> > > Schubert, Franz: Schwanengesang
Donnerstag, 21. September 2017

Schubert, Franz - Schwanengesang

Und wieder grosser Schubert


Label/Verlag: Challenge Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Christoph Prégardien und Andreas Staier mit Schuberts ?Schwanengesang?: Fortsetzung der bemerkenswerten Schubertaufnahmen bei Challenge Classics auf höchstem Niveau.

Die Zusammenarbeit, die Christoph Prégardien mit dem Label Challenge Classics verbindet, hat bereits jetzt zu zwei aufsehenerregenden Aufnahmen geführt: Da wäre zunächst die vielbeachtete und wegen des Einsatzes zahlreicher vokaler Verzierungen auch viel diskutierte Einspielung der 'Schönen Müllerin', die Prégardien mit dem Pianisten Michael Gees, realisiert hat. Und nun liegt eine Aufnahme des letzten der großen Schubert-Liedzyklen, des ‚Schwanengesangs’ vor. Diese Arbeit führte Prégardien wieder mit seinem anderen langjährigen Begleiter, Andreas Staier zusammen.

Beide Künstler zeigen sich als gereifte Gestalter, bereit und in der Lage, die sehr verschiedenen Lieder der Sammlung konsequent nach ihrem jeweiligen Ausdruck zu formen und zu gestalten. Der ‚Schwanengesang’ wurde im Jahr nach Schuberts Tod vom Verleger Haslinger unter diesem Namen veröffentlicht und vereint drei doch recht verschiedene Gruppen: Sieben Lieder nach Texten von Ludwig Rellstab, sechs Lieder auf Verse von Heinrich Heine und, etwas isoliert, 'Die Taubenpost' nach einer Dichtung des Schubert persönlich Vertrauten Johann Gabriel Seidl. Eigentlich handelt es sich demnach weniger um eine wirklich geschlossene Reihe oder gar einen Zyklus, als um wenigstens zwei mehr oder weniger geschlossene Teile mit Rellstab- und Heine-Liedern. Auch das erklärt das große Spektrum der musikalischen Prägung – vom leichten Hauch bis zur schweren Expressivität. Die Mehrzahl der Lieder ist für die Singstimme ambitioniert gesetzt, wartet mit großen Intervallen und erheblichen Ausdrucksunterschieden auf engstem Raum auf. Harmonisch ist die Begleitung avanciert, gelegentlich kühn und in die Zukunft weisend – Schubert zeigt sich in diesen 1828 entstandenen Miniaturen auf der Höhe seiner Kunst. Ganz nebenbei wirft das eine Was-wäre-wenn-Frage auf: Was hätte der Einfluss eines siebzig oder achtzig Jahre lebenden und schöpferisch arbeitenden Schubert in der Musikgeschichte bewirken können?

Spitzeninterpreten

Doch zur Interpretation, die schlicht atemberaubend zu nennen ist. Prégardien zeigt sich als der große Souverän des Liedgesangs, technisch und gestalterisch mit allen Möglichkeiten, mit einer wirklich beispielhaften Deklamation und einem bemerkenswert unauffälligen Lagenausgleich – er bewältigt auch größte Tonsprünge scheinbar ohne jeden Aufwand, dabei stets mit idealem Stimmsitz und in der tieferen Lage mit beinahe baritonaler Wärme versehen. Die im Zusammenhang mit der vor kurzem erschienenen 'Schönen Müllerin' viel besprochenen Verzierungen setzt der große Stilist in dieser Aufnahme deutlich dezenter ein, damit auch dokumentierend, dass derlei Deutungszusatz kein Selbstzweck ist, sondern aus den musikalischen Potenzialen einer Komposition hervorgeht.

Andreas Staier nutzt die klanglichen Möglichkeiten seines Hammerklaviernachbaus aus und findet zu einem mild durchsonnten Grundklang, der gleichwohl auch eine solide Kraftentfaltung nicht ausschließt. Staier artikuliert auch in kleineren musikalischen Entwicklungen aktiv und sehr differenziert. Die für Schuberts Klavierbegleitsätze typischen perlenden Bewegungen der rechten Hand scheinen für diesen Instrumententypus wie gemacht.

