> > > Mahler, Gustav: Sinfonie Nr. 2 c - Moll ´Auferstehung´
Montag, 24. Februar 2020

Mahler, Gustav - Sinfonie Nr. 2 c - Moll ´Auferstehung´

Wie ein brodelnder Feuerofen


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Energie geladen steigert Claudio Abbado im Live-Mitschnitt aus Luzern die hypertrophen Klänge von Mahlers 'Auferstehungssinfonie'.

Claudio Abbado gilt, seit er l965 sein Salzburger Debüt mit Mahlers Zweiter Sinfonie gab, als ein Mahler-Spezialist von hohen Graden. Diesen Ruf bestätigen seine Schallplattenaufnahmen mit den Wiener und Berliner Philharmonikern und dem Chicago Symphony Orchestra, auch Live-Konzerte mit dem London Symphony Orchestra. Mit dem neu gegründeten Lucerne Festival Orchestra, eine Vereinigung aus Ehemaligen und Aktiven Berliner und Wiener Philharmonikern, Mitgliedern des Mahler Chamber Orchestra sowie renommierten Solisten, entstand unter Abbados Stabführung  der Live-Mitschnitt von Gustav Mahlers Zweiter Sinfonie. Wie Claudio Abbado Gustav Mahlers populärstes Werk unter expressiven Hochdampf setzt, lässt sich auf der DVD nacherleben, und zwar in hörgerecht arrangierten Szenen aus dem von Jean Nouvel entworfenen Kultur- und Kongresszentrums Luzern.

Die Bildregie unter Nyija Jancsó hält sich fern von penetranter instrumentaler Hinweishaftigkeit, wo einzelne Instrumentengruppen desintegriert ins Bild kommen. Was die Regie einfängt, macht unter musikalischen Aspekten Sinn, liefert auch optische Wegmarken, wie Claudio Abbado mit seinen strikt funktionalisierten, allein aus der Partitur ableitbaren knappen, sachbezogenen Dirigiergesten das Musizieren aus heißem Herzen praktiziert. Sehr schlüssig sucht die Kameraführung im Rund der wie ein Schiff errichteten Architektur nach optischen Fixpunkten. Das visionäre Flackern in den klanglichen Fieberkurven erscheint nicht nur das Resultat akustischer Faszination zu sein. Erst der Genuss via DVD ermöglicht ein ganzheitliches Erleben.

Abbado interpretiert Mahler mit viel Verve – effektreich, dramatisch, expressiv. Zu bewundern ist die thematische Verarbeitung. Oft gleicht das Geschehen einem brodelnden Feuerofen. Prägnant erscheinen Sforzati und Akzente. Subtil stuft Abbado die Dynamik und Klangbalance in den unteren Stärkegraden (Pianoregion) und in der polyphonen Stimmführung (Innengewebe) ab. Mitunter reicht die orchestrale Registrierung (Blechbatterien von gewaltiger Stärke, auch heftige Eruptionen der Schlagwerker) an die Schmerzgrenze. Von berückender Schönheit sind die Fernwirkungen der Blechbläser-Chöre. Gut zum Tragen kommt im dritten Satz ('Scherzo') das skurrile Ineinandergreifen von Tanzmusikphrasen mit deren Verzerrungen. In der Parallelität verschiedener melodischer Verläufe liegt ja ein nicht unerheblicher Reiz der Mahlerschen Musik, nicht zuletzt auch der dichten kontrapunktischen Linien wegen, die deutlich genug verfolgbar bleiben.

Ein Wunder an klanglichem Zauber entfacht der vierte Satz ('Urlicht', sehr feierlich, aber schlicht). Anna Larsson gibt mit modulationsreicher, dunkel getönter Stimme ihr 'Gott wird mir ein Lichtchen geben, wird leuchten mir bis in das ewig Leben'. Das gelingt ihr fabelhaft in der Schlichtheit und Reinheit des Ausdrucks. In den Exaltationen des ‚Großen Appells’ (5. Satz, im Tempo des Scherzos) wird das sinfonische Geschehen zu taumelnder Höhe gesteigert. Da ist Claudio Abbado ganz in seinem Element. Mahlersche Wildheit und Ungebärdigkeit äußern sich in geschärften, fast grellen Klangeruptionen. Die beiden Gesangssolistinnen (Eteri Gvazava, Sopran mit leuchtenden Höhen) mischen ihre Stimmen wie sprechende Instrumente bei. Das Lucerne Festival Orchestra, mit vielen jungen Gesichtern, erfreut durch homogenen Klang (berückend schön die Fernwirkungen der vier Trompeten).

Der stimmkräftige Chor ‘Orfeón Donostiarra’ (einstudiert von José Antonio Sainz Alfaro) nutzt die Fülle seines Atems, um der geballten Wucht des Orchesters entgegenzutreten. Die Wiedergabe aus dem ausverkauften großen Konzertsaal des Kultur- und Kongresszentrums Luzern geschieht auf einem hohen Niveau.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:





Kritik von Prof. Egon Bezold,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mahler, Gustav: Sinfonie Nr. 2 c - Moll ´Auferstehung´

Label:
Anzahl Medien:
EuroArts
1
Medium:
EAN:

DVD
880242532695


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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