> > > Subramaniam, Lakshminarayanan : Shanti Priya (Violinkonzert)
Samstag, 27. Mai 2017

Subramaniam, Lakshminarayanan - Shanti Priya (Violinkonzert)

Dialog zwischen den Kulturen


Label/Verlag: duo-phon classic
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der indische Geiger Lakshminarayanan Subramaniam stellt zwei Kompositionen mit Orchester vor.

Auch wenn ihn hierzulande – vor allem unter den Klassik-Liebhabern – nicht viele kennen dürften, gehört er doch zu den bedeutendsten Meistern seines Faches: der Geiger Lakshminarayanan Subramaniam, dem eine nicht unwesentliche Rolle dabei zukommt, dass die Violine als ein aus dem Westen stammendes Instrument heute bruchlos ins Instrumentarium der klassischen indischen, in seinem speziellen Falle der karnatischen (südindischen) Musik einfügt ist. Das Ergebnis hat freilich wenig mit dem gemein, was wir in unserem Kulturkreis mit dem Violinspiel assoziieren: Die Spielhaltung – im Schneidersitz auf dem Boden hockend, die Schnecke an den Oberschenkel gelehnt, um dadurch eine maximale Bewegungsfreiheit der Griffhand zu ermöglichen – sowie die in ihren Intervallverhältnissen veränderte und zudem wesentlich tiefere Stimmung sorgen dafür, dass klanglich wie spieltechnisch (nämlich aufgrund einer differenzierten Auslotung der Tonschritte innerhalb der verwendeten Skalen) eine Annäherung an das Idiom einheimischer Instrumente erfolgt.

Fragwürdige Edition

Interpretationen des traditionellen südindischen Raga-Repertoires (hier etwa empfehlenswert eine 1991 bei Nimbus Records erschienene Einspielung) sind jedoch nur ein Aspekt von Subramaniams künstlerischer Tätigkeit, hat er doch auch in den USA eine Ausbildung in westlichen Kompositionstechniken absolviert und tritt seit den Achtzigerjahren immer wieder mit Werken hervor, in denen er die musikalische Sprache seiner Heimat mit den Errungenschaften des westlichen Systems – in seinem Falle ausschließlich das der tonalen Harmonik – vermittelt. Zwei dieser Kompositionen – 'Shanti Priya’ für Orchester mit indischer Violine und Perkussion sowie das Doppelkonzert für Violine, Flöte und Orchester – sind jetzt als Produktion mit den Brandenburger Symphonikern unter Leitung von Michael Helmrath auf einer Doppel-CD bei Duo-Phon Records erschienen und ermöglichen es, diese Musik näher kennen zu lernen.

In editorischer Hinsicht ist die Veröffentlichung allerdings ein ziemliches Desaster: Dass da etwa zwei CDs gepresst werden, wo man doch aufgrund der Spieldauer beider Werke eindeutig mit einer einzigen ausgekommen wäre, gibt Rätsel auf – es sei denn, man nimmt an, der Platz auf der aufklappbaren Doppelhülle aus Karton sei unbedingt benötig worden, um an allen Ecken (sogar hinter den eingesteckten Silberlingen) die biografischen Texte zu den Mitwirkenden in deutscher und englischer Sprache unterzubringen. Ein Booklet hat man nämlich gar nicht erst für nötig gehalten, so dass der Hörer, ausgenommen zweier englischsprachiger Sätze bei der Trackliste, nichts über Motivation oder Hintergründe der Musik erfährt. Damit geht Hand in Hand, dass sämtliche Informationen über Aufnahmedatum und -ort ebenso fehlen wie die Namen der neben Subramaniam beteiligten indischen Perkussionisten, was angesichts ihrer zentralen musikalischen Rolle eigentlich unverzeihlich ist.

Aufeinandertreffen zweier Musizierweisen

Nicht einfach ist es indes, die Melange aus indischem Tonfall und westlicher Harmonik zu beschreiben, mit der man hier konfrontiert wird. Obgleich sich Subramaniam in 'Shanti Priay’ auf sehr naive Weise der Tradition westlicher Tonalität bedient und manchmal schon fast schmerzhaft kitischige Passagen komponiert hat – man höre nur einmal auf den Beginn des ersten Satzes mit seinen Glockenspiel- und Harfengirlanden über lichten Streichertremoli –, vermag er doch mit seinem Violinspiel zu frappieren, denn es verleiht den solistischen Teilen des Werkes eine Tiefe, die man nach dem ersten Höreindruck der in ihren harmonischen Verbindungen oft allzu platt wirkenden Orchesterteile gar nicht erwartet: Hier bleibt plötzlich die Zeit stehen, tut sich – als würde ein Fenster geöffnet – eine andere Welt auf, die mit differenzierten und teils stufenlosen, dem westlichen Musiker nicht geläufigen Nuancen zwischen den festen Tonhöhen des temperierten Systems arbeitet, ohne dieses je zu verlassen.