Das alles wird in einem warmen, direkten und erfreulich plastischen Klangbild realisiert. Die Vokalstimme ist optimal fokussiert, das dynamische Spektrum wird differenziert abgebildet. Prégardien und Staier verfügen über die gesamte Bandbreite der expressiven Möglichkeiten, entfalten in gleichem Maße souverän Kraft und lyrische Konzentration. Das ist ausdrucksgebundene Gestaltung auf allerhöchstem Niveau und in reinster Form. Angesichts der enormen musikalisch-technischen Herausforderungen besonders bemerkenswert: Nie liegt ein Hauch von Anstrengung auf den Deutungen, alles wirkt selbstverständlich und leicht. Ganz große Interpretationskunst.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schubert, Franz: Schwanengesang

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Challenge Classics
1
03.10.2008
74:48
2008
EAN:
BestellNr.:

608917230222
CC 72302


Cover vergössern

Interpret(en):Prégardien, Christoph


Cover vergössern

"Das Erfolgs-Duo ist zurück: Christoph Prégardien & Andreas Staier Seit ihrer ersten gemeinsamen CD-Veröffentlichung mit Schuberts „Schöner Müllerin“ bei DHM (1992) steht das Duo Prégardien/Staier für allerhöchste Lied-Kunst. Bei zahllosen weltweiten Konzerten werden sie enthusiastisch gefeiert. Legendär zu nennen ist ihre „Winterreise“ von 1997 bei Warner Classics; 2001 erschien dort ihre letzte gemeinsame Aufnahme mit Liedern von Schubert nach Texten von Johan Mayrhofer. CHALLENGE CLASSICS ist stolz, nun beide Künstler mit dem noch fehlenden Schubert-Zyklus „Schwanengesang“ präsentieren zu dürfen, ergänzt mit ausgewählten Lieder nach Texten von Seidl. "


Cover vergössern

Challenge Classics

CHALLENGE RECORDS ist eine unabhängige Schallplattenfirma, die ihren Sitz in den Niederlanden hat. Sie setzt sich aus einer Gruppe von Musikenthusiasten zusammen, die mit großer Leidenschaft für den Jazz und die Klassische Musik internationale Produktionen kreieren.
Die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Ton Koopman, dem Combattimento Amsterdam, dem Altenberg Trio Wien, Musica Antiqua Köln u.v.a., gibt CHALLENGE CLASSICS ein eindeutiges Profil.
Neben den inhaltlichen Schwerpunkten im Bereich der Barockmusik und der Kammermusik, finden sich auch herausragende Aufnahmen im Liedgesang, in frühklassischer Sinfonik sowie Opern und Oratorien auf DVD-Video.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Von Dr. Matthias Lange zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... In sich gefangen: Christoph Prégardiens ebenso intensive wie distanzierte zweite Müllerinnen-Einspielung Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, 01.07.2008)

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Challenge Classics:

  • Zur Kritik... Mit Überraschungseffekt: Mayke Rademakers präsentiert mit dieser Tripel-CD die Bandbreite ihres musikalischen Könnens und überrascht mit einer ungewöhnlichen Zusammenstellung der einzelnen Titel. Weiter...
    (Tanja Geschwind, )
  • Zur Kritik... Maßstäbe: Das Brodsky Quartet interpretiert Britten - mit großem Erfolg. Was allerdings fehlt, ist das frühe Streichquartett D-Dur. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Vereinte Nationalstile: Muffat vermischte die ländertypische Musik seiner Zeit. Nicht nur deren spezifische Melodik und Harmonik eignete er sich an, sondern auch deren individuelle Ausführung. Vorliegende Aufnahme lässt in diesem Punkt einige Lebendigkeit vermissen. Weiter...
    (Thomas Bopp, )
blättern

Alle Kritiken von Challenge Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Jesus-Kantaten: Rudolf Lutz präsentiert eine besonders schlüssige Folge seiner Kantaten-Reihe. Die klingenden Ergebnisse überzeugen hier in ihrer Ausgewogenheit auf hohem Niveau ganz besonders. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Traditionell: Diese Sheppard-Platte bietet einen lebendigen, interpretatorisch hochstehenden Beleg für die Qualitäten der englischen Chortradition abseits der hochspezialisierten Solistenensembles, die das Bild heute so nachdrücklich prägen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Gelegenheitswerk: Howard Arman und seine potenten Ensembles plädieren niveauvoll und inspiriert für diese rare Musik: Die kompositorische Klasse stimmt, wie stets bei Händel, auch im 'Occasional Oratorio'. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Seltene Erden: Ein Dokument des Gelingens. Weiter...
    (Dr. Daniel Krause, )
  • Zur Kritik... Besser als die Vorlage: Der Pianist Blazej Kwiatkowski versteht Chopins Lieder als ganz persönliche Tagebucheinträge des Komponisten. Gemeinsam mit empathischen Stimmen und begleitet auf einem Breadwood von 1847 belässt er sie in ihrer Schlichtheit. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Vier Hände für das Himmelreich: Klügere Hände sind selten zu Ohren gekommen. Weiter...
    (Dr. Daniel Krause, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2017) herunterladen (1880 KByte) Class aktuel (3/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: Sinfonie Nr. 1 Die Glocken von Zlonice - Adagio di molto

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich