> > > Bach, Johann Sebastian: Französische Suiten BWV 812-817
Dienstag, 29. September 2020

Bach, Johann Sebastian - Französische Suiten BWV 812-817

Unter Bögen


Label/Verlag: Arts music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Francesco Cera mit einer durchdachten und insgesamt sehr gelungenen Aufnahme der Französischen Suiten Johann Sebastian Bachs.

Johann Sebastian Bachs Schaffen war – wie das der meisten Zeitgenossen – stark von den Erfordernissen der jeweiligen Umgebung, von den Wünschen des ‚Arbeitgebers’ abhängig. Das schlug sich in der kreativen Beschäftigung mit sehr verschiedenen musikalischen Gattungen nieder. Während Bachs Köthener Zeit standen verstärkt Instrumentalwerke auf dem Arbeitsprogramm des Komponisten, unter anderem die um 1720 entstandenen sechs Französischen Suiten BWV 812-817.

An deren Beginn fehlt die nach dem französischen Vorbild eigentlich übliche Ouvertüre, Bach beginnt sofort mit der Reihe der stilisierten Tanzsätze. Dabei zeichnet er sehr variantenreich ein breites Spektrum musikalischer Charaktere, prägt die verschiedenen musikalischen Typen aus, verleiht mancher Satzart – etwa der Sarabande – besonderes Gewicht und inhaltliche Schwere. Strukturelle Tiefe und die angemessene Reminiszenz an die tänzerischen Vorbilder befinden sich dabei in fortdauernder Balance – das ist zweifellos eine besondere Qualität der Stücke wie es gleichzeitig eine Herausforderung für den Interpreten ist.

Der profilierte italienische Cembalist Francesco Cera verbindet die Suiten unter zwei gedanklichen Bögen, wobei der größere der beiden ambitioniert und dem Hörer vielleicht nicht deutlich ist: Die ersten drei Sammlungen sind in Moll-Tonarten geschrieben, die zweite Hälfte der Sätze steht in Dur. Cera geht in der Anordnung der Suiten davon aus, dass bestimmte den Tonarten von zeitgenössischen Größen wie Kircher, Charpentier oder Mattheson zugeschriebene Eigenschaften eine inhaltliche, ja geistliche Ebene mitentstehen lassen: Von Ernst, Trauer, Einsamkeit zu liebevollem Licht, ja zur jenseitigen Freude führt die Musik. Analog: Die christliche Seele löst sich aus der Sünde des irdischen Lebens durch Gebet und Trost hin zu den Freuden des Paradieses.

Immerhin stellt Cera dem Hörer jede Deutung frei, was angesichts der rein musikalischen Qualitäten der Aufnahme geboten und gerechtfertigt ist.

Sehr gelungen

Cera hat sich mehr als einmal – etwa in einer von Bach-Aufnahmen mit Diego Fasolis – interpretatorisch in den Vordergrund gespielt. Er verfügt neben der notwendigen technischen Basis und Geläufigkeit über viel gestalterische Geduld, überzieht die Tempi nicht und bildet damit im Reigen der Sätze einer jeden einzelnen Suite den zweiten, kleineren, gewissermaßen inneren Bogen in seiner Interpretation. In den bewegteren Sätzen entfaltet Cera aber auch angemessene Brillanz und Spielfreude. In allen Sätzen überzeugt seine Interpretation durch eine flexible Agogik: Alles Gleichförmige und Mechanische wird vermieden.

Erwähnenswert ist das verwendete Instrument: Es handelt sich um den 2006 von Roberto Livi realisierten Nachbau eines Instruments des Franzosen Vincent Tibaut aus dem Jahr 1691. Es verfügt in hoher Lage über einen erstaunlich silbrigen, gut fokussierten Klang, hat zugleich eine sonore Tiefe und lässt mit seiner transparenten Klarheit Luft für die fein strukturierten Sätze. Der typische Klang mancher französischen Instrumente des 18. Jahrhunderts – weich, voluminös und insgesamt etwas neblig – fehlt erfreulicherweise vollkommen. Zusammen mit dem auch technisch exzellenten, ebenso klaren wie ausgewogenen Klangbild rundet das eine sehr gelungene Aufnahme ab.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Französische Suiten BWV 812-817

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Arts music
2
06.10.2008
132.47
2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

SACD
600554773889
47738-8


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