> > > Frantisek Hantak spielt: Oboenkonzerte von Mozart, Martinu & Strauss
Sonntag, 29. Mai 2022

Frantisek Hantak spielt - Oboenkonzerte von Mozart, Martinu & Strauss

Erinnerung an einen Oboisten


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Label Supraphon widmet dem Oboisten František Hanták eine CD mit historischen Einspielungen dreier konzertanter Werke.

Mit seinem Können hat der Oboist František Hanták (1910–1990) nach dem Zweiten Weltkrieg viel dazu beigetragen, dass die solistischen Qualitäten seines Instruments nicht aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden sind. Seine Karriere führte ihn durch bedeutende Orchester: 1932 trat er der Tschechischen Philharmonie bei, 1943 wurde er erster Oboist im Sinfonieorchester des Tschechischen Rundfunks und später Solist der Staatlichen Philharmonie Brno, als herausragender Kammermusiker gehörte er zudem seit 1959 dem Tschechischen Bläserquintett der Philharmoniker an. Hantáks Fähigkeiten regten zahlreiche tschechische Komponisten zu neuen Werken an, und er war es auch, der 1960 kurz nach Bohuslav Martinus Tod dessen Oboenkonzert zum ersten mal aufführte, ohne sich dabei durch die Ungnade irritieren zu lassen, in die der Komponist bei den offiziellen Stellen seines Heimatlandes gefallen war. Das Label Supraphon widmet dem Musiker nun in der Reihe ‚Supraphon Archiv’ eine CD mit historischen Aufnahmen dreier Oboenkonzerte aus den 1950er- und 1960er-Jahren, die gleichsam exemplarisch für Hantáks Können sind.

Im Zentrum steht die wunderbare Einspielung von Martinus Konzert für Oboe und kleines Orchester H 353 (1953) aus dem Jahr 1962 mit der Staatlichen Philharmonie Brno unter Leitung von Martin Turnovsky. Hier beeindruckt insbesondere die von Solist und Orchestermusikern in gleichem Maße nachgezeichnete, intensive Farbigkeit des ‚Poco andante’-Mittelsatzes. Hanták agiert dabei – unterlegt von Klaviertremoli und spannungsreich aufgeladenen Streicherakkorden – rhapsodisch frei, sich zwischen lyrischem Gesang und Klage bewegend, während er in den raschen Rahmensätzen durch seine Virtuosität beeindruckt. Die Aufnahme ist trotz ihres Alters schön klar und in der Ausführung präzise, wenngleich die tieferen Frequenzbereiche für heutige Verhältnisse weniger gut ausgelastet sind.

Flankiert wird Martinus Konzert von zwei weiteren Kompositionen aus dem bekannten Repertoire für Oboe: Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert C-Dur KV 314a (1777) mit der Tschechischen Philharmonie unter Milan Munclinger in einer Aufnahme von 1956 wirkt heute freilich etwas angestaubt, wozu nicht nur ihr enges Klangbild beiträgt: Hier wird alles ein wenig breit genommen, es herrschen Kantigkeit und kraftvolles Spiel statt Flexibilität und artikuliertem Vortrag. Entsprechend nähert sich Hanták dem Solopart mit einem hohen Maß an Exaltiertheit und kehrt die virtuosen Momente nach außen, die er mit allzu langen Kadenzen noch zusätzlich unterstreicht, was besonders im langsamen Mittelsatz etwas störend wirkt.

Den Abschluss der CD bildet das Konzert für Oboe und kleines Orchester (1945) von Richard Strauss, das von allen eingespielten Werken am wenigsten überzeugt. Weder der Solist noch die Staatliche Philharmonie Brno, die in dieser Aufnahme von 1962 unter Leitung von Jaroslav Vogel spielt, finden wirklich zu dem ganz eigenen Tonfall, den das Straussche Werk einfordert: Von Anfang an ist die Musik unruhig, die Gestaltung der Phrasen in Solopart und Orchester wirkt in den Rahmensätzen abgehackt und kurzatmig, und nur gelegentlich – so in einigen Passagen des langsamen Satzes – klingt etwas von jener spätromantisch-verklärten und doch intimen Zwiesprache an, die im glücklichsten Fall bei der Interpretation entstehen kann. An die Qualität der gelungenen Martinu-Darbietung reicht dies jedoch leider nicht heran.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Frantisek Hantak spielt: Oboenkonzerte von Mozart, Martinu & Strauss

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
17.10.2008
Medium:
EAN:

CD
099925395520


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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