 60 CD-Veröffentlichungen. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Gut so.

Der Welt umfassendsten Sammlung leichter Musik auf CD hat David Ades mit 'From Stage and Screen' eine weitere hinzugefügt und damit nicht zuletzt die Sektion mit Preziosen aus Film und Bühne erweitert, die bereits mehrere CDs umfasst. Kenner werden Altbekanntes finden wie Ausschnitte aus 'Guys and Dolls' von Frank Loesser, hier in einer pfiffigen, von Roland Shaw arrangierten Sechs-Minuten-Suite von Geraldo und seinem New Concert Orchestra 1953 eingespielt. Alfred Newman dirigiert sein 'Anastasia'-Thema aus dem gleichnamigen Film mit Ingrid Bergman, mit dem die Schwedin ihr Hollywood-Comeback einläuten wollte. Das schwermütige Thema wird unter Newmans Dirigat von den Victor Young Singing Strings zum Aushängeschild für süffiges, portamentoreiches Vibratospiel. Herrlich! Percy Faith und sein Orchester interpretieren Georges Aurics Lied aus 'Moulin Rouge' und Frederick Loewes 'Show me' aus 'My Fair Lady' nicht weniger klangintensiv. Den Grenzgang zwischen leichter und – in diesem Falle – schwerer Musik tritt Victor Young mit seinem Thema aus 'Samson and Delilah' an. Das Paramount Symphony Orchestra monumentalisiert dieses Stück aufs Prächtigste in dieser Decca-Aufnahme von 1957. Unter den vielen anderen Kostbarkeiten, die diese Kompilation zu bieten hat, befindet sich auch eine echte Rarität: das Thema aus dem Film 'Glenn Miller Story' von 1954. James Stewart als Glenn Miller mag vielleicht eine Fehlbesetzung gewesen sein, nicht so der junge Komponist, der für die Arrangements und die selbständigen Kompositionen für diesen Film verantwortlich zeichnete: Henry Mancini. Jackie Brown und sein Orchester lassen in ihrer Columbia-Aufnahme von 1954 bereits all die Tugenden des späteren Mancini aufleuchten, einen weichen, aber prägnanten Streichersatz und individuelle Solopassagen.

Alan Bunting hat auf der Ebene der Materialrestaurierung wieder Glanzvolles geleistet. Die Aufnahmen aus den 1950er Jahren klingen plastisch und knackarm.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    The golden age of light music. From stage and screen: Werke von Rodgers, Mancini, Loesser u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Guild
1
21.04.2009
Medium:
EAN:

CD
795754515220


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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    (Erik Daumann, 29.11.2009)

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