> > > Classica Cubana spielen: Werke von Portabales, Pedrá, Amat u.a
Samstag, 24. Februar 2018

Classica Cubana spielen - Werke von Portabales, Pedrá, Amat u.a

Kuba im Wohnzimmer


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


MDG gelingt mit 'Classica Cubana' eine tolle Einspielung kubanischer Musik.

Neben Zigarren zählt bei Kuba natürlich auch die Musik als wichtigstes Exportprodukt, spätestens seitdem die Weltöffentlichkeit mit dem Buena Vista Social Club in den 90iger Jahren auf die Musik dieser landschaftlich beeindruckenden Insel aufmerksam wurde. Mit der SACD Produktion ‚Classica Cubana‘ des Labels MDG besinnt man sich gezielt auf die Musiktradition des Landes. Der Titel verweist bereits auf die Auswahl der Stücke: Die CD beinhaltet einige der wichtigsten Musikstücke einer in Kuba aufkommenden Popularmusikkultur Ende der 1920iger/1930iger Jahre, welche eben mittlerweile zum Standardrepertoire der kubanischen Musikkultur gehören: 'Dos Gardenias‘ (Bolero), 'Lágrimas Negras‘ (Bolero), 'Capullito de alelí‘ (Son). Diese Titel werden bei ‚Classica Cubana‘ teilweise nur instrumental interpretiert. Alle weiteren Titel der insgesamt 14 Titel stammen mehrheitlich von den beteiligten Musikern selbst.

Das Booklet macht, neben einer aufschlussreichen Auskunft zu den einzelnen Musikern, deutlich, aus welcher Motivation diese Produktion hervorgegangen ist. Die Idee zum Repertoire entstammt vom Tres-Spieler Pancho Amat und dem Gitarristen Joaquin Clerch, auch im Bestreben, Instrumentalmusik in expliziter Verbindung mit Kubas Nationalinstrument zu vereinen: Das Tres, ein mit drei Saitenpaaren versehenes gitarrenähnliches Instrument, lässt sich historisch bis in die Zeit der Conquista durch die spanische Kolonialmacht zurückverfolgen – man erfährt einiges darüber im Booklet. Die Erläuterungen enden mit Nennung der kubanischen Sängerin Maria Eugenia, diese hat Pancho Amat stets zu Instrumentalkompositionen, um auch dem Tres zur Kategorie eines Konzertinstrumentes zu verhelfen, animiert. So finden wir ebenfalls eine Komposition von Pancho Amat als Hommage mit gleichnamigem Titel 'Maria Eugenia' vor.

Liebe zum Detail

Etwas ungewöhnlich ist die Besetzung von Gitarre und Tres. Dies resultiert aus dem Bestreben, beide Instrumente musikalisch gleichberechtigt in die Musik zu integrieren; beide sind Begleit- sowie vollwertige Soloinstrumente. Alle Stücke überzeugen durch eine authentische und gekonnte instrumentale Umsetzung. So brilliert der Gitarrist beim Titel 'Guajira a mi madre' durch eine gekonnte, ausgedehnte Einleitung, bei der er sich selbst im Wechsel mit einem Montuno begleitet, soliert und das Ganze ohne auch nur ansatzweise die rhythmische Präzision zu verlieren. Amat zeigt bei diversen Titeln, dass das Tres den Status eines vollwertigen, auch ‚alleinunterhaltenden‘ Instrumentes verdient. Seine Einleitungen beeindrucken durch melodiöses, akkordisches und auch rasantes Spiel.

'Lágrimas Negras', eine Komposition von Miguel Matamoros, ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr die Musiker in der kubanischen Musiktradition verwurzelt sind. Der Titel wird im allgemeinen als (langsamer) Bolero interpretiert. Weiß man jedoch um die musikgeschichtliche Bedeutung des Komponisten – er gilt als ‚Erfinder‘ des Bolero-Son – so bietet sich eine als Bolero-Son angepasste Interpretation des Titels in einem etwas flotterem Tempo durchaus an. Diese kleinen Details zeugen eben von eine fundierten Stilkenntnis und Detailfreudigkeit. Auch die anderen Titel erhalten ihre frische durch ein bewusst sparsames Arrangement – so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Neben den traditionell vorgetragenen Stücken, werden auch die in Kuba üblichen Stilvermengungen wie z.B. mit Jazz vorgestellt. Eine Eigenkomposition des mehrfach ausgezeichneten Gitarristen Joaquin Clerch 'Enséñame' vermischt eine Pop’ige Redundanz, mit erweiterten, jazzig anmutenden Akkorden und Solopassagen.

Wohltuender Klang

Obwohl deutlich wird, dass Joaquin Clerch und Pancho Amat die Protagonisten dieser Produktion sind, zeichnet sich dieses Ensemble auch durch hervorragendes Zusammenspiel und ausgeglichene Klangbalance aus. Die Flötistin Anette Maiburg fügt sich auch als Nicht-Kubanerin gut in das Ensemble ein, setzt die Klangfacetten ihres Instrumentes geschmackvoll ein. Der Bassist Omar R. Calvo sowie der Perkussionist Alexander Raymat verhalten sich entsprechend ihrer begleitenden Funktion im Ensemble, auf große solistische Einlagen wird bewusst verzichtet.

Insgesamt zeichnet sich diese Produktion durch ihre bewusst angewandte Sparsamkeit aus. Diese Sparsamkeit resultiert eben aus dem Bewusstsein für die Stileigenarten und der Tradition der Musik, fokussiert somit das Essentielle der Musik. Dass gebürtige Kubaner wissen, wie ihre eigene Musik zu spielen ist, sollte nicht verwundern. Dennoch ist bei dieser CD die Detailarbeit zu spüren. Diese besondere Mühe auf musikalischer Ebene sowie auf der Ebene der technischen Produktion macht diese CD ein Stück weit zu etwas Besonderem. Das Label MDG legt besonderen Wert auf ein Klang-Konzept, welches ‚alle Einspielungen […] in der natürlichen Akustik speziell ausgesuchter Konzerträume‘ aufzeichnet, dass auf jede Klangveränderung ‚für ein audiophiles Label verzichtet wird‘, verstehe sich von selbst. Dieser Anspruch wird bei ‚Classica Cubana‘ durchaus erfüllt.

Die Aufnahme ist äußerst transparent, ein warmer Nachhall verleiht der Aufnahme eine wohltuende Atmosphäre. Nebengeräusche, die z.B. eine mit Nylonsaiten versehene Akustikgitarre verursacht, sind kaum wahrzunehmen, auch dank der guten Spieltechnik des Gitarristen. Damit ist ‚Classica Cubana‘eine äußerst gelungene CD-Produktion, die aufgrund sorgsamen, detailfreudigen Umsetzung und stilistischer Authentizität anderen ähnlichen Produktionen vorzuziehen ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Classica Cubana spielen: Werke von Portabales, Pedrá, Amat u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
MDG
1
17.10.2008
54'16
2008
EAN:
BestellNr.:

760623153667
MDG 910 1536-6


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"Es ist eine Liebeserklärung an Kuba, eine Hommage an die Tres als „das“ kubanische Nationalinstrument und es ist eine Erinnerung an Maria Eugenia, die viel zu früh verstorbene Ehefrau: Pancho Amat präsentiert mit dem kubanischen Gitarristen Joaquín Clerch die Musik seiner karibischen Heimat. Als „Classica Cubana“ haben die beiden weltbekannten Musiker mit Freunden eine (SA)CD aufgenommen, die höchst eindrucksvoll die Rhythmen und Stimmungen Kubas nach Europa trägt. Die Tres ähnelt einer kleinen Gitarre, bespannt mit drei Saitenpaaren. Zuerst fand das Instrument auf den Zuckerplantagen Verbreitung, dann trat es seinen Siegeszug durch die Dörfer und Städte Kubas an und ist nun ein fester Bestandteil der kubanischen Volksmusik. Der Son Cubano, ein traditioneller Musikstil, spielt dabei eine zentrale Rolle, aber auch Rumba, Chachacha und Mambo sind auf dieser Aufnahme zu hören. Pancho Amat ist der weltweit führende Tres-Spieler. Er entlockt dem Instrument einen unvergleichbar transparenten Klang, versteht es aber auch die Dynamik fein abzustufen. Die Tres, ein Geschenk seines Vaters in Kindertagen, wurde sein Freund, mit ihr lernte er Land und Leute kernen, durch sie fand er seine große Liebe und er traf mit ihr Joaquín Clerch, sein musikalisches Spiegelbild an der Gitarre. Das Ensemble wird bei einigen Stücken zum Quintett erweitert, wobei Anette Maiburg mit ihrem weichen, einfühlsamen und ungemein geschmeidigen Flötenton den klassischen europäischen Gegenpol zu Omar Rodriguez Calvo (was für Kontrabass-Soli!) und Alexander Raymat, Percussion, bietet. Ein ebenso unterhaltsames wie erfrischendes Programm mit einer hervorragenden Aufnahme und einem Hauch „Havanna“ gewürzt. "


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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