> > > Leighton, Kenneth: Sinfonie Nr. 2 op. 69
Montag, 24. Januar 2022

Leighton, Kenneth - Sinfonie Nr. 2 op. 69

Eine große Chorsymphonie


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Kenneth Leightons 'Sinfonia mistica' wird mit dieser grandiosen Einspielung in den verdienten Rang als Werk von bleibendem Wert erhoben.

Einmal mehr setzt sich das britische Label Chandos für einen Komponisten von der Insel ein, der im übrigen Europa fast völlig unbekannt ist: Kenneth Leighton (1929–88). Diese CD ist die zweite Veröffentlichung in einer Reihe, in der alle größeren Orchesterwerke Leightons erscheinen sollen, viele davon in Ersteinspielungen. Einigermaßen populär waren zu Lebzeiten des Komponisten seine drei Klavierkonzerte, während die Symphonien (ebenfalls drei an der Zahl) lediglich auf verhaltenes Interesse stießen. Rein instrumental konzipiert ist nur die erste Symphonie op. 42; die beiden nachfolgenden Werke binden die menschliche Stimme mit ein. Die hier zu hörende zweite Symphonie op. 69 entstand in den Jahren 1973/74 und besteht aus sechs Sätzen. Die traditionelle Viersätzigkeit dient nur noch als Gerüst, zwischen Kopfsatz und Finale stehen zwei Scherzi, eine 'Meditation' und eine 'Elegy'. Zum Orchester hinzu treten Sopran und Chor, die ausgewählten Texte stammen unter anderem aus der Feder des Poeten John Donne (1572–1631). Nach Leightons Worten ist die Symphonie als 'Meditation über den Tod' zu verstehen, woraus sich die Betitelung als 'Sinfonia mistica' erklärt. Deutlich kürzer ist das 1964 entstandene und zwei Jahre später orchestrierte Te Deum für Bariton, Chor und Orchester. Richard Hickox leitet in beiden Werken das BBC National Orchestra of Wales und den gleichnamigen Chor, die Solisten sind Sarah Fox (Sopran) und Gareth Rhys-Davies (Bariton). Die Aufnahmen entstanden im November 2007, ein Jahr vor Hickox´ frühem Tod im Alter von 60 Jahren am 23. November 2008.

Die Besetzung der Symphonie erinnert an Mahler, doch weitere Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Komponisten lassen sich nur vereinzelt finden. Leightons Schreibweise zielt nicht auf gewaltige Steigerungen, sondern dient einem musikalischen Fluss, in den zunächst (im ersten Satz) die Sopranstimme geschickt eingebunden wird. Orchestrale Glanzpunkte können Hickox und die walisischen Musiker dann im ersten Scherzo setzen. Der schnelle, rhythmisch stark akzentuierende Satz verlangt große Präzision, über die das Orchester ohne Zweifel verfügt. Bei Eintritt des Chores gelingt es Hickox, die Instrumente angemessen zurückzuhalten.

Die beiden Mittelsätze repräsentieren mit ihren langsamen Tempi wohl am deutlichsten die Todesthematik. Ein bewegendes Englischhorn-Solo leitet die 'Meditation' ein. Der Stimmungsumschwung vom lebhaften ersten Scherzo in den Requiem-Charakter dieser Mittelsätze gelingt Hickox ausgezeichnet, das zweite Scherzo (mit netten pizzicato-Effekten der Streicher) dient als knappe Überleitung zum ausgedehnten Finale. Mit dieser Konzeption der Symphonie auf ein großes Chorfinale hin eröffnen sich erneut Parallelen zu Mahler. Doch von einem großen orchestralen Triumph, wie ihn etwas Mahlers Zweite bietet, kann im Finalsatz der 'Sinfonia mistica' keine Rede sein. Leisere Töne herrschen vor, das Klavier wird raffiniert ins Orchester integriert. Das BBC National Orchestra of Wales überzeugt mit feinsten Abstufungen im piano-Bereich. Auch der Chor macht seine Sache sehr gut und erhält von Hickox die notwendigen Freiräume. Nur die Leistung von Sarah Fox fällt etwas ab, vor allem ihre Aussprache ist nicht optimal. Dennoch kann die Interpretation insgesamt überzeugen, Leightons zweite Symphonie ist Benjamin Brittens berühmtem 'War Requiem' thematisch verwandt und substanziell fast ebenbürtig.

Das Te Deum präsentiert sich in Anspruch und Umfang weit bescheidener als die Symphonie, sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Die vier kurzen Teile des Werkes sind ganz auf den Chor zugeschnitten, der hier an die Leistung in der 'Sinfonia mistica' anknüpft. Rhys-Davies ergänzt den positiven Eindruck mit seiner kraftvollen Baritonstimme. An beiden Kompositionen hervorzuheben ist die sehr gute Klangbalance zwischen Solo, Chor und Orchester, aber auch innerhalb des Orchesters.

Ohne Zweifel ist allen Beteiligten mit dieser Einspielung der zweiten Symphonie ein großer Wurf gelungen. Zwanzig Jahre nach Leightons Tod ist es an der Zeit, diesen herausragenden Tondichter zu entdecken, dessen konservative Grundhaltung im Europa der 1970er und 80er Jahre wenig gefragt war. Heute sollte es möglich sein, frei von Ideologien zurückzublicken und Leightons 'Sinfonia mistica' als das Meisterwerk zu würdigen, das sie tatsächlich ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Leighton, Kenneth: Sinfonie Nr. 2 op. 69

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
21.11.2008
Medium:
EAN:

CD
095115149522


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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