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Mittwoch, 23. September 2020

Peter Pears singt - Werke von Britten

Zwei Liebende


Label/Verlag: Membran
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein nicht nur in historischer Hinsicht spannender CD-Schuber, der das gemeinsame Schaffen und Wirken von Benjamin Britten und Peter Pears dokumentiert.

Richard Wagner und Hans von Bülow, Johannes Brahms und Joseph Joachim, Ludwig van Beethoven und das Schuppanzigh Quartett, Adrian Leverkühn und Rudolf Schwerdtfeger, das sind nur einige wenige reale und literarische Beispiele fruchtbarer Beziehungen zwischen Komponisten und Musikern, Schöpfern und Ausführenden. Im Falle des vorliegenden 10-CD-Schubers, der bei Membran erschienen ist, hat man sich einem Paar gewidmet, welches gleich aus mehreren Gründen in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts eine besondere Position einnimmt: Benjamin Britten (1913–1976) und Peter Pears (1910–1986). Die Zusammenarbeit des Komponisten aus Lowestoft mit dem Tenor aus Farnham erstreckte sich über einen Zeitraum von beinahe 40 Jahren und gestaltete sich so intensiv, dass Pears einmal über Britten äußerte: ´Er hat nichts geschrieben, was ich nicht singen konnte´. Hinzu kommt, Britten und Pears führten eine jahrzehntelange Liebesbeziehung, die erst mit Brittens Tod ein Ende nehmen sollte. Das ist umso bewundernswerter, als Homosexualität in Großbritannien bis 1967 strafrechtlich verfolgt wurde, sowohl Pears und Britten in ihrem Heimatland aber nichtsdestotrotz zu sehr hohem Ansehen gelangten und man sie bekanntlich sogar in den Adelsstand erhob.

Dass man sich bei dieser Zusammenstellung historischer Aufnahmen mit Britten und Pears nun tatsächlich einige Gedanken gemacht hat, und der Britten- oder Pearsfan es hier nicht mit einem lieblos produzierten, schlecht aufbereiteten Bündel von Wiederveröffentlichungen zu tun hat, davon gibt bereits schon der 30 Seiten lange, in englischer und deutscher Sprache abgedruckte Booklet-Text Zeugnis, der schön bebildert in aller Ausführlichkeit über Brittens und Pears’ Leben und Schaffen informiert. Sicher, die Texte zu den Vokalwerken fehlen im Booklet leider. Auch sind die zwischen 1939 und 1956 entstandenen Tondokumente als Einzelaufnahmen schon früher zu haben gewesen. Doch jeder, dem vielleicht das eine oder andere Werk Brittens mit ihm selbst als Dirigent oder Pianist und Pears als Tenor fehlt oder der sich einfach mit Brittens Werk auseinandersetzen möchte, kann sich den Schuber alleine aufgrund des relativ niedrigen Preises anschaffen.

Ein weiterer Pluspunkt ist die insgesamt zufriedenstellende Klangqualität, die für den Genuss dieser Interpretationen von allgemeiner Gültigkeit eine wesentliche Voraussetzung darstellt. Zwar haben die Knabenstimmensoli und der Kinderchor in ´Saint Nicolas´ op. 42 und ´A Ceremony of Carols´ op. 28 durch das Alter der originalen Tondokumente hörbar an Brillanz eingebüßt, und in den Gesamtaufnahmen der Opern ´The Rape of Lucretia´ op. 37 und ´The Turn of the Screw´ steht das Orchester deutlich in Sachen Transparenz und Präsenz hinter den Sängerstimmen zurück. Doch bewegen sich diese klanglichen Einbußen allesamt in einem akzeptablen Rahmen, zumal Aufnahmen wie die der ´Simple Symphony´ op. 4 und ´Variations on a theme of Frank Bridge´ op. 10 aus den Jahren 1938/39 oder ´The Little Sweep (Let´s make an Opera)´ op. 45 von 1956 aufgrund ihrer Plastizität und nicht zuletzt interpretatorischen Klasse jene, ohnehin zu erwartenden, Defizite aufwiegen.

