> > > Caeli Porta. 17th Century sacred music from Lisbon & Granada: Chorwerke von Aviles, Cristo, Coelho u.a
Montag, 18. Oktober 2021

Caeli Porta. 17th Century sacred music from Lisbon & Granada - Chorwerke von Aviles, Cristo, Coelho u.a

Portugiesisches Repertoire


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Portugiesische Kirchenmusik an der Schwelle zum 17. Jahrhundert in einer soliden Aufnahme mit dem Choir of the Queen’s College Oxford.

Spanische Vokalpolyphonie ist ein selbstverständlicher Teil des Repertoires vieler spezialisierter Vokalensembles, im Plattenmarkt sind Morales, Victoria und Zeitgenossen gut vertreten, auch qualitativ muss sich niemand mehr mit zweitrangigen Interpretationen begnügen. Weniger bekannt aber kaum weniger reizvoll sind die portugiesischen Vettern der Spanier: Besonders in der Zeit der Vereinigung der spanischen mit der portugiesischen Krone von 1580 bis 1640 verwoben sich auch die kulturellen Entwicklungen beider Länder und Kulturen immer stärker. Viele Komponisten aus Portugal gingen nach Spanien an die großen Kathedralen, lernten dort, nahmen Einflüsse auf, belebten schließlich ihrerseits das musikalische Leben in ihrer Heimat. Die großen Kathedralen und Klöster in Lissabon und Coimbra wurden zu Zentren einer blühenden Musikpflege, vielfach in enger stilistischer Anlehnung an die spanischen Vorbilder.

Immer wieder waren in der Vergangenheit vor allem englische Ensembles damit befasst, neben dem spanischen auch das portugiesische Repertoire zu erkunden. Die jüngste Veröffentlichung der King’s Singers zeigt ebenso schöne wie charakteristische Ausschnitte, die Tallis Scholars haben sich ebenfalls mit vergleichbarem Repertoire vorgestellt.

Die auf der vorliegenden Platte sämtlich erstmals eingespielten Werke stammen aus dem Umfeld und der Tradition dieser portugiesischen Entwicklungen. Neben anderen sind der Lissabonner Duarte Lobo (ca. 1565-1646), Pedro de Cristo (ca. 1550-1618) oder Manuel Leitão de Aviles (gestorben 1630) vertreten. Die Letztgenannten arbeiten dabei schon in stärker homophoner Faktur als es in den Werken der Hochrenaissance üblich war, bleiben aber dennoch überwiegend im polyphonen Erbe verankert. Die Stärken der einzelnen Psalmen, Motetten und Messsätze liegen deutlich im fließenden Klangstrom und es ist bei jedem der Komponisten klar ersichtlich, dass er sein Handwerk beherrscht und durch eine solide Schule gegangen ist. Kompositorisch stärkster Teil der Aufnahme ist die 'Missa de beata virgine Maria' von Duarte Lobo: Hier werden die Möglichkeiten des polyphonen Stils ausgelotet, wird die Musik jedoch im Vergleich zu den Vorläufern in knappere und konzentriertere Sätze gefasst.

Solide

Im Choir of the Queen’s College Oxford singen überwiegend Chorstudenten unterschiedlicher Ausbildungsstände, ergänzt um weitere Angehörige verschiedener Colleges. Zusammen formiert der relativ stark besetzte Chor einen eher leichten Klang, der vor allem in den weit schwingenden Stücken tragfähig ist. In rascheren Tempi ist die gemeinsame Artikulation dagegen nicht mehr so überzeugend. Vor allem die Lobo-Messe musizieren die Vokalisten sehr bewusst, für die Größe der Formation sogar erstaunlich subtil.

Das alles wird in einem kräftigen und ausgewogenen Klangbild realisiert, an dem lediglich in Sachen Plastizität und struktureller Ausarbeitung leichte Abstriche zu machen sind. Insgesamt ist es eine Platte mit reflektierter Programmgestaltung, die ein durchaus interessantes Bild portugiesischer Kirchenmusik auf gutem, gleichwohl nicht überragendem Niveau bietet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Caeli Porta. 17th Century sacred music from Lisbon & Granada: Chorwerke von Aviles, Cristo, Coelho u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Guild
1
20.04.2009
Medium:
EAN:

CD
795754732320


Cover vergössern

Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Guild:

blättern

Alle Kritiken von Guild...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Konzentriert: Ein kompletter Kantatendreier in gerade vierzig Minuten Spieldauer, der es substanziell in sich hat: Bachs Musik ist bei Rudolf Lutz und seinen Ensembles der St. Gallener Bach-Stiftung in besten Händen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Cembalistische Variationskunst: Bachs Goldberg-Variationen: Was man in jedem Takt hören kann, ist Bachs tiefe Inspiration – hier mit Raum zum Atmen und sublimer Virtuosität von Michel Kiener verlebendigt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Mehr als nur der Onkel: Andrea Gabrieli als bedeutender schöpferischer Musiker an einem neuralgischen Ort der Musikgeschichte in hochinteressanter Zeit. Manfred Cordes und Weser-Renaissance Bremen setzen mit dieser Platte ein echtes Ausrufezeichen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Aufbrechende Farben und Klänge: Aus dem Schattendasein ans Licht führen Patricia Kopatchinskaja und die Camerata Bern folkloristisch intendierte Kunstmusik. So gelingt ein Klangabenteuer zwischen Vergangenheit und Moderne. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Ehrliche Emotion: Ein norditalienisches Kammerorchester überzeugt mit russischer, tschechischer und britischer Streichermusik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Brahms mit Leidenschaft: Daniel Müller-Schott (Violoncello) und Francesco Piemontesi (Klavier) ergänzen sich nobel bei drei Sonaten von Johannes Brahms. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2021) herunterladen (3200 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (7642 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich