> > > The French Piano School. Perlemuter, Lefébure, Casadesus u.a spielen: Werke von Ravel, Chopin, Beethoven u.a
Samstag, 26. September 2020

The French Piano School. Perlemuter, Lefébure, Casadesus u.a spielen - Werke von Ravel, Chopin, Beethoven u.a

Takt der Empfindung


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Französische Pianisten haben es schwer, sich der Welt zu Bewusstsein zu bringen. Dem kann abgeholfen werden.

Worin die Eigenart der französischen ‚Klavierschule‘ besteht, ist Gegenstand von Kontroversen. Am zuverlässigsten ist sie durch den Repertoireschwerpunkt bei Debussy und Ravel zu charakterisieren. Beide Komponisten fallen mit präzisen Vortragsbezeichnungen auf: Sie setzen jeder Interpretenfreiheit oder -willkür enge Grenzen. Das unterscheidet sie vom russischen oder deutschen Repertoire, denn zu Mozarts oder Beethovens Zeiten war präzise Notation nicht einmal möglich. Bei Debussy und Ravel kommt es folglich auf Disziplin, nicht Inspiration, an. Dies ist das klarste Abgrenzungsmerkmal der französischen gegenüber anderen Klaviertraditionen. Dagegen ist fraglich, ob die Einschätzung Debussys und Ravels als Impressionisten weit trägt. Dass es auf Klang, Duft, Harmonie ankommt, nicht Linie und Kontur, ist ein Vorurteil, das vornehmlich außerhalb Frankreichs gepflegt wird, und wenig mit der Sache selbst zu tun hat. Die Sache selbst – französische Klaviermusik, französisch aufgefasst – haben BBC und Medici Arts filmisch dokumentiert. In Fernsehaufnahmen der sechziger Jahre mit brauchbarer Ton- und Bildqualität können drei Meister der französischen Schule bei der Arbeit beobachtet werden.

Vlado Perlemuter bietet Ravels Klavierkonzert für die linke Hand und die Toccata aus 'Le tombeau de Couperin'. Perlemuter war ein Künstlerfreund Ravels gewesen und nahm, vielleicht nicht zu Unrecht, in Anspruch, dessen berufener Interpret zu sein. Von Geburt war Perlemuter, der 2002 verstarb, Pole. Die doppelte Prägung durch polnische Herkunft und französische Sozialisation macht ‚seinen‘ Chopin zum besonderen Erlebnis. Hier sind die Etüde a-moll, op. 25, Nr. 11, und die Mazurka a-Moll op. 17, Nr. 4, dokumentiert. Die ungewöhnliche Helligkeit und Schlankheit des Tons wie der Empfindung wird der französischen Hälfte Perlemuters zugerechnet werden dürfen.

Yvonne Lefébure, eine Lehrerin Dinu Lipattis, führt späten Beethoven auf. Es handelt sich um die vergleichsweise zarte, des Schroffen entratende A-Dur-Sonate op. 101. Sie wird erfreulich klar, mit rhythmischer wie Tempo-Kontinuität und feinem Leggiero geboten. Lefébures lyrischer Beethoven-Stil kann – in dieser Sonate – neben herberen, schwergängigeren Lesarten deutsch sozialisierter Interpreten wie Backhaus, Schnabel, Serkin oder Arrau durchaus bestehen.

Der in Deutschland bekannteste französische Pianist, Robert Casadesus, ist mit Auszügen aus Faurés 'Thème et variations' op. 73, zu hören und sehen. Es sind kaum fünf Minuten Musik, in Casadesus’ Salon aufgenommen und von ihm selbst mit sparsamen Worten kommentiert. Immerhin so viel wird hörbar, dass dieser Pianist über Charakterisierungskunst von geradezu Cortot’schem Format verfügt, die weit über allfällige Eigenarten der französischen Klavierschule hinausgreift, gewissermaßen ins musikalisch Universelle. Wie suggestiv der Klang einer Orgel nachgeahmt wird – vollgriffig rauschend, farbig, sonor –, macht bleibenden Eindruck. Wer sich in Zeiten der Globalisierung musikalischen Geschmacks nationaler Klangtraditionen, der tönenden Vielfalt der Welt, vergewissern möchte, wird an diesen Dokumenten seine Freude haben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:






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    The French Piano School. Perlemuter, Lefébure, Casadesus u.a spielen: Werke von Ravel, Chopin, Beethoven u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
02.01.2009
Medium:
EAN:

DVD
899132000817


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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