Dass dies alles dramaturgisch nicht so recht funktioniert, merkt man an den musikalischen Brüchen, die entstehen, wenn die (wahrscheinlich teilweise improvisierten) Soloteile in Zwischenspiele münden und man von einer ganz anderen Wahrnehmungsebene aus plötzlich in die Welt von mittelmäßiger Filmmusik katapultiert wird. Man spürt es aber auch im Doppelkonzert, wo der indische Violinist gemeinsam mit dem westlichen Flötisten Michael Martin Kofler musiziert: Obgleich letzterer den Flötenpart mit Bravour vorträgt, vermittelt er gelegentlich (besonders im ersten Satz) einen etüdenhaften Eindruck; er kann daher nicht immer mit seinem Streicherkollegen mithalten, der seine eigenen, nicht weniger schwierigen Soloteile mit einer ganz anderen Musizierhaltung ausfüllt.

Etwas grob wirkt schließlich das Orchester: Das Problem sind dabei weniger die rhythmisch ein wenig an einen abgespeckten Leonard Bernstein erinnernden Rahmensätze des Doppelkonzerts mit ihren – freilich eher laut als differenziert vorgetragenen – Blechbläsereinsätzen, als die feineren und filigraneren Passagen, wo man immer wieder Intonationsschwächen bemerken kann. Insgesamt entsteht der Eindruck, als werde hier mit sehr breitem Pinsel gemalt, darauf vertrauend, dass Subramaniams Harmonik den Vortrag stützt und von den Schwächen des Klangkörpers ablenkt. Hinzu kommt eine etwas dumpfe Wirkung, deren Nachklänge gelegentlich seltsam indifferent wirken. Ob dies am Aufnahmeort oder an der Technik liegt, lässt sich mangels entsprechender Informationen nicht mit Sicherheit sagen.

Naiv, aber ehrlich

Ich muss zugeben, dass mir Subramaniam eher zusagt, wenn er sich mit seinen reichen Lesarten südindischer Musik hören lässt, als wenn er sich komponierend an einem Ineinander solch divergierender Musizierstile versucht. Dennoch ist der Gesamteindruck der Platte durchaus positiv, denn man spürt, dass – trotz der musiksprachlichen Naivität beider eingespielten Werke – hinter alldem das ehrliche Bestreben einer Kulturen vermittelnden Haltung, eines Dialogs zweier unterschiedlicher Ansätze steht. Und das hebt die Stücke letzten Endes doch weit über jene bisweilen arg peinlichen Versuche hinaus, mit denen westliche Komponisten wie Peter Michael Hamel insbesondere in den Siebziger- und Achtzigerjahren einer falsch verstandenen Vereinnahmung östlichen Kulturguts gefolgt sind und sich zur Schaffung allumfassender Wohlfühlklänge aufgerufen glaubten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Subramaniam, Lakshminarayanan : Shanti Priya (Violinkonzert)

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
duo-phon classic
2
22.08.2008
EAN:
4012772110234

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duo-phon classic

Wenn der kubanische Gitarrist Joaquín Clerch seine Gitarre streichelt, schlägt und zupft, zaubert er konzertante Töne auf höchstem Niveau. Der u.a. am Salzburger Mozarteum ausgebildete, vielfach preisgekrönte Saiten-Virtuose gilt als führender Gitarrist seiner Generation. Mit den Brandenburger Symphonikern hat er sein lineares Solo-Gitarren-Spiel und seine melodische Klarheit in einen ausdrucksstarken neuartigen Klangkörper überführt. Das Ergebnis ist jetzt erstmalig und einmalig auf einem edel rot-golden gestalteten Doppel-CD-Album zu hören, das als erste Veröffentlichung des neuen Labels duo-phon classic erscheint. Darauf brilliert Joaquín Clerch mit eigenen Kompositionen und Interpretationen von Rodrígo, de Falla, Walton, Strawinsky als Weltstar unter Weltstars. Denn die ihn begleitenden Symphoniker des Theaters Brandenburg an der Havel haben seit ihrer Ernennung zum deutschen „Orchester des Jahres“ 2002 auf Tourneen nach Amerika, Japan, Südafrika und China internationale Meriten gesammelt.

duo-phon classic bietet dem Brandenburger Symphonie Orchester und seinen 53 Mitwirkenden unter Leitung von Michael Helmrath erstmals eine Plattform, seine außergewöhnlichen Crossover-Projekte mit internationalen Solisten auf Tonträger zu veröffentlichen. Was aufgrund des enormen technischen Aufwands live nur ein- bis zweimal im Jahr zu realisieren ist, wird mit Unterstützung des Landes und der Stadt Brandenburg und aus Mitteln der Europäischen Union jetzt auf duo-phon classic einem größeren Publikum zugänglich gemacht.

Dazu gehört auch die einzigartige Zusammenarbeit der Brandenburger Symphoniker mit dem indischen Violinisten Lakshminarayana Subramaniam. Der 61-jährige Komponist und Dirigent ist weltweit bekannt für seine zwischen der südindischen Traditionsmusik Raga und europäischer Klassik changierenden Werke. Er gilt sowohl als „der Paganini klassischer indischer Musik“ wie auch als „indischer Menuhin“. Als Filmkomponist wirkte er u.a. an Bollywood-Klassikern wie „Salaam Bombay“ und dem Welterfolg „Little Buddha“ mit. Auf der zweiten Doppel-CD von duo-phon classic bringt er seine „Freedom Symphonies“ und „Global Symphonies“ in ein spannendes Wechselspiel mit den Brandenburger Symphonikern.

Weitere Veröffentlichungen unter duo-phon classic:

Chormusik von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) „Loreley“, op. 98 (unvollendete Oper) & Die erste Walpurgisnacht, op. 60

Sinfonischer Chor der Singakademie Potsdam, Deutsches Filmorchester Babelsberg / Leitung: Thomas Henning

„Mord auf dem Säntis“ - Kammeroper von Noldi Adler und Friedrich Schenker - Libretto von Christoph Nix

Ein Auftragswerk des Theater Konstanz in Zusammenarbeit mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz und DRS2 Live-Mitschnitt im Rahmen des 23. Internationalen Bodenseefestivals 2011

duo-phon classic, viertes Sub-Label unter dem Dach des 1995 von Inhaber Alfred Wagner gegründeten duo-phon Labels mit seinen mittlerweile über 300 Veröffentlichungen!

Cantica – Musik der Ostkirchen, hat sich zum Ziel gesetzt, das nach Umfang und künstlerischem Gehalt reiche und zu großen Teilen noch nicht erschlossene Musikschaffen der orthodoxen Kirchen Osteuropas und des Nahen Ostens erschließen zu helfen. Die Edition umfasst Gesänge zu den wichtigsten orthodoxen Feiertagen, informiert über frühe Gesänge der nationalen Kirchen, zeigt die verschiedenen Stilrichtungen, macht bekannt mit den bedeutendsten Komponisten orthodoxer Musik (darunter die erste Gesamtausgabe der geistlichen Werke Rimski-Korsakows) und stellt einige der besten Chöre dieser Länder vor.

In der Edition Berliner Musenkinder werden seit dreizehn Jahren Schellack-Schätze digitalisiert für den Markt der Jetztzeit erschlossen, darunter bis dahin nicht mehr zugängliche Originale von Claire Waldoff, Otto Reutter oder Richard Tauber. Die Revitalisierung der Unterhaltungsklassiker von Weimarer Tagesschlagerkomponisten wie Mischa Spoliansky und Werner Richard Heymann durch duo-phon records hat zu einer Wiederentdeckung dieser und anderer in Vergessenheit geratenen Komponisten und Texter der leichten Muse geführt.

Ein Ohr am Puls der Zeit beweist duo-phon mit der ebenfalls fortlaufenden Edition Berliner Musenkinder Spezial, in der Chansonsänger von heute, die an die Traditionen der 20er und 30er Jahre anknüpfen und innovativ über sie hinausweisen, vorgestellt werden. Dazu gehören Künstler wie Judy Winter, die mit dem Musical „Marlene“ und der gleichnamigen CD für Furore sorgte und Travestiestar Georg Preuße alias „MARY“.

Erfolgreichstes Bindeglied zwischen historischen und heutigen Künstlern auf dem duo-phon Label sind die „Berlin Comedian Harmonists“, neu formiert nach dem Vorbild der ersten Boy Group der Weimarer Republik. Deren erste CD „Veronika, der Lenz ist da“ wurde über 40.000 Mal verkauft.

Seit vier Jahren existiert die dritte Reihe des duo-phon record Labels: Musenkinder Hörbuch. In diesem Segment werden aufwändige Hörspiele etwa zur Entstehungsgeschichte der „Dreigroschenoper“ produziert und wie auf der von Kabarettforscher Volker Kühn herausgegebenen, mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2007 ausgezeichneten Doppel-CD „Mit den Wölfen geheult-Von leichter Muse in schwerer Zeit“, auch kritische Hinterfragungen der „Bombenstimmung“ der 30er Jahre veröffentlicht.


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