Was das Hören von Pears´ und Brittens ganz direktem Zusammenwirken angeht, so bietet CD Nr. 10 mit ´Seven Sonnets of Michelangelo´ und Auszügen aus ´English Folk Songs´ hierfür eine perfekte Gelegenheit. Der größte Vorzug von Pears´ Stimme, liegt, wie öfter festgestellt wurde und hier wieder feststellbar ist, tatsächlich weniger im reinen Schönklang als in seiner im Italienischen wie Englischen vollendeten Deklamation und einem individuellen leicht wiedererkennbaren intensiven Timbre.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Peter Pears singt: Werke von Britten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Membran
10
30.03.2010
499:22
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4011222311344
231134


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"Die Verbindung des englischen Komponisten Benjamin Britten, und seines Partners, der britische Tenor Peter Pears, ist eine ganz besondere: Beide Musiker inspirierten sich gegenseitig fast vierzig Jahre lang zu künstlerischen Höchstleistungen, von der ersten Begegnung der beiden Männer 1937 bis zum Tod Brittens 1976. Mit der nun erscheinenden 10-CD-Box "if music be the food of love" wird das Ergebnis der fruchtbaren, künstlerischen Zusammenarbeit der beiden Ausnahmetalente gegeben: z. B. mit Einspielungen der „Serenade für Tenor und Horn“, von „The Turn of the Screw“ und „Billy Budd“ sowie den „Michelangelo-Sonets“. Britten komponierte viele Werke für seinen Lebensgefährten, wie sieben Werke für Orchester und Stimme. Dazu kommen sieben Liederzyklen, fünf Lobgesänge und zwölf Opernrollen. Britten ist bis heute der meistaufgeführte britische Komponist des 20. und des jungen 21. Jahrhunderts. Seine Musik und die Stimme Peter Pears‘ präsentiert if music be the food of love - ein einzigartiges Highlight der modernen englischen Klassik des 20. Jahrhunderts!"


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Membran

Die Hamburger Vertriebs- und Entertainment Gruppe

Membran, ursprünglich als Tonträger-Einzelhandelskette mit über 30 Shops 1968 gegründet, ist ein internationaler etablierter und Industrie-unabhängiger Musikvertrieb. 2010 richtet Membran seine Strategien neu aus und expandiert zur Membran Entertainment Gruppe.

Ansässig in der Medienstadt Hamburg, konnte Membran seit der Gründung 1968 seine Services beständig ausbauen: Vom Musikvertrieb mit A&R Management, Konzeption und Produktion über das Lizenz- und Rechte-Management von Musik- und Filmtiteln, über Buchverlag und Buchhandel, zum Digitalvertrieb und als Vertriebspartner vieler internationaler Labels: der independent Vertrieb ist mit seinen Katalogen und Produktionen weltweit tätig.

Über 40 Mitarbeiter entwickeln ständig neue Medienprodukte, Einzel und Sammel-Editionen aus einem mittlerweile über 10.000 Artikel umfassenden aktiven Katalog. Für die Auswertung über die gesamte Bandbreite an Medienformaten kann das Unternehmen auf einen Lizenz- und Rechte Pool mit über 250.000 Titeln zurückgreifen.

Produkte und Kataloge eigener sowie renommierter Label wie Ars Musici, NCA, Nuova Era, Documents, Classico, Motema oder Must Have Jazz erreichen die Endkunden weltweit direkt oder über internationale Handelspartner.

Die Labels aus dem Hause Membran bieten Produktionen in allen Musikrichtungen und Preisklassen. Man findet Jazz, Klassik, Pop, Rock, HipHop und Schlager und ein breites Spektrum an Genre-Kopplungen sowie ausgesuchte Buchprodukte und Sammel-Editionen.

Vor allem spezialisiert ist Membran im Klassikbereich und hat mit Labels wie NCA - New Classical Adventure und Nuova Era in diesem Segment eine führende Rolle. Es werden hochwertige und seltene Werke geboten, und neue Talente etabliert.

Für ihre Produktionen wurde die Membran Gruppe bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielten sie zweimal den LEOPOLD  Medienpreis des Verbandes deutscher Musikschulen und für Beethovens Streichquartette, eingespielt von dem Leipziger Gewandhaus-Quartett, den Jahrespreis 2004 beim Preis der deutschen Schallplattenkritik, wo sie mit weiteren Titeln die Bestenliste erreichten.